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Aichach-Friedberg: Klinikdefizit steigt auf Rekordhöhe – bleibt aber deutlich unter Plan

Aichach-Friedberg

Klinikdefizit steigt auf Rekordhöhe – bleibt aber deutlich unter Plan

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    Das neue Krankenhaus in Aichach ist seit zwei Jahren in Betrieb.
    Das neue Krankenhaus in Aichach ist seit zwei Jahren in Betrieb. Foto: Erich Echter

    Es gab Zeiten, da herrschte bei Sitzungen im Blauen Palais nicht nur Hoffnung, sondern fast Euphorie, wenn es um die Zukunft in Sachen Klinikdefizit ging. Vor einigen Jahren kratzte der kreiseigene Betrieb haarscharf an der „schwarzen Null“. Mit dem Neubau des modernen Aichacher Krankenhauses sollte im Geschäftsbetrieb sogar so viel Geld verdient werden, um damit die Schulden für das Projekt kontinuierlich tilgen zu können. Durch effizientere Arbeitsabläufe, niedrigere Energiekosten und höhere Attraktivität für Patienten sollten sich die Investitionen in das Ende 2018 eröffnete Haus refinanzieren. Bau und Grundstück kosteten rund 50 Millionen Euro, der Eigenanteil des Landkreises, nach Abzug des Staatszuschusses, liegt bei rund 22 Millionen Euro. Das war der Plan. Aktuell und auch mittelfristig sieht es aber nicht danach aus, dass er aufgeht.

    Das Wittelsbacher Land muss Millionen Euro ausgeben, um die Defizite der Krankenhäuser in Aichach und Friedberg (im Bild) auszugleichen.
    Das Wittelsbacher Land muss Millionen Euro ausgeben, um die Defizite der Krankenhäuser in Aichach und Friedberg (im Bild) auszugleichen. Foto: Ute Krogull

    Schon seit mehreren Jahren ist klar, dass der Landkreis den Kliniken bei der Schuldentilgung für den Neubau zur Seite springen muss. Aber auch für den laufenden Betrieb der Krankenhäuser in Aichach und Friedberg nimmt das Wittelsbacher Land längst wieder Millionenbeträge für den Defizitausgleich in die Hand.

    In fast 50 Jahren wurden 100 Millionen Euro ausgegeben

    Zur Entwicklung des Klinikdefizits hilft ein Blick in frühere Zahlenwerke: Seit der Landkreis-Fusion 1972 wurden in fast fünf Jahrzehnten insgesamt deutlich über 100 Millionen Euro zunächst in fünf Kliniken gepumpt. Die extrem kleinteilige Struktur verschlang hohe Summen: Die Krankenhäuser Pöttmes und Aindling wurden deshalb als erste geschlossen, Anfang des Jahrtausends folgte Mering. Aber auch danach zahlte der Kreis drauf: Negativ-Rekordjahr war bis dato 2002 mit einem Fehlbetrag von 5,5 Millionen Euro. In den Folgejahren sank das Defizit fast bis auf Null, um seither wieder kontinuierlich anzusteigen. 2017 und 2018 waren es nach Einsparungen noch jeweils zwei Millionen. Durch die Decke geht das Defizit seit 2019. Im Wirtschaftsplan und später bei Beratungen zu einem Nachtragshaushalt des Landkreises Ende 2019 war sogar die Rede von 11,5 Millionen Euro im schlimmsten Fall.

    Minus liegt rund vier Millionen unter den Befürchtungen

    Deshalb ist das tatsächliche Minus von 7,8 Millionen für das vergangene Jahr zwar immer noch ein Negativ-Rekord. Er liegt aber rund vier Millionen unter den Befürchtungen. Hauptgrund dafür ist übrigens, dass die Geburtenstation in Aichach mit dem Einzug in den Neubau geschlossen wurde. Der Betrieb einer Geburtshilfe ist an einem kleinen Standort nicht wirtschaftlich zu führen. Für das aktuelle Jahr (prognostiziert sind 6,2 Millionen) geht Geschäftsführer Dr. Hubert Mayer davon aus, dass sich das Defizit auf unter fünf Millionen Euro drücken lässt.

    Der Freistaat Bayern hat einen finanziellen Ausgleich zur Freihaltung von Kapazitäten für Covid-19-Patienten versprochen.
    Der Freistaat Bayern hat einen finanziellen Ausgleich zur Freihaltung von Kapazitäten für Covid-19-Patienten versprochen. Foto: Alexander Kaya (Symbolfoto)

    Das sei natürlich unter dem Vorbehalt zu sehen, wie sich die Corona-Pandemie weiter entwickle, so Mayer in einer Sitzung des Werkausschusses. Der Freistaat hat einen Ausgleich für die Freihaltung von Kapazitäten für die Covid-19-Patienten versprochen. Wie schon bei der ersten Welle, werden alle Corona-Patienten am Standort Aichach behandelt, damit der Betrieb in Friedberg weitgehend unbeeinträchtigt davon ist.

    Im Sommer 2019 wurde der zuletzt umstrittene Geschäftsführer entlassen

    Peter Schiele ist jetzt vom Werkausschuss zum stellvertretenden Geschäftsführer und zum Bereichsleiter Krankenhausorganisation und Versorgung bestellt worden. Im Sommer 2019 entließ der Kreistag mit einer Mehrheitsentscheidung den zuletzt umstrittenen Geschäftsführer Krzysztof Kazmierczak. Georg Großhauser, Abteilungsleiter im Landratsamt, leitete dann gemeinsam mit Schiele, Geschäftsführer der Servicegesellschaft des Kreises und früher schon Finanzchef bei den Kliniken, kommissarisch den kreiseigenen Betrieb. Hubert Mayer ist seit April Geschäftsführer und bei dessen Amtsantritt kündigte Landrat Klaus Metzger an, dass Schiele in der Klinikleitung bleiben soll.

    Abgeschlossen ist das Dauerthema „Raum der Stille“ im Ausschuss. Er soll in der Psychiatrischen Tagesklinik des Bezirks Schwaben entstehen. Wie berichtet, wird der Krankenhaus-Neubau in Aichach dafür aufgestockt.

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