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Aichacher Mordprozess: Blick ins blutverschmierte Bad: "Ein schreckliches Bild"

Aichacher Mordprozess

Blick ins blutverschmierte Bad: "Ein schreckliches Bild"

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    Ein Mann soll seine Ehefrau in Aichach mit 79 Messerstichen getötet haben. Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen Mord vor, die Verteidigung spricht von einer Affekthandlung. Der Prozess wird am Landgericht Augsburg verhandelt. AZ
    Ein Mann soll seine Ehefrau in Aichach mit 79 Messerstichen getötet haben. Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen Mord vor, die Verteidigung spricht von einer Affekthandlung. Der Prozess wird am Landgericht Augsburg verhandelt. AZ

    Mit 79 Messerstichen soll ein Mann im März seine getrennt von ihm lebende Ehefrau in Aichach getötet haben. Gestern war Prozessauftakt am Landgericht Augsburg. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord vor. Die Verteidigung spricht von einer Affekttat und einer nicht auszuschließenden verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten.

    Metalldetektor, Röntgengeräte und Taschenkontrolle – wer zum Mordprozess will, den schauen sich die Beamten ganz genau an. Zweimal werden die rund 25 Zuhörer gestern am Landgericht gefilzt: am Haupteingang und noch einmal wenige Meter dahinter vor Saal 101. Mehrfach wird die Sitzung unterbrochen. Bevor es weitergeht, beginnen die akribischen Kontrollen von vorne.

    Acht Polizisten werden vernommen – die ersten von insgesamt 30 Zeugen. Morgen soll es weitergehen. Fünf Verhandlungstage sind angesetzt. Möglicherweise reichen sie nicht aus. Denn Staatsanwaltschaft und Verteidigung ringen um jedes Detail. Drei Verteidiger sitzen hinter dem Angeklagten, des Weiteren ein Sachverständiger. Ihm gegenüber, auf der Seite der Staatsanwaltschaft, zwei weitere Sachverständige. Von den Aussagen der drei hängt viel für den Angeklagten ab.

    Neben dem italienischen Staatsangehörigen hat eine Dolmetscherin Platz genommen. Seit der Tat ist er in Untersuchungshaft. Zunächst in München, jetzt in Straubing. Zwei Justizvollzugsbeamte haben ihn nach Augsburg gebracht und bleiben ständig in seiner Nähe. Zwei weitere Beamte haben neben der Türe ein Auge auf jeden, der hereinkommt. Von draußen ist das Piepsen der Metalldetektoren zu hören.

    Mord oder Totschlag?

    Drei Berufsrichter unter Vorsitz von Christoph Wiesner und zwei Schöffen werden am Ende des Prozesses zu entscheiden haben, ob die grausame Bluttat Mord oder Totschlag war, ob der Angeklagte tatsächlich vermindert schuldfähig ist, wie die Verteidigung andeutet, oder ob gar eine besondere Schwere der Schuld vorliegt. Damit wäre eine Entlassung aus der Haft bereits nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen.

    Die Dramatik des Einsatzes im März wird gestern anhand der Schilderung eines Aichacher Polizisten deutlich, der als erster am Tatort war. Er ist mit einem Kollegen auf Streife kurz vor Walchshofen. Am Funk heißt es, ein Mann schlage in einem Mehrfamilienhaus an der Ludwig-Thoma-Straße seine Frau. Auf dem Weg nach Aichach kommt schon der zweite Funkspruch: Auf die Frau werde eingestochen. Als die Beamten eintreffen, stoßen sie auf den neuen Partner der Frau. Er hatte mit ihr nach einem Wochenendbesuch die Kinder zum Ehemann zurückgebracht. Der Partner soll die Frau gewarnt haben, mit ihrem Mann in die Wohnung zu gehen, doch ohne Erfolg.

    Die Beamten rennen nach oben, klingeln an der Wohnungstür. Der Angeklagte öffnet, lässt sich widerstandslos festnehmen. Ein Blick ins blutverschmierte Bad zeigt, dass jede Hilfe zu spät kommt. Die 44-jährige Frau ist bereits tot.

    Unterdessen treffen weitere Ermittler von der Kripo Augsburg und vom Kriminaldauerdienst ein, ein Seelsorger wird angefordert. Er soll die herbeigeeilte 18-jährige Tochter betreuen. Die beiden jüngeren Kinder haben das Geschehen in der Wohnung miterlebt.

    Alle Einsatzkräfte machen trotz der furchtbaren Eindrücke ihre Arbeit, nur einer der Ermittler deutet gestern im Gericht mit wenigen Worten an, dass der Einsatz auch bei ihm Spuren hinterlassen hat: „Es war ein schreckliches Bild.“

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