Fabian Häberle sitzt in Jogginghose und Hoodie in seinem Büro, das sich neben seinem Klub befindet. Ein Heizlüfter wärmt den Raum. Er redet über seine Disko, das M-Eins in Aichach, das er vor wenigen Monaten als Pächter übernommen hat. Feiern ist Häberle eine Herzensangelegenheit. Der 25-jährige Großhandelskaufmann betreibt seit 2017 eine Eventfirma und plant Partys in Augsburger Clubs und Diskotheken in der Umgebung, wie auch dem PM in Untermeitingen. „Feiern zu organisieren hat mir schon immer Spaß gemacht“, sagt Häberle und wippt in seinem Bürostuhl.
Die Nachricht sorgte im September für Aufsehen: Das M-Eins in Aichach hat zwei neue Pächter. Fabian Häberle aus Augsburg und sein Partner, der namentlich nicht genannt werden möchte, organisieren seit Ende Oktober Partys in dem Klub. Die Eröffnung mit dem berühmten Singer-Songwriter Nico Santos („Rooftop“, „Unforgettable“) sorgte für lange Schlangen am Eingang und einen mitreißenden Auftakt.
M-Eins Aichach: das hat der Betreiber alles verändert
Das war ganz nach Häberles Geschmack, Nachtleben fasziniert ihn schon immer. „Meine Mama sagt immer: Damit kannst du mich jagen“, sagt Häberle. Ihn aber habe das Organisieren von Partys immer gereizt. „Ich habe mir beim Weggehen oft gedacht: Das kann ich doch besser.“ Vor einigen Jahren, als der Augsburger noch als Großhandelskaufmann tätig war, widmete er sich bereits dem Aufbau der Eventfirma. „Ich wollte mein eigener Herr sein.“ Er gestaltete Partynächte und kümmerte sich um die Getränke. Aber später einfach irgendeine Disko zu übernehmen, kam für Häberle und seinen Partner nicht in Frage. Es sollte das M-Eins in Aichach sein.
Die Mallorca-Party, die die beiden zu Beginn des Jahres im M-Eins organisiert haben, öffnete ihnen Türen. Sie kamen mit Vorbesitzer Dominik Chalinski, der den Aichacher Club 13 Jahre lang betrieben hat, ins Gespräch. Man einigte sich. „Wir haben uns bewusst für Aichach entschieden“, sagt Häberle. „Die Leute hier sind authentischer, nicht so großkotzig wie teils in den Städten.“ Das M-Eins biete Freiheiten in der Gestaltung der Partys und ermögliche Nähe zu den Gästen.
Nachdem Häberle Umfragen ausgewertet hat, nahm er kleine Veränderungen vor: Er schwenkt auf Augustiner-Bier um, verkauft den Pfefferminzlikör Pfeffi und will mehr Abende mit beliebten Musik-Genres wie Techno und Hardstyle bieten. Dazu kommt ein bunter Mix aus Veranstaltungen wie Börsen-Partys, Mallorca-Themen oder 90er-Jahre-Feiern. In Zukunft sind auch Life-Shows und Auftritte bekannter Künstler vorgesehen, die das M-Eins an Wochenenden füllen sollen.
Nico Santos singt bei der Premiere in Aichach
Häberles Partner, der selbst aus der Musikbranche stammt, organisiert die Buchhaltung und bucht Musiker, während sich Häberle in Vollzeit um das Tagesgeschäft des M-Eins kümmert. Die Instandhaltung der Räumlichkeiten und Warenbestellungen gehören dazu. Außerdem ist er an jedem Wochenende in der Disko, um den Kontakt zu Gästen zu pflegen und an der Bar auszuhelfen. Er habe ein tolles Team, sagt Häberle. Das Personal blieb auch nach dem Betreiber-Wechsel. Der Mietvertrag läuft drei Jahre.
Um den Partytempel weiter erfolgreich zu betreiben, setzt Häberle unter anderem auf gute Verbindungen in die Musikbranche, die die beiden neuen Pächter pflegen. Nico Santos, der für einen gelungenen Auftakt sorgte, ist ein langjähriger Freund der beiden. „Normalerweise macht er keine Clubshows, aber zu uns hat er gesagt ‘Geil, ich komm vorbei!’“, sagt Häberle und grinst.
Mit Stargästen gab es zuletzt im M-eins aber auch Probleme. Der wegen seiner rechtslastigen Texte umstrittene Deutschrapper Kollegah sagte einen Promotionbesuch in Aichach wieder ab, nachdem er zuvor schon von einem Auftritt in München ausgeladen worden ist.
Fabian Häberle schlendert mittlerweile durch das leere M-Eins, das bei Tageslicht nur einen Bruchteil des Flairs entfaltet, das es bei Nacht ausstrahlt. Wo sonst bunte Lichter durch die Dunkelheit blitzen, fallen besonders die weißen Fliesen und die dunklen Stahlrohr-Konstruktionen an der Decke ins Auge. Neu sind die Bilder von bekannten Persönlichkeiten an der Wand: Arnold Schwarzenegger und Cameron Diaz hängen da.
M-Eins: Das ist 2020 alles geplant
Für das kommende Jahr kursieren bereits Ideen. Vielleicht eine Beach-Party vor dem Club? Oder Public Viewing bei der Fußball-Europameisterschaft? Vieles sei möglich, sagt Fabian Häberle. Bis jetzt hat sich das Konzept der jungen Unternehmer bewährt. Das Fazit nach einem Monat ist aus seiner Sicht positiv. Die Gäste kamen zahlreich und bedankten sich nach Partys – für die beiden Pächter ist das ein Erfolg.
Aber Häberle ist sich auch der Schwierigkeiten seines Geschäfts bewusst. Früher sei man weggegangen, um jemanden kennenzulernen. Heute, in der Zeit von Dating-Apps wie Tinder und einem breiten Spektrum an Unterhaltungsmöglichkeiten, stellen die Nachtschwärmer neue Ansprüche an das Feiern. „Es braucht heute viel mehr, um die Leute aus dem Haus zu bringen“, sagt Häberle. Doch bis jetzt zeigten er und sein Partner, dass sie diesen Anforderungen gewachsen sind und sich ihr Konzept bewährt. Das neue Programm des M-Eins bietet seit der Wiederöffnung eine stimmungsgeladene Alternative zu einem Abend daheim. (mit cli)