Auch der Sommer daheim hat viele tolle Seiten. Wie die in den Gemeinden im AN-Verbreitungsgebiet ausschauen, zeigen wir in unserer Sommerserie „Sommer in ...“ – heute an den Badeseen in Sand, einem Ortsteil der Gemeinde Todtenweis.
Todtenweis-Sand Auf dem Wasser draußen rudern Vater Swen und Tochter Sophie in einem weiß-blauen Schlauchboot. Die Nachmittagssonne glitzert rhythmisch in den konzentrischen Kreisen, die sich mit den Ruderschlägen ihren Weg durchs lichtgrüne Wasser zum Ufer hin ausbreiten. Sonntagnachmittag. Den Strand haben Swen und seine Tochter Sophie fast für sich allein und das Wasser müssen sie sich nur mit der stolzen Mutter Schwan und ihren vier Kindern teilen.
Die Szene spielt nicht in einer Rosamunde-Pilcher-Schnulze, sondern wirklich am EVA-Weiher an den Sander Badeseen. „EVA steht für Erholungsgebiete-Verein Augsburg. Der hat diesen See wirklich hervorragend hergerichtet“, schwärmt der zweite Bürgermeister von Todtenweis, Konrad Carl. Er ist zugleich erster Vorsitzender beim örtlichen Fischereiverein und der hat sein Domizil gleich zwei Weiher weiter. Carl ist also hier zu Hause, wenngleich der EVA-Weiher zum Territorium des Patenvereins, den Aindlinger Fischern gehört.
Eben kommt Therese Wernetshammer über das Gras gelaufen. Seit das Wetter nicht mehr mit Brutal-Temperaturen protzt, findet man hier noch leichter einen Liegeplatz. „Das ist der schönste Urlaub: zehn Minuten Fahrzeit und dann dieses tolle Wasser. Ich war letzte Woche jeden Tag hier“, nickt die Willprechtszellerin zufrieden.
„Seit dies hier alles ansprechend gerichtet ist, ausreichend Parkplätze und Toiletten zur Verfügung stehen, finden sich auch öfter wieder Einheimische ein“, stellt Konrad Carl nüchtern fest.
Gleich dort, wo sich das Wasser des U-Weihers unter einer malerischen Brücke mit dem des EVA-Sees vermischt, sitzen Hannelore und Gerhard Menzel auf einer Bank und beobachten die Natur. Eben kommt Mutter Ente ans Wasser, muss aber mit ihrem Tross noch einmal zurück, weil sich ein Nachzügler laut piepsend nicht an einer Badedecke vorbeitraut. Da staunen die Badegäste, als sich die Ente und ihre schwarzgelben Flaumknäuel bis auf wenige Meter nähern, um dann endlich gemeinsam den Weg ins Nass anzutreten.
Das Ehepaar Menzel verfolgt die lustige Szene. Gerhard Menzel kennt hier fast jeden Vogel. „Ich habe die Brutzeit aller sechs brütenden Schwanenpaare begleitet. Fünf Nester wurden geplündert, die Eier teils angestochen, teils mutwillig in der Gegend zerfetzt. Am 30. Mai habe ich den Vater der einzigen fünf ausgeschlüpften jungen Schwäne zuletzt gesehen, seither wird er vermisst“, erzählt der Hobby-Filmemacher aus dem Affinger Ortsteil Anwalting, über den unsere Zeitung bereits mehrmals berichtete. Sein Film über die Friedberger Ach feiert derzeit Erfolge bei den Vorführungen in Vereinsheimen, vor Fachpublikum und bei Naturschützern.
Konrad Carl diskutiert mit dem Ehepaar die derzeitige Situation der Natur an den Seen. Carl sagt: „Unsere Landwirte sehen sich gerade im Lechtal zwischen Natur- und Hochwasserschutz mitunter als die großen Verlierer und fürchten um ihre Zukunft“, warb Carl um mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Bauern und Naturschützern.
Derweil droht der Idylle von ganz anderer Seite Gefahr. Eine blaue Tonne an der Hecke zieht bei der Weiterfahrt das Interesse des Bürgermeisters auf sich. Entsetzt stellt Carl fest: „Altöl, alte Schmierlumpen, eine verbrauchte Gaskartusche – und das wenige Meter vom Wasser entfernt. Da muss ich gleich dafür sorgen, dass Gemeindearbeiter morgen diese Umweltsünde entschärfen.“
Die Weiher hier betreut der Fischereiverein Langweid. Vier Familien haben zwei Tische zusammengestellt. „Wir sind heute zum ersten Mal da. Und das auch nur, weil unsere Männer eine Tageskarte beim Fischereiverein Meitingen gelöst haben“, ergreift Monika das Wort. Eben kommt der viereinhalbjährige Christian angewuselt und verkündet triumphierend: „Der Alex hat einen gefangen.“ Sein Bruder Marc bringt den kleinen, noch lebenden Fisch und lässt ihn in den Eimer gleiten, wo das Fischlein weiterschwimmt. „Ein kleiner Barsch“, stellt Konrad Carl kaum hinsehend, aber mit Kennerblick fest.
Bei der Rückfahrt nach Todtenweis wagt der zweite Bürgermeister einen Blick in die Zukunft: „Es ist unsere Aufgabe, dieses kleine Paradies kommenden Generationen zu erhalten. Manchmal ist das keine leichte Aufgabe.“
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