Die Letzten mussten stehen: So voll wie am Mittwoch ist es selten im Aichacher Sitzungssaal. Der Zuhörerandrang in der Stadtratssitzung lag nur zur Hälfte am Thema Windkraft ( Aichach sagt Nein zu 240 Meter hohem Windrad). Die andere Hälfte bestand vor allem aus jungen Leuten, die auf Bauland hoffen. Im südlichen Bereich von Ecknach soll an der Himmelreichstraße Bauland ausgewiesen werden.
Der Eigentümer der rund 9900 Quadratmeter großen Fläche hat beantragt, einen Bebauungsplan aufzustellen. Etwa 20 Bauplätze könnten dort wohl entstehen. Für eine zweizeilige Bebauung ausreichen, so könnte das Nachbargrundstück mit weiteren rund 5800 Quadratmetern mit einbezogen werden.
Viele baureife Grundstücke sind vorhanden, aber nicht verfügbar
Der Stadtrat sah sich hier im Zwiespalt. Auf der einen Seite soll er sparsam mit Boden umgehen und Versiegelung vermeiden, zumal es hunderte baureife – wenn auch nicht verfügbare – Grundstücke im Stadtgebiet gibt. Auf der anderen Seite gibt es viele junge Leute, die im Heimatort bauen wollen, aber kein Grundstück finden. Für die neun Grundstücke, die zuletzt an der Wallbergstraße in Aichach angeboten wurden, gab es rund 75 Bewerbungen.
Nach einem Richtlinienbeschluss des Stadtrats aus dem Jahre 2005 soll nur noch dort Bauland ausgewiesen werden, wo es der Flächennutzungsplan vorsieht. Das Ecknacher Grundstück ist aber als Fläche für die Landwirtschaft dargestellt. Deshalb, und weil die Fläche an einem topographischen Höhepunkt des Orts liegt, hatte die Verwaltung im Bauausschuss empfohlen, den Antrag abzulehnen. Bei Starkregen sei dort mit wild abfließendem Oberflächenwasser zu rechnen, hieß es. Das war im Bauausschuss von einigen Mitgliedern angezweifelt worden. Wie Bauamtsleiterin Carola Küspert nun anmerkte, hat sich nach dem anhaltenden Regen der vergangenen Tage ein Bauamtsmitarbeiter die Situation vor Ort angesehen. „Unsere Bedenken haben sich zumindest jetzt nicht so bestätigt“, sagte sie.
Wegen des großen Drucks auf Baugrundstücke hatte sich schon im Bauausschuss die Mehrheit für den Bebauungsplan ausgesprochen. Das war nun im Stadtrat ebenso. Die CSU sei geschlossen dafür, hier etwas für junge Leute zu tun, sagte Fraktionsvorsitzender Helmut Beck. Der Druck sei hoch. Ein Argument dafür war für ihn, dass über das Baulandmodell auch die Stadt Flächen bekommt, die sie jungen Familien zur Verfügung stellen kann.
SPD ist in dieser Frage gespalten
In der SPD gab es dazu keine einheitliche Meinung, wie Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Schindler (SPD) feststellte. Man sei hier im Spannungsfeld zwischen dem Druck auf Baugrundstücke und der mangelnden Verfügbarkeit vorhandener Bauplätze. Andererseits habe man sich bisher konsequent an den Richtlinienbeschluss gehalten. Die Gefahr, mit der Entscheidung ein Fass aufzumachen, sah er nicht. Man müsse nicht automatisch anderswo ebenso entscheiden, sondern den Einzelfall betrachten.
Kristina Kolb-Djoka (SPD) vertrat die Gegenseite. Die Argumente der Verwaltung seien schlüssig, die Fläche sei nicht der passende Platz. Sie appellierte an die Eigentümer von baureifen Grundstücken: Sie hätten auch eine Verantwortung für die Gemeinschaft.
Die Ecknacher Stadträte waren sich einig: Magdalena Federlin (Grüne) sprach von einer guten Sache. Erich Echter (CWG) sagte: „Nur so haben wir die Chance, Bauplätze für die Jugend zu kriegen.“ Landwirt Manfred Huber (FWG) fand, obwohl er ungern auf landwirtschaftliche Fläche verzichte: „Das passt da gut hin.“ Das Baugebiet gebe einigen jungen Leuten, die im Vereinsleben engagiert seien, die Möglichkeit am Ort zu bleiben.
Jung verweist auf umliegende Kommunen mit Bauland
Einem Anwohner, der offenbar gegen die Pläne ist, wurde nicht das Wort erteilt. Er wurde auf das Bebauungsplanverfahren verwiesen. Georg Robert Jung (FWG) glaubte, dass sich beim Oberflächenwasser die Situation durch den dann geordneten Abfluss eher verbessern wird. Für Jung war klar: „Wir werden Bauland ausweisen müssen.“ Die umliegenden Kommunen hätten das längst getan.
Mit 25:5 Stimmen (Gegenstimmen aus der SPD) wurde beschlossen, einen Bebauungsplan für die beiden genannten Grundstücke (1,57 Hektar) aufzustellen:. Über das große Baulandmodell bekommt die Stadt 50 Prozent der Hälfte. Davon gehen die Flächen für Erschließung und Grünflächen ab.