Bilder vom neuen Labyrinth der Besinnung in Aichach
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Trauerbegleiter erkunden das Aichacher Labyrinth
Tipps zum Labyrinth bei Museumsnacht
Kinder des benachbarten Spielplatzes am Heini-Baronner-Weg in Aichach springen mit viel Spaß den 177 Meter langen verschlungenen Steinplattenweg entlang. Mit bedächtigeren Schritten nähern sich Bewohnerinnen und Bewohner aus dem nahen Seniorenheim, auf ihre Rollatoren gestützt, der Mitte, wo in acht Ecken die Rose von Chartres nachgebildet ist. Das Ende Juni fertiggestellte Labyrinth in der Freizeitanlage am Griesbacherl ist für viele Besucher eine Attraktion. Über den neu entstandenen Besinnungsort ist man im St. Afra Hospiz besonders glücklich.
Das uralte Symbol der Erkenntnis ist ein Geschenk, das die Stadt Aichach zum 25-jährigen Bestehen des ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes beim Caritasverband Aichach-Friedberg im vergangenen Jahr in Auftrag gab. Der renommierte Labyrinth-Erbauer Gernot Candolini plante es. "Für uns ging damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, denn in der Trauerarbeit spielt das Labyrinth eine große Rolle", erklärt Hospizkoordinatorin Christine Neukäufer. "Das Labyrinth ist wie eine kleine Pilgerfahrt. Es lädt ein nachzudenken, einzukehren, umzukehren. Es ist ein Hilfsmittel am Weg zu sich selbst." So steht es auf dem Hinweisschild der Stadt Aichach.
Gerade in schweren Zeiten wie in der Trauer um einen geliebten Menschen kann das Labyrinth zum Aufbruch einladen. "Wenn wir Anfang November hier in Aichach wieder unseren neuen Trauergesprächskreis beginnen, dann wird uns der Weg auch zum Labyrinth führen", kündigt Manuela Lang an, die im St.-Afra-Hospiz für die Trauerangebote zuständig ist. Bevor die Stadt Aichach von ihrem Bauhof das Schmuckstück im Park bauen ließ, habe man viel mit Labyrinthen auf Papier gearbeitet und sich mit farbigen Stiften der Mitte genähert. Mit aus Stöcken gelegten Labyrinthen gearbeitet wurde auch schon im Rahmen des Angebots "Lichtblicke in der Trauer" in Friedberg. Hier brachte die langjährige Hospiz- und Trauerbegleiterin Anita Sedlmair aus Mering ihre Labyrinthkenntnisse mit ein.
Mit den eigenen Füßen erfahrbar wirkt der verschlungene Weg als Spiegel der eigenen Lebenswendungen noch viel nachhaltiger. Gleich nach der Eröffnung lud darum Manuela Lang als Ansprechpartnerin der Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter aus dem gesamten Landkreis die Ehrenamtlichen dazu ein, gemeinsam das Labyrinth zu erkunden. "Viele waren überrascht, wie lang sie für den Weg letztendlich brauchten", berichtet sie. "Am Anfang geht man ziemlich schnell auf die Mitte zu, aber dann kommen die Wendungen vor und zurück, die einen mal näher zur Mitte bringen, mal weiter davon entfernen." Nur einmal kurz durchgehen und die Trauer sei wie weggeblasen, das funktioniere nicht.
Eine Labyrinth-Expertin in mehrfacher Hinsicht ist Cornelia Königsberger. Als Mitarbeiterin der Stadt Aichach hatte sie den direkten Draht zu Bürgermeister Klaus Habermann und zum Bauamt und konnte als erfahrene Hospiz- und Trauerbegleiterin Werbung für den Bau machen. "Nach Corona war das Wort Krise allen ein Begriff", berichtet sie. Viele Menschen seien nicht mehr ganz auf der eigenen Spur gewesen, diese könne aber wiedergefunden werden. Mit der Hospizidee eines Labyrinth-Baus rannte man bei der Stadt offene Türen ein.
Bei Planer Candolini absolvierte Königsberger ein Labyrinth-Seminar. Mit ihrem Wissen gab sie kürzlich Besuchern der Aichacher Museumsnacht beim Gang durch das mit Kerzenlicht beleuchtete Labyrinth hilfreiche Tipps. "Die Bögen und Wendungen sind wie ein Spiegel der eigenen Lebenswendungen. Wer nicht aufgibt, erreicht die Mitte. Man nennt den Weg zur Mitte den Weg der Erkenntnis und den Weg aus der Mitte heraus den Weg der Liebe", zitierte Königsberger den Labyrinth-Experten.
Unter den rund hundert Ehrenamtlichen im St.-Afra-Hospiz, die sich für ihre Mitmenschen in Krisensituationen Zeit nehmen, haben sich viele eingehender mit der Wirkung von Labyrinthen auseinandergesetzt. Dazu gehört Marlene Schuster-Raab, die im Exerzitienhaus in Leitershofen einen zweitägigen Vertiefungskurs zum Thema Labyrinth absolvierte. "Das Gehen im Labyrinth ist kein Allheilmittel", so lautet ihr Resümee. "Aber die Bereitschaft hineinzugehen, sich auf den Weg durch die Verschlingungen zu machen und sich einzulassen, mit einer Frage, die einem am Herzen liegt, kann hilfreich sein", betont sie. Es sei auch wichtig, stehenzubleiben, sich umzusehen und Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten."
Christine Neukäufer als Gesamtkoordinatorin des St.-Afra-Hospizes ist besonders zufrieden, dass das "Hospizgeschenk" auch von anderer Seite gerne genutzt wird. Aichachs katholischer Stadtpfarrer Herbert Gugler und sein Kollege von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, Harald Baude, zeigten sich schon bei der Eröffnung des Labyrinths begeistert. Sie binden es immer wieder in ihren Religionsunterricht ein oder besuchen zusammen mit Kommunionkindern den besonderen Ort. Die Faszination der Labyrinthe wird auch außerhalb der Trauer neu entdeckt.
Angebote: Infos über Trauerangebote der drei Ortsgruppen Aichach, Friedberg und Mering im St.-Afra-Hospiz wie Trauercafé und Trauerstammtisch, "Gehen in der Trauer", geleitete Gesprächskreise oder Einzelgespräche gibt es unter Telefon 08251/93465-30.