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Aichach-Friedberg: Eine ganze Nacht ohne Notarzt im Landkreis Aichach-Friedberg

Aichach-Friedberg

Eine ganze Nacht ohne Notarzt im Landkreis Aichach-Friedberg

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    Weder der Notarzt-Standort Aichach noch der Standort in Friedberg waren in der Nacht zum Sonntag besetzt. 13 Stunden war kein Notarzt beziehungsweise keine Notärztin verfügbar.
    Weder der Notarzt-Standort Aichach noch der Standort in Friedberg waren in der Nacht zum Sonntag besetzt. 13 Stunden war kein Notarzt beziehungsweise keine Notärztin verfügbar. Foto: Lino Mirgeler, dpa (Symbolbild)

    Wer in der Nacht zum vergangenen Sonntag im Landkreis Aichach-Friedberg einen Notarzt brauchte, musste unter Umständen länger warten. Denn weder der Notarzt-Standort Aichach noch der in Friedberg war besetzt. Entsprechende Informationen unserer Redaktion bestätigen die Integrierte Leitstelle (ILS) Augsburg und die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB). Der ILS zufolge war Aichach von Samstag um 18 Uhr bis Sonntag um 7 Uhr nicht besetzt, Friedberg von 19 bis 8 Uhr nicht. 13 Stunden lang blieben also beide Notarztstandorte verwaist.

    Laut KVB teilte der vorgesehene Arzt beziehungsweise die Ärztin in Friedberg "kurzfristig eine Verhinderung mit". Aichach gilt – anders als der einsatzstarke Standort Friedberg – als "unattraktiver" für Notärztinnen und Notärzte. Das führt vor allem an Wochenenden und Feiertagen immer wieder zu Lücken in den Dienstplänen. Dass nun an beiden Standorte eine ganze Nacht kein Notarzt verfügbar war, sieht der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) mit Sorge. Alexander Faith, Notfallsanitäter und Leiter Rettungsdienst beim BRK, sagt: "Im schlimmsten Fall könnte das für Patienten auch mal schlechter ausgehen." Notfallsanitäterinnen und -sanitäter seien zwar gut ausgebildet und dürften, wenn kein Notarzt verfügbar sei, erweiterte Maßnahmen zur Versorgung der Patienten durchführen. Aber ihre Ausbildung und Erfahrung ersetze nicht den Notarzt. 

    Auch hoch qualifizierte Notfallsanitäter können Notärzte nicht ersetzen

    Wenn ein solcher nicht verfügbar ist oder schnell genug vor Ort sein kann, behelfen sich die Notfallsanitäter oft damit, die Patienten ins Krankenhaus zu fahren. Faith sagt: "Für den Standardeinsatz wird keiner nach einem Notarzt schreien. Aber wenn ich einen Notarzt nachfordere, mache ich das nicht aus Jux und Tollerei." Was er damit meint: In manchen Fällen kommen auch hoch qualifizierte Notfallsanitäterinnen und -sanitäter an ihre Grenzen. Das weiß auch Dr. Christian Mack, Gruppensprecher der Notärzte am Standort Aichach. Als Beispiele nennt er Notfälle mit Kindern, Patienten, bei denen eine Narkose erforderlich ist, oder Menschen, die nach einer Reanimation wieder einen Kreislauf haben und stabilisiert werden müssen.

    KVB-Pressesprecher Dr. Axel Heise erklärt, die notärztliche Versorgung sei auch bei Lücken in den Dienstplänen sichergestellt: "Im Bedarfsfall wird der Nachbar-Notarzt oder der Rettungshubschrauber durch die jeweilige Integrierte Leitstelle alarmiert." Alle umliegenden Standorte seien am Wochenende besetzt gewesen. Nachts fliegt der Rettungshubschrauber jedoch nicht. In der Nacht zum Sonntag wäre er also keine Hilfe gewesen. Und ein Notarzt von einem Nachbarstandort tut sich bei seiner ohnehin weiteren Anfahrt ebenfalls schwer, in der Dunkelheit schnell zum Einsatzort zu kommen.

    Am Notarzt-Standort fielen seit April sieben komplette Schichten aus

    Dass der Standort Aichach auf Hilfe von außen angewiesen ist, ist kein Einzelfall: Laut KVB fielen seit 1. April sieben Schichten komplett aus. Darüber hinaus sei es zu "einigen stundenweisen Lücken" gekommen. Die KVB nennt als Ursachen den Notarztmangel und die geringen Einsatzzahlen. In Friedberg, einem der einsatzstärksten Standorte der Region, sind die Dienstpläne voller: Hier fiel laut KVB seit April nur eine Schicht aus, nämlich die in der Nacht zum Sonntag. Wichtig zu wissen: Eingeteilt werden kann nur, wer sich freiwillig meldet.

    Wie viel an einem Wochenende im Wittelsbacher Land los ist, zeigen die Einsatzzahlen der ILS. Wie Ursula Christ, Geschäftsleiterin des Rettungszweckverbands Augsburg, mitteilt, gab es laut ILS am vergangenen Wochenende 62 Notfalleinsätze – also Fälle, in denen ein Rettungswagen losgeschickt wurde. 26-mal davon war ein Notarzt erforderlich. Allein in der Nacht zum Sonntag wurde 17-mal ein Rettungswagen angefordert. Dreimal davon wurde ein Notarzt gebraucht. 

    Personelle Lage am Notarzt-Standort Aichach hat sich etwas entspannt

    Insgesamt hat sich die personelle Ausstattung am Standort Aichach etwas entspannt. Wie der Gruppensprecher berichtet, kamen in den vergangenen Monaten ein paar neue Notärzte hinzu. Mack sagt: "Alles in allem glaube ich, dass sich die Lage stabilisiert." Werktags von 7 bis 19 Uhr sichert das Aichacher Krankenhaus seit zwei Jahren die Notfallversorgung.

    Patienten, bei denen es auf jede Minute ankommt, gelten als selten. So verzeichnete die ILS am Wochenende im Landkreis keine Reanimation, kein Polytrauma und keinen Atemstillstand. Dennoch gibt es solche Fälle immer wieder. Auf die Frage, was es für Patientinnen und Patienten bedeutet, wenn dann der Notarzt länger unterwegs ist, weil er von einem Nachbarstandort anfahren muss, sagt Mack: "Das kann schon mal gefährlich werden."

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