Eine Stunde lang präsentierte Baars Bürgermeister Roman Pekis im Saal des Gasthofs Bachmeir in Heimpersdorf Zahlen, Daten, Fakten und Bilder aus dem Jahr 2024. Etwa 80 Bürgerinnen und Bürger, darunter auch einige Mitglieder des Gemeinderats, hatten sich zur diesjährigen Bürgerversammlung eingefunden, um im Anschluss an die Präsentation eine dreiviertel Stunde lang über die Baarer Grundschule, eine Außenstelle der Grundschule Thierhaupten, zu diskutieren.
Franz Winter fragte nach, wer denn gesagt habe, dass ein Werkraum nötig wäre, um „Unterricht gemäß Lehrplan“ anzubieten. Pekis antwortete, dass diese Aussage seitens der Grundschule regelmäßig wiederholt worden sei und erklärte: Die Gemeinde habe sehr viel Geld in die Schule investiert – bisher waren es 1,97 Millionen Euro, 250.000 Euro kommen noch on top, die Förderung beläuft sich auf rund 580.000 Euro. Da müsse doch jedem einleuchten, dass es nicht der Plan des Rathauschefs gewesen sein kann, die Kinder anschließend nach Thierhaupten in die Schule zu schicken. Doch was führte eigentlich zum Zoff?
Rückblick: Im April 2024 hat der Baarer Gemeinderat mehrheitlich entschieden, dass die Grundschule in Baar um einen Anbau erweitert werden soll. Uwe Seifferer, der ehemalige Rektor der Thierhauptener Schule, war gekommen, um klarzumachen: Vor allem Dritt- und Viertklässler brauchen einen Werkraum, um handwerkliche Arbeiten auszuführen. Dafür seien die Möglichkeiten in Baar nicht gegeben. Zudem benötigen die Lehrkräfte die Klassenräume für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, was auch bedeutet: In den Klassenräumen kann keine Mittagsbetreuung stattfinden. Durch kontinuierlich steigende Schülerzahlen werden vier Klassen gebildet und vier Klassenzimmer benötigt – und es wird zu eng an der Schule. Deswegen wurde ein Anbau geplant.
Baarer Schule wird wegen angespannter Finanzen und Förder-Absage nicht erweitert
Seit der Februar-Sitzung des Baarer Gemeinderats war der Anbau dann aber wieder vom Tisch – vornehmlich der Finanzen wegen und weil es nicht zur erhofften Förderzusage kam. Mit der Vorgabe im Hinterkopf, dass ein Werkraum und ein Raum für die Mittagsbetreuung für die Schülerinnen und Schüler nötig seien, gab es eine Zusage der Thierhauptener Grundschule, die Dritt- und Viertklässler aufzunehmen, bis die Schülerzahlen wieder so gering sind, dass alle Schülerinnen und Schüler in Baar unterrichtet werden. Mit diesem Wissensstand liefen die Eltern im Rathaus und an der Grundschule in Thierhaupten Sturm. Am Dienstagabend gab es dann einen Elternabend und inhaltlich beinahe schon eine Rolle rückwärts: Die Baarer Kinder müssen nicht nach Thierhaupten, der Werkunterricht sei auch in Baar möglich und für die Mittagsbetreuung müsse eine Lösung vor Ort gefunden werden.
Doch auch zwei Tage nach dem Elternabend, der für Aufklärung sorgte, waren die Gemüter bei der Bürgerversammlung noch erhitzt. Gemeinderat Dieter Zach warf Pekis vor, gesagt zu haben, dass Thierhaupten sich dafür ausgesprochen habe, dass die Dritt- und Viertklässler aus Baar nach Thierhaupten gehen. Als dies dann aber publik wurde, gab es – in Anbetracht der Konsequenzen für die Thierhauptener Schule – einen „Aufschrei in Thierhaupten“, berichtete Pekis. Das Resultat: Nun könne vieles so bleiben wie es ist. Und es gehe darum, die Schule langfristig zu erhalten.
Schule: Baarer Bürgermeister Pekis wird unglückliche Kommunikation vorgeworfen
Tanja Sommerreißer, die am Elternabend teilgenommen hat, warf Pekis vor, eben dort nicht widersprochen zu haben, als die neue Rektorin der Thierhauptener Grundschule, Margit Ludl, am Dienstagabend keinen Werkraum mehr in Baar einforderte. „Man fühlt sich verarscht“, erklärte Sommerreißer. Auch Gemeinderat Michael Helfer teilt dieses Empfinden, vermutete eine „unglückliche Kommunikation“, betonte aber in erster Linie das Endergebnis: Die Baarer Grundschülerinnen und Grundschüler sind und bleiben in Baar. Josef Reiter legte das Thema mit dem Vermerk, dass es „unglücklich“ gelaufen sei, ad acta. Und ein Bürger riet dem Gemeinderat dazu, beim nächsten Thema dieser Art vorab eine Elternversammlung einzuberufen.
Da die „Kuh vom Eis“ sei, stellte Christine Winter-Bächer nun den Antrag, ein Kinderbetreuungskonzept zu erarbeiten, wofür allerdings keine Kosten anfallen sollen: „Das können wir selber.“ Berücksichtigt werden sollen Kinderkrippe, Kindergarten und eine Mittagsbetreuung. Auch eine offene Ganztagsbetreuung solle mitgedacht werden, forderte sie. Gemeinderätin Doris Niklas meldete sich zu Wort und betonte, dass eben dieses Gemeinderatsgremium mit der Mini-Kita und dem Waldkindergarten bereits viel für die Kinderbetreuung getan habe. Auch die Gebühren, die dafür erhoben werden, seien mitnichten „unverschämt“, betonte Niklas. Eine Kostendeckung sei dennoch nie zu erreichen.
Allein in der Krippe beläuft sich das Defizit pro Jahr pro Kind auf 20.000 Euro. Im Waldkindergarten ist ein Defizit von 100.000 Euro zu schultern. Andreas Winter warf ein, dass der Verdienst für diese Kinderbetreuungseinrichtungen auf den alten Gemeinderat zurückgehe.
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