Zum „Bayerische Herrgott“ nach Inchenhofen pilgern Gläubige nicht nur aus dem Wittelsbacher Land, sondern auch aus den umliegenden Landkreisen. Bei der Pfingstwallfahrt am Pfingstmontag war die Wallfahrtskirche St. Leonhard traditionell wieder Ziel vieler Fußwallfahrer, oft in großen Gruppen.
Traditionell läuten die Glocken der Wallfahrtskirche, wenn sich eine Wallfahrergruppe nähert. Aus dem Nachbarort Walchshofen kam eine Gruppe mit 65 Wallfahrern. Die Gruppe aus Mauerbach brachte es auf 50 Personen. Die Motive der Wallfahrer sind verschieden. Der heilige Leonhard wird nicht nur von den Landwirten verehrt, die um eine gute Ernte auf ihren Feldern bitten, auch andere Pilger bringen ihre Anliegen mit.
Abt aus Weltenburg zelebriert Pontifikalamt
Am Pfarrhof hießen Bürgermeister Toni Schoder, Pfarrgemeinderatsvorsitzender Hans Schweizer sowie Wallfahrtspfarrer und Dekan Stefan Gast den Abt der Benediktinerabtei von Kloster Weltenburg, Thomas Maria Freihart, zum Pontifikalamt willkommen. Der Benediktinerabt war schon 2007, 2015 und 2025 zu Gast in Inchenhofen. „Es ist uns eine Ehre, dass Sie mit uns das Hochamt feiern“, sagte Schoder.
Nach dem feierlichen Einzug der Vereine in die Kirche begrüßte Dekan Stefan Gast den Abt als Hauptzelebranten. Er ging dabei auf die sommerlichen Temperaturen ein und lobte das Engagement von Pater Mentele, der bereits seit 1993 zum Erzbruderschaftsfest des heiligen Leonhard nach Inchenhofen kommt, um die Beichte abzunehmen und Wallfahrergottesdienste zu feiern.
Dekan Gast ist seit 4 Uhr auf den Beinen
Das Pontifikalamt zelebrierte Abt Thomas Maria Freihart gemeinsam mit Gast und Diakon Ludwig Drexl. Die Wallfahrer aus Wulfertshausen und Eismannsberg feierten mit. Festlich umrahmt wurde das Pontifikalamt vom Inchenhofener Leonhardschor unter der Leitung von Tobias Wittmeir. An der Orgel war Hans Dietrich zu hören.
Für Wallfahrtspfarrer Gast hatte der Tag aber schon viel früher begonnen. Er war schon seit 4 Uhr morgens auf den Beinen und feierte Wallfahrergottesdienste um 6 und 7 Uhr. Viel zu tun gab es auch für Mesner Christian Kaltenstadler und seine Mutter Maria Kaltenstadtler. Sie nahmen die vielen „Wallfahrermessen“ von den Pilgern in Empfang. Früher brachten die Wallfahrer, statt Messen zu bestellen, große Votivkerzen mit und bezahlten „Läut- und Sakristeigeld“.
36 Gruppen pilgern nach Inchenhofen
Am Pfingstmontag war Inchenhofen Ziel von 36 Wallfahrergruppen. Die meisten der Wallfahrer kommen, um Verpflichtungen ihrer Ahnen, die sich einst zum heiligen Leonhard „verlobten“, einzulösen. Im Mirakelbuch von 1657 sind über 80 Orte und Wallfahrergruppen aufgeführt, die am Tag der Erzbuderschaft nach Inchenhofen pilgerten. Die meisten kommen heute noch.
Die Wallfahrergruppen am Tag der Erzbruderschaft konzentrierten sich besonders gegen 6 Uhr und 6.30 Uhr von Richtung Aichach kommend. Es waren die Wallfahrer aus Griesbeckerzell, Obergriesbach, Zahling, Ober- und Untermauerbach, Taiting, Edenried, Laimering, Rieden, Klingen, Thalhausen, Ecknach, Oberbernbach und Unterschneitbach, die den zweiten Wallfahrergottesdienst mitfeierten.
Manche Gruppen starten in aller Herrgottsfrüh
Die meisten Pilger aus dem Raum Friedberg waren schon seit aller Herrgottsfrüh auf Achse. Die Laimeringerin Monika Fiehl erzählte, dass die Gruppe um 3.30 Uhr gestartet sei und um 5.15 Uhr in Aichach eine Pause eingelegt habe. „Das Wetter war heuer hervorragend, der heilige Leonhard hat uns heuer das richtige Wallfahrerwetter beschert“, erzählte sie.
Viele Gruppen gingen in alter Wallfahrerformation: voraus das Kreuz, gefolgt von den Männern, dahinter die Frauen. Bei einzelnen Wallfahrergruppen waren heuer wieder Geistliche mit dabei. Bei den Oberbernbachern Ruhestandspfarrer Thomas Gerstlacher, bei der Pfarreiengemeinschaft Weilach/Gachenbach Pfarrer Bija Merryvilla und bei den Zahlinger Wallfahrern Pfarrer Tobias Seyfried. Für Pfarrer Gestlacher ist die Wallfahrt wichtig, damit der Geist Gottes in den Herzen ankomme.
Zum 63. Mal bei der Pfingstwallfahrt
Die Gruppen mit den meisten Wallfahrten nach Inchenhofen waren wohl die aus den Aichacher Stadtteilen Mauerbach und Sulzbach. Der Mauerbacher Toni Mangold machte sich am Montag bereits zum 63. Mal auf den Wallfahrerweg nach Inchenhofen. „Anfangs habe ich das Prozessionskreuz getragen und es macht mir immer nach Spaß“, erzählte der über 70-Jährige.
Der Sulzbacher Roland Neukäufer erinnerte sich, dass er bereits als sechsjähriger Bub mit seinem Opa nach Inchenhofen pilgerte. „Mittlerweile bin ich schon 50-mal dagewesen. Früher gab es vor den Wallfahrtskirchen viele Marktstände. Es war ein regelrechtes Markttreiben“, erinnerte er sich.
„Kreuzwürste“ in den Inchenhofener Gasthöfen
Natürlich kam beim großen Inchenhofener Wallfahrtstag das Profane nicht zu kurz. Beim Voglbäu und beim Baderwirt stärkten sich die Wallfahrer mit Bier und „Kreuzwürsten“ für den Rückweg. Religiöses und Weltliches sind bei einem Bittgang nicht zu trennen.
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