Welches Thema im Landkreis liegt Ihnen besonders am Herzen?
KLAUS HABERMANN: Wir haben sechs ungemein schwierige Jahre vor uns. Die letzten Haushaltsberatungen haben gezeigt, dass sich unser Schuldenstand im Landkreis innerhalb der nächsten vier Jahre von rund 50 auf 102 Millionen Euro verdoppeln wird. Gleichzeitig stehen aber erhebliche laufende Investitionen und weitere große Investitionsentscheidungen an, zum Beispiel der Bau eines Katastrophenschutzzentrums. Die heuer schon viel zu geringe Zuführung vom Verwaltungs- zum Vermögenshaushalt wird komplett wegbrechen und sich ins Gegenteil verkehren. Jetzt braucht es viel Erfahrung und einen kühlen Kopf, auch, wenn es um den Erhalt unserer Kliniken oder unseren ÖPNV geht. Eine organisatorische Weichenstellung gerade auch im Landratsamt ist aus meiner Sicht unumgänglich.
Was wäre eine einfache Möglichkeit, das Landratsamt als Behörde bürgernäher zu gestalten?
HABERMANN: Ich bin seit 30 Jahren „Chef“ der Aichacher Stadtverwaltung mit rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Als gelernter „Bänker“ stand für mich immer das Motto „der Kunde ist König“ im Vordergrund. Ich habe das selbst vorgelebt und mit meinen Leuten praktiziert. Ich denke, mit Erfolg. Kurz: es gilt, eine Unternehmenskultur, ja ein entsprechendes „Leitbild“ im Landratsamt zu erarbeiten, bei dem Effizienz und Bürgernähe ganz oben stehen. Das beginnt beispielsweise schon bei den Öffnungszeiten und der Präsenz im Amt, speziell am Nachmittag.
Was wollen Sie für die Jugend im Landkreis tun?
HABERMANN: Jugendarbeit findet vor allem in den Städten und Gemeinden statt. Diese in ihrer so wichtigen Arbeit zu fördern und zu unterstützen und beispielsweise auch den Kreisjugendring weiter einzubinden oder die Schulsozialarbeit nicht zu vernachlässigen ist für mich zwingend.
Was brauchen die Senioren?
HABERMANN: Ein absolutes Defizit herrscht bei uns im Landkreis an Kurzzeitpflegebetten. Mich erreichen fast täglich die Hilferufe von Angehörigen. Hier müssen wir unbedingt ran. Wichtiger denn je ist die Erhaltung unserer beiden Kliniken an der Paar, dies wird im Zuge der Krankenhausreform kein Selbstläufer sein, ebenso wie Schaffung und Erhalt ausreichender Fachärzte und ambulanter Dienste. Hier ist der Landkreis mehr denn je gefordert. Und natürlich gilt es, die Städte und Gemeinden weiter in ihrem Engagement im Bereich Sport- und Freizeit zu unterstützen. Vorhandene Angebote wie unser „Haus der Senioren“ in Aichach können hier als Anreiz und Referenz dienen.
Warum ist es wichtig, wählen zu gehen?
HABERMANN: Weil gerade die Kommunalwahl Einfluss auf unseren unmittelbaren Lebensraum hat und weil sonst andere entscheiden, wie es weitergeht.
Wie würden Sie einem Fünfjährigen die Aufgaben eines Landrats erklären?
HABERMANN: Er ist der Chef vom Landkreis und kümmert sich um alles, was mehrere Städte und Gemeinden betrifft.
Was schätzen Sie an Ihren Konkurrenten?
HABERMANN: Bisher ausgesprochen fairer Umgang untereinander, trotz „Wahlkampf“.
Protokoll: Dominik Durner
Klaus Habermann
- Alter: 72
- Aufgewachsen in: Aichach
- Familienstand: verheiratet
- Kinder: 2
- Ausbildung und Beruf: Gelernter Bankkaufmann, seit 30 Jahren erster Bürgermeister der Stadt Aichach
- Hobbys: Kommunalpolitik und Lesen
- Was würden Sie gerne besser können? Geduldiger sein
- Ehrenämter: Kreisrat, Vorsitzender der Kreis-VHS und langjähriges Vorstandsmitglied der Lebenshilfe, Vorstandsmitglied im Wittelsbacher Land Verein, Aufsichtsrat der Kreiswohnbau und der Baugenossenschaft Aichach, Aufsichtsrat der Biomasse Wärmeverbund GmbH und Verwaltungsrat der Sparkasse Altbayern
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