Grillduft, angeregte Gespräche, Gegacker, Gewieher und Kinderlachen: Allen Interessierten bot sich kürzlich wieder die Gelegenheit, einen Einblick in den Paulihof im Kühbacher Ortsteil Unterbernbach zu bekommen. Auf dem Hof, der aktuell sieben Kindern und Jugendlichen ein Zuhause bietet, leben auch Hühner, Hunde, Schafe, Ziegen, Esel, Pferde und Ponys und die beiden Hängebauchschweine Lotte und Liese. All diese tierischen Mitbewohner sind Co-Therapeuten der Paulihof gGmbH, die heilende Pädagogik mit Tieren und Naturerleben anbietet.
Auf dem Paulihof können Kinder seit 20 Jahren wachsen: Die schönsten Fotos der Feier.
Dabei geht es in der stationären heilpädagogisch-therapeutischen Wohngruppe für traumatisierte Kinder und Jugendliche neben dem Kindeswohl auch sehr ums Tierwohl. Jedes Kind hat ein Bezugstier, mit dem unter anderem Einzel-Therapiestunden in der Sternenhalle stattfinden. Die Sternenhalle ist eine Reithalle, die vor circa 15 Jahren durch Spenden der Aktion Sternstunden ermöglicht wurde.
Ein ausrangierter Bauwagen soll auf dem Paulihof zum Rückzugsort werden
Aktuell steht ein ausrangierter Bauwagen im Hof, der mittelfristig zu einem zusätzlichen Therapie- und Rückzugsraum ausgebaut werden soll. Klangschalen, Aromatherapie und Ähnliches sollen hier Platz finden. Doch ein solches Projekt muss über Spenden finanziert werden. Denn der Satz, den die Jugendhilfe abrechnet, reicht zwar für Verpflegung und alles, was die Kinder für Schule oder Hobbys brauchen, aber eben nicht für größere Renovierungen oder den geplanten Rückzugsraum. Leiterin Sandra Sailer bot zwischen Mittagsessen und Kaffee und Kuchen zweimal eine Haus- und Hofführung an, was viele Gäste gerne nutzten. Beim Blick in die Stallungen wurde deutlich, dass die Kinder durch die Verantwortung für die Tiere auch gleich viel Alltagskompetenz wie zum Beispiel das Futtermengenabwiegen erlangen. Im Haus selbst sieht man, dass die Möbel zum Teil seit der Gründung vor 20 Jahren im Einsatz sind. Die Kinder, die beim Paulihof ein Zuhause finden, hatten einen schweren Start ins Leben und ein großes emotionales Paket zu tragen. Knallende Türen, fliegende Stühle oder Schrammen in der Wand zeugen davon, dass die Gefühle manchmal überkochen. Doch ein stabiles Umfeld, geregelte Tagesabläufe mit gemeinsamen Mahlzeiten, bewusste Medienzeit und liebevolle, geduldige menschliche und tierische Wegbegleiter zeigen ihre Wirkung. Als am Ende der Führung ein Teil der Wohngruppe auf der großen Couch im Gemeinschaftsraum lümmelt, zum Teil mit Schulfreunden als Gäste, und sich mit den Betreuern kleine, spaßige Wortgefechte liefert, wird jedem klar, dass der Paulihof zwar keine Familie ist, aber eine schöne Gemeinschaft mit viel Herz.
Neun Mitarbeitende kümmern sich im Drei-Schicht-System um die Bewohner
Auf dem Paulihof kümmern sich an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr im Drei-Schicht-System neun Mitarbeitende um Kinder und Tiere. Selbstverständlich wird auch gemeinsam Weihnachten, Silvester, Ostern und Geburtstag gefeiert. Zusammen wird im Sommer Urlaub gemacht, der zum Teil über den Förderverein „Freunde der Paulihofkinder“ ermöglicht wird. Und natürlich wird, wo möglich, mit den 14-tägigen Besuchswochenenden der Kontakt zur „biologischen“ Familie gehalten.
Die Philosophie des Paulihofs ist auf der Homepage nachzulesen: „Jedes Kind hat die Chance verdient, in seiner individuellen Einzigartigkeit liebevoll gesehen und gestärkt zu werden. Die Tiere und die Natur sind wertvolle Mittler auf diesem Weg ins Vertrauen, in den Mut und die Lebensfreude, da sie jeden so annehmen, wie er ist.“
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