Mächtig viel los ist seit Anfang Juli jeden Mittwochnachmittag im Gemeindezentrum von Petersdorf. Laute Musik durchdringt vom Kellergeschoss aus das Haus, in dem auch das Büro von Bürgermeister Dietrich Binder und der Sitzungssaal untergebracht sind. Der Rathauschef freut sich darüber: „Schön, dass das Angebot angenommen wird.“ Bei dem Angebot, das Binder mittwochs mit Musik beschallt und bei dem Jugendliche im Hof umherschwirren, handelt es sich nämlich um den Jugendtreff. Dieser hat erstmals zum Fußball-EM-Spiel der deutschen Mannschaft Anfang Juli geöffnet, und seither jeden Mittwoch zwischen 16 und 19 Uhr für Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren.
Zu eben diesen Zeiten füllen sich die zwei Räume im Untergeschoss des Gemeindezentrums mit jeder Menge Leben. Über die Außentreppe erreichen zunächst Carola Gruchot und Talha Akman den Jugendtreff. Sie sind mittwochs die Ansprechpartner vor Ort. Carola Gruchot, die immer schon gern mit jungen Menschen zusammengearbeitet hat, umreißt das, was der Jugendtreff bietet, als Angebot „für Körper und Geist“.
Burger und Billard im Petersdorfer Jugendtreff
Und das zeigt sich auch beim Blick in die zwei Räume des Jugendtreffs: An der gemütlichen Bar geben Talha Akman und seine Frau Ingrid Getränke aus. Am vergangenen Mittwoch standen auch Burger auf dem Programm, deren Duft mehr und mehr Jugendliche anzulocken schien. Nebenan wird am Tisch gegessen, auf den Sofas gechillt oder Billard gespielt. Eine Dartscheibe hängt an der Wand neben der Bar.
Knapp 20 Kinder und Jugendliche kommen bereits mittwochs in den Jugendtreff nach Petersdorf. Der zwölfjährige Alex aus Petersdorf chillt lieber mit Freunden im Jugendtreff, als vor der Glotze zu hängen, verrät er, während er sich seinen Burger an der Bar belegt. Der gleichaltrige Philipp aus Schönleiten schätzt die Möglichkeit, Billard zu spielen und draußen mit dem Fahrrad fahren zu können – „hier ist immer Unterhaltung“.
Die Jugendlichen wollen Leute treffen oder kommen wegen der Musik
Auch die zwölfjährige Annalena aus Alsmoos kommt gerne in den Jugendtreff – erstmals zum Fußballschauen, mittlerweile zum Billardspielen. Für die elfjährige Laura aus Petersdorf ist der Jugendtreff zur Anlaufstelle geworden – „um nicht zu Hause sein zu müssen“. Die beiden 14-jährigen Mädchen – Hannah aus Petersdorf und Elena aus Aindling – kommen gemeinsam in den Jugendtreff und freuen sich insbesondere darüber, hier Leute treffen zu können – ganz egal, ob sie sie vorher kannten oder nicht. Und die zehnjährige Lena aus Petersdorf kommt der Musik wegen.
Die wird übrigens von Carola Gruchot aufgelegt, die lachend zugibt: „Ich wollte schon immer einmal DJ sein.“ Aufgelegt wird natürlich das, was die Kinder und Jugendlichen hören wollen. Und auch sonst ist das Regelwerk im Jugendtreff jugendlich „locker“. „Wer kommt, sagt ‚hallo‘, wer geht, sagt ‚tschüss‘“, erklärt Carola Gruchot die Spielregeln im Jugendtreff. Was angeboten und gemacht wird, wird gemeinschaftlich entschieden. Und so kursieren bereits kunterbunte Ideen darüber, was im Jugendtreff alles gemacht werden könnte – von der Wasserschlacht über den Tanzworkshop bis hin zur Jugenddisco.
Geld aus dem Burgerverkauf wird für Anschaffungen verwendet
Weitere Ideen bringt auch Talha Akman ein, der sich früher für die Jugendarbeit in Bobingen eingesetzt hat. Nun lebt er mit seiner Frau Ingrid seit vier Jahren in Petersdorf und kam mit Rathauschef Binder ins Gespräch: „Ich will was für die Gemeinde tun und der Jugend helfen.“ In Bobingen habe ein ähnliches Konzept, wie das, das in Petersdorf nun seit einem Monat läuft, bereits gut funktioniert: Mit dem Geld, das beispielsweise beim Burgerverkauf eingenommen wurde, könnten Brettspiele angeschafft werden oder eine Tiefkühltruhe, um Snacks wie Pizza anbieten zu können, beschreibt Talha Akman seine Ideen. Ist der Jugendtreff erst fertig eingerichtet, könnte das Geld auch für gemeinsame Aktionen gespart werden, beispielsweise für einen gemeinsamen Ausflug in einen Freizeitpark.
Aktuell liebäugelt die Truppe mit der Anschaffung eines Kickers. Bis zum Herbst und Winter hin soll der Jugendtreff richtig gemütlich werden, wünscht sich auch Carola Gruchot. Sie vermutet, dass dann noch mehr Jugendliche kommen könnten. Schließlich werden dann jahreszeitbedingt die Alternativen rarer.
Info: Mittwochs öffnet der Jugendtreff im Gemeindezentrum von 16 bis 19 Uhr für Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren. Ältere Jugendliche können am Freitag ab 17 Uhr den Jugendtreff besuchen. Hier ist dann die Landjugend vor Ort.
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