Ulrich Lange geht am liebsten mit einem komplett abgehakten Aufgabenblock in die Sommerpause. Das ist dem Bundestagsabgeordneten heuer gut gelungen. Ende Juli ist er bei der Konferenz für den Wahlkreis Donau-Ries zum fünften Mal mit 97 Prozent der Stimmen der Delegierten als Direktkandidat für den Urnengang im Herbst 2025 nominiert worden. Über das Ergebnis hat er sich sehr gefreut. Das sei sensationell: „Für mich ist das ein echter Motivationsschub.“ Die Zahl der Kritiker steige ja generell, je länger man dabei sei. Man könne es nicht jedem recht machen. Da seien 97 Prozent Zustimmung erstaunlich.
Kurz darauf hat dann das Bundesverfassungsgericht die Wahlrechtsreform der Ampel zumindest zum Teil gekippt, weil sie die geplante Abschaffung der Grundmandatsklausel nicht zugelassen hat. Das betrifft Lange direkt. Damit ist nämlich weiter garantiert, dass Parteien mit drei erfolgreichen Direktkandidaten im Bundestag vertreten sind, unabhängig davon, ob die Fünf-Prozent-Hürde übersprungen ist. Andernfalls hätte auch Lange bei einem schlechten CSU-Ergebnis gedroht, dass er – selbst wenn er seinen Wahlkreis wieder gewinnt – dennoch aus dem Parlament fliegt. Lange ist seit fünfzehn Jahren im Berliner Reichstag. Er ist direkt gewählter Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis, zu dem neben den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen auch acht Kommunen aus dem nördlichen Teil des Wittelsbacher Landes (Pöttmes, Baar, Inchenhofen, Kühbach, Schiltberg, Aindling, Petersdorf, Todtenweis) gehören. Die CSU hat zwar 2021 nahezu alle Direktmandate gewonnen, der Wahlkreis Donau-Ries gehört aber zu den sichersten der Konservativen in Bayern.
Lange: Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Wahlrecht heilt nicht alles
Das Urteil in Karlsruhe heilt aus Langes Sicht aber nicht alles: Die grundsätzliche Problematik der Missachtung des Direktmandats und damit des Wählerwillens bleibe erhalten. Nicht alle Wahlkreissieger werden nämlich künftig automatisch in den Bundestag einziehen: „Das wirkt als Brandbeschleuniger für die Politikverdrossenheit“, sei den Wählern insbesondere in Bayern nicht vermittelbar und mache das Wahlrecht unverständlicher. Schließlich würden hier Bürgermeister und Landräte direkt gewählt. Bei Kommunalwahlen könnten die Bürgerinnen und Bürger sehr selektiv und über alle Listen hinweg ihre Kandidaten ankreuzen und noch vorn häufeln und bei der Landtagswahl im Freistaat habe der Wähler auch mit der Zweitstimme noch die Möglichkeit, seine Favoritin oder seinen Favoriten herauszupicken.
Der 55-Jährige Rechtanwalt gilt als Kandidat für einen Posten als Staatssekretär
Der 55-jährige Rechtsanwalt aus Nördlingen galt schon vor der Wahl 2021 als ein Kandidat für einen Posten als Staatssekretär. Nach der Niederlage und in der Opposition hat er sich als Fachpolitiker im Bundestag weiter profiliert. Er ist einer der dreizehn stellvertretenden CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden. Zu seinen Themenschwerpunkten gehören Verkehr, Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Für 2025 sieht es für die Union aktuell gut aus, dass sie in die Regierungsverantwortung zurückkehrt. Aber Lange ist lange genug im politischen Geschäft, um die Schnelllebigkeit und Stimmungsumschwünge zu unterschätzen. Zum anderen hat er hohen Respekt vor der Aufgabe: „Der Berg ist riesig.“ Gleichzeitig sei die Erwartungshaltung in der Bevölkerung nach den Fehlgriffen und internen Streitereien der Ampel sehr hoch. Durch die wirtschaftliche Durststrecke sinke der Handlungsspielraum und so einfach lasse sich der Schalter nicht umlegen. Aber noch so eine Legislaturperiode sei eine ernste Gefahr für die Demokratie, ist sich Lange bewusst: „Dann drohen uns niederländische Verhältnisse“, warnt der Abgeordnete. Also mit Zersplitterung der Parteienlandschaft und einer rechtsextremen Partei mit Stimmenmehrheit und in der Regierung.
Der Staat müsse funktionieren und verlässlich sein, steckt Lange im Sommergespräche mit unserer Redaktion den Rahmen ab. Die Planungsprozesse dauerten zu lange und die Bürokratie bremse die ganze Gesellschaft, beschreibt der Abgeordnete eine übergeordnete Aufgabe in nahezu allen Politikfeldern von Wirtschaft, über Gesundheit bis zur Bildung. Dazu kommen die ungelösten Probleme der Migration und die großen Herausforderungen in der Sicherheits- und Außenpolitik.
Was Lange an Friedrich Merz gefällt
Wer kann das aus der Union als Kanzler in die Hand nehmen? Für Lange ist Friedrich Merz der Richtige. Er hält große Stücke auf den CDU- und Fraktionschef und hatte übrigens schon in Zeiten der „Großen Koalition“ größere Probleme mit dem aktuellen Kanzler und früheren Arbeits- und Finanzminister Olaf Scholz (SPD). Der sei immer maximal von sich überzeugt gewesen und habe in gemeinsamen Runden andere Meinungen und Vorschläge von oben herab abserviert. Er habe Merz auch zunächst skeptisch gesehen, räumt Lange ein. Inzwischen ist er aber von ihm „begeistert“. Merz höre aufmerksam zu und nehme sich Zeit für Sachthemen. Der Fraktionschef sei bereit, alles zu hinterfragen, und kenne keine Denkverbote. Und, davon ist Lange überzeugt: „Merz kann Kanzler.“
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