In der ersten nichtöffentlichen Sitzung des neuen Dießener Gemeinderats wurde den Gremiumsmitgliedern eingeschärft, nichts aus nichtöffentlichen Sitzungen nach außen zu tragen. Anlass für diese Ermahnung durch Bürgermeisterin Sandra Perzul (Dießener Bürger) war, dass in der Vergangenheit durchaus manchmal Vorgänge aus der geschlossenen Sitzung durchgesickert sind, ohne dass zuvor förmlich die Öffentlichkeit wiederhergestellt wurde. Nun sah sich aber auch die Bürgermeisterin in der jüngsten öffentlichen Sitzung mit dem Vorwurf konfrontiert, selbst Dinge aus der nichtöffentlichen Sitzung ausgeplaudert zu haben.
Ausgangspunkt ist eine Konzertidee für das Carl-Orff-Museum
Im geschlossenen Teil der konstituierenden Sitzung hatte die Bürgermeisterin von einer bereits seit mehreren Monaten kursierenden Konzertidee im Carl-Orff-Museum mit dem Titel „Carmina Burana meets Haindling“ berichtet und es sollte entschieden werden, ob der Markt Dießen für die am 8. August vorgesehene Veranstaltung einen finanziellen Beitrag leisten würde. Es ging, so viel darf man festhalten, um einen fünfstelligen Euro-Betrag. Die Sache hat sich in der Zwischenzeit zwar erledigt, zum einen, weil ein beteiligter Künstler jetzt doch nicht mitwirken kann, aber auch vor dem Hintergrund, dass in diesem Sommer die „Carmina Burana“ auch noch in Schondorf und Herrsching aufgeführt werden.
Dass die Sache jetzt noch einmal Wellen schlägt, liegt daran, dass CSU-Gemeinderat Marian Cammerer am Rande der am folgenden Tag stattfindenden Kreistagssitzung erfahren musste, dass der Vorsitzende des Kuratoriums der Carl-Orff-Stiftung, Altbürgermeister Herbert Kirsch (Dießener Bürger), bereits über seine Darlegungen in der nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung im Bilde war. Es blieb auch nicht lange unklar, wer Cammerers Diskussionsbeitrag weitergetragen hatte: Bürgermeisterin Perzul.
Cammerer, selbst aktiver Feuerwehrmann, hatte in der Sitzung brandschutztechnische Bedenken gegen eine große Konzertveranstaltung auf dem Gelände des Carl-Orff-Museums vorgebracht. Perzul erklärte nun dazu, sie habe seine Anmerkung aus der Sitzung als Auftrag wahrgenommen, diese Sache mit den Vertretern des Museums zu besprechen. Deshalb habe sie sich an den Kuratoriumsvorsitzenden gewandt, um einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Dabei sei auch Cammerers Name genannt worden, schließlich müsse ja auch klar sein, wer daran teilnehmen würde. Sie habe dabei nichts Schutzbedürftiges weitergegeben, versicherte Perzul mit Hinweis auf die Rechtsaufsicht im Landratsamt. Man dürfe den Namen desjenigen kennen, der Vorwürfe bezüglich der Sicherheit in den Raum stelle. Perzul: „Es gibt Geheimhaltungsbedürftiges und solches, was man auch weitergeben kann.“
Marian Cammerer wirft der Bürgermeisterin vor, ihre Pflichten zu verletzen
„Ich sehe darin eine Verletzung der Dienstpflicht“, konterte Marian Cammerer. Es könne nicht sein, dass der Gemeinderat unter „Generalverdacht“ gestellt werde, nichtöffentliche Informationen nach außen zu tragen, wenn solche auch die Bürgermeisterin an Dritte weitergebe, was in diesem Fall gar nicht notwendig gewesen wäre. Es wäre sinnvoller gewesen, so Cammerer, über seine Bedenken erst einmal mit dem Feuerwehrkommandanten oder der Feuerwehrreferentin zu sprechen.
Dr. Holger Kramer (Grüne) ergänzte, auch er sei in der Kreistagssitzung auf die Sache mit dem Brandschutz angesprochen worden. Er gehe aber davon aus, dass über in nichtöffentlicher Sitzung gemachte Wortmeldungen nichts gesagt werde. „Und dann ist es nicht gut, wenn es am Ende der Kreistagssitzung heißt, jetzt habe ich es rausgekriegt.“
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