Der Adelige Isanhart muss ein reicher Mann gewesen sein. Die Liste an Immobilien, die er im Jahr 776 dem Kloster Schlehdorf am Kochelsee schenkte, war lang. Seine Höfe, Äcker, Wiesen und Wälde lagen in mehreren Dörfern rund um den Ammersee. Die darüber ausgestellte Urkunde ist damit der ältester schriftliche Beleg dieser Ortschaften. Neben Herrsching findet sich darin auch Raisting, das vom 12. bis 14. Juni sein 1250. Ortsjubiläum feiert. In Raisting verbindet man das Jubiläumswochenende mit einer seit Generationen gepflegten katholischen Tradition, wie Bürgermeister Martin Höck erläutert.
Lange Zeit war Raisting eng mit dem Dießener Kloster verbunden
Wenngleich die Schenkung an das Kloster Schlehdorf gerichtet war, war Raisting später vor allem mit Dießen eng verbunden. Die ursprünglich gut 100 Anwesen von Raisting und Sölb befanden sich überwiegend im Eigentum des Dießener Augustiner-Chorherrenstifts. Seit 1642 übte das Kloster in Raisting auch die niedere Gerichtsbarkeit aus, besaß die Steuerhoheit und Polizeigewalt und nahm Notariatsaufgaben wahr. Zudem war die Pfarrei seit 1453 dem Kloster inkorporiert, das heißt, dass die Seelsorge von Chorherren ausgeübt wurde.
So viele Störche wie in Raisting gibt es in Südbayern nirgends
Heute ist Raisting ein beliebter Wohnort. Dort leben nicht nur aktuell 2374 Menschen, sondern im Frühjahr und im Sommer auch mehr als 30 Storchenfamilien, womit Raisting die größte Storchenkolonie Südbayerns bildet. Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist die Erdfunkstelle.
Auf welches historische Ereignis beziehungsweise welche historische Quelle bezieht sich das Ortsjubiläum?
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes „Reistingun“ bezieht sich auf eine Schenkung eines Isanhart im Jahr 776 an das Kloster Schlehdorf. Isanhart hat damals die Hälfte seines Besitzes in Raisting verschenkt. Die Urkunde (oder eine Ersatzurkunde) selbst wurde erst rund 50 Jahre später vom Mönch Cozroth im Bistum Freising geschrieben.
An wen richtet sich das Fest vor allem: an die Ortsbevölkerung oder auch an auswärtige Gäste?
Das Fest in Raisting wird unter das Motto „Vom Ort für den Ort“ gestellt. Selbstverständlich sind Gäste, Nachbarn und Freunde unseres Ortes wie immer herzlich willkommen. Gemeinsam feiern macht noch mehr Spaß!
Was könnte für jemanden von woanders her das attraktivste Ereignis des Festes sein? Was sollte man auf keinen Fall verpassen?
Sicher ist die Party am Freitag, 12. Juni, mit den örtlichen DJs für alle, die in einer Party-Nacht feiern wollen, ein Highlight. Aber auch der Sonntag mit dem 260. Herz-Jesu-Fest mit Prozession durch den Ort und das anschließende Dorffest zwischen Rathaus und Pfarrheim wird sicher etwas Besonderes.
Wer ist der Veranstalter? In welcher Form und mit welchem finanziellen und sonstigen Einsatz engagiert sich die Gemeinde?
Alle Veranstaltungen vom 12. bis zum 14. Juni werden von der Gemeinde mit Unterstützung durch die Vereine durchgeführt. Die Gemeinde bietet den organisatorischen Rahmen, auch in finanzieller Hinsicht. Die Man-Power können aber nur die Vereine stellen.
Wird es eine bleibende Erinnerung an das Fest geben?
Wir haben ein Logo für die Feiern entwickeln lassen, ein Exemplar davon soll den Schriftzug am alten Pfarrhof ersetzen. Wenn aus den Veranstaltungen ein Überschuss bleibt, werden Vereine und Gemeinde überlegen, in welcher Form darüber hinaus eine bleibende Erinnerung geschaffen werden kann.
Was ist Festbestandteil, den es nur in Ihrem Ort gibt und in dem sich ihr Fest von den anderen Jubiläumsfeiern am Ammersee unterscheidet?
Ein Festbestandteil ist, dass unsere Herz-Jesu-Bruderschaft das gleichnamige Fest zusammen mit dem anschließenden Dorffest feiert. Dies zeigt, welchen Stellenwert die Tradition und das Miteinander zwischen politischer und kirchlicher Gemeinde bei uns haben.
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