Die hochinvasive Quagga-Muschel breitet sich in den Gewässern Bayerns und Süddeutschlands aus. Im Bodensee ist die schädliche Muschelart bereits ein größeres Problem, genau wie im Chiemsee, doch auch in der Region sind schon die Folgen zu spüren. So sind Ammersee und Starnberger See ebenfalls bereits befallen. Da Pilsensee und Wörthsee aktuell noch nicht betroffen sind, sollen sie geschützt werden. Wie soll das gelingen?
Das Landratsamt Starnberg richtet sich jetzt mit einem Appell an die Bevölkerung. So soll jeder dabei helfen, die Ausbreitung der Quagga-Muschel zu stoppen. In einer Mitteilung bittet das Landratsamt die Menschen deshalb darum, die sogenannten „KLAR-Regeln“ zu beachten.
Quagga-Muscheln: KLAR-Regeln nach Ammersee-Besuch einhalten
Für was steht „KLAR“? Wenn etwa Wassersportgeräte oder andere Ausrüstung in einem Gewässer wie dem Ammersee genutzt wurden, das schon von der Quagga-Muschel befallen ist, ist anschließend „eine gründliche Reinigung unbedingt erforderlich“, wie es in der Erklärung heißt. Die „KLAR-Regeln“ gelten demnach als Orientierung:
- K steht für „Kontrollieren“: Hat sich die Ausrüstung in den vergangenen fünf Tagen in einem anderen Gewässer befunden?
- L für „Leeren“: Restwasser muss vollständig entfernt werden (und darf nicht in den See abgelassen werden).
- A für „Abspülen“: Die Ausrüstung muss gründlich gereinigt werden.
- R für „Ruhen lassen“: Die Ausrüstung sollte mindestens fünf Tage trocknen.
Quagga-Muscheln richten massiven Schaden an
Wenn Abspülen und Ruhen nicht möglich sind, obwohl man zuvor in einem Gewässer war, sollten laut Landratsamt Quagga-Desinfektionstücher auf Basis von Wasserstoffperoxid zur Reinigung genutzt werden. Diese seien an den Kiosken an den Seen erhältlich.
Das Landratsamt warnt deshalb vor der weiteren Ausbreitung, weil die schädlichen Muscheln zu massiven negativen Folgen in den Seen führen. So können sie etwa Schiffsrümpfe und Bojen überwuchern, Wasser- und Abwasserleitungen verstopfen – am Bodensee gefährdeten sie bereits die Wasserversorgung –, Fischernetze und die Motorkühlung von Booten beschädigen, wie es in der Mitteilung heißt.
Außerdem konkurrieren die Muscheln teils mit den einheimischen Fischarten um Nahrung und Lebensraum und können diese verdrängen. „Die Quagga-Muschel gilt als eine der invasivsten Süßwassermuscheln Europas und kann Gewässerökosysteme innerhalb weniger Jahre nachhaltig verändern“, wird dazu Sascha Scharpff von der Unteren Naturschutzbehörde zitiert. Neben der ökologischen Sicht können die Muscheln auch für Menschen zum Ärgernis werden: aufgrund ihrer scharfen Kanten können sich Badegäste daran an den Füßen verletzen. Die Muschelart vermehrt sich stark innerhalb kürzester Zeit.
Ammersee bereits befallen – Pilsensee und Wörthsee gefährdet
Die Gefahr, dass die Muschelart sich auch auf Pilsensee und Wörthsee ausbreitet, ist sehr hoch, so das Landratsamt. Quagga-Muscheln sind mit bloßem Auge nicht sichtbar, Larven bewegen sich frei im Wasser und können durch Sport- und Badeausrüstung leicht übertragen werden – etwa auf Luftmatratzen, SUPs oder Booten. Sie überleben auf Oberflächen bis zu fünf Tage – im Restwasser noch länger.
Um die Menschen darauf aufmerksam zu machen, werden an Pilsen- und Wörthsee derzeit Hinweisschilder aufgestellt – auf ihnen sind ebenfalls die „KLAR-Regeln“ nachzulesen.
Laut dem Naturschutzbund Nabu stammen die Quagga-Muscheln ursprünglich aus dem Aralsee und dem Schwarzmeerraum. Man geht davon aus, dass sie beispielsweise am Rumpf von Schiffen haftend auch in Gewässer in Deutschland gelangten. Die Art fühlt sich demnach in Süß- und Brackwasser besonders wohl. Sie setzen sich am Untergrund von Seen fest, bleiben aber frei beweglich.
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