Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg Land
Icon Pfeil nach unten
Gersthofen
Icon Pfeil nach unten

BJS: Neues Unternehmen liefert Weltraum-Keramik

BJS

Neues Unternehmen liefert Weltraum-Keramik

  • |
  • |
  • |
    Hier wird der Raumgleiter Intermediate Experimental Vehicle (IXV) der europäischen Raumfahrtagentur ESA nach seinem Testflug am 11. Februar 2015 aus dem Meer geborgen. Zum Erfolg als wiederverwendbares Raumfahrzeug beigetragen haben keramische Steuerklappen aus Gersthofer Produktion, die extrem hitzebeständig sind. Am Raumgleiter sind die Spuren der Hitze zu erkennen, die vom Wiedereintritt in die Erdatmosphäre herstammen.
    Hier wird der Raumgleiter Intermediate Experimental Vehicle (IXV) der europäischen Raumfahrtagentur ESA nach seinem Testflug am 11. Februar 2015 aus dem Meer geborgen. Zum Erfolg als wiederverwendbares Raumfahrzeug beigetragen haben keramische Steuerklappen aus Gersthofer Produktion, die extrem hitzebeständig sind. Am Raumgleiter sind die Spuren der Hitze zu erkennen, die vom Wiedereintritt in die Erdatmosphäre herstammen. Foto: ESA, Tommaso Javidi, dpa

    Ein neues Firmenschild dürfte es bald an der Betriebsstätte der MT Aerospace AG (MTA) in Gersthofen geben: Das Augsburger Raumfahrtunternehmen MT Aerospace AG hat den Bereich „Ceramic Composites“ an die BJS Composites GmbH verkauft. Das Unternehmen mit Sitz in Zusamaltheim (Kreis Dillingen) war erst kürzlich zur Entwicklung und Fertigung keramischer Fasern- und Verbundstoffe gegründet worden.

    Der Kaufvertrag für die Sparte zur Produktion extrem hitzebeständiger und leichter Hochleistungskeramiken wurde in Augsburg unterzeichnet. Laut einer Pressemitteilung von MTA übernimmt BJS die Gebäude und Anlagen am Standort Gersthofen, laufende Lieferverträge sowie die Patent- und Markenrechte. Zwei der sechs Beschäftigten werden nach Angaben von MTA von BJS übernommen, vier bleiben bei ihrem bisherigen Arbeitgeber.

    Hinter BJS stehen drei Gesellschafter, die von Meitingen her bekannt sind: Armin Bruch, ehemaliger Vorstand der SGL Group, und Hubert Jäger, ehemaliger Leiter der Konzernforschung der SGL Group. Jäger ist seit September 2014 außerdem Sprecher des Vorstands des Instituts für Leichtbau und Kunststofftechnik an der Excellenz-TU Dresden. Es ist laut Jäger größtes deutsches Institut mit Fokus auf den hybriden Leichtbau mit Carbonfasern insbesondere für die Märkte Luft, Bahn, Automobil, Anlagen- und Maschinenbau sowie Wind. Die Dritte im Bunde hat ebenfalls ihre beruflichen Wurzeln bei SGL: Jutta Schull war zuletzt die Leiterin des Geschäftsbereichs Kathoden und Hochofenauskleidungen.

    Die Gersthofer Produktion ist bekannt für die unter dem Markennamen Keraman vertriebenen vollkeramischen Flugkomponenten. Sie wurden beim Raumgleiter Intermediate Experimental Vehicle (IXV) als Steuerklappen eingesetzt – diese Bauteile müssen für den Wiedereintritt in die Atmosphäre extrem hitzebeständig sein. Die von MT Aerospace entwickelten Steuerklappen haben sich bei ihrem IXV-Testflug am 11. Februar 2015 bewährt. Sie hielten einer Last von 1,5 Tonnen stand und blieben auch bei über 1900 Grad Celsius und unter extremer Beschleunigung präzise steuerbar. Damit haben sie entscheidend zur sicheren Landung im Pazifik beigetragen.

    Hans J. Steininger, CEO der MT Aerospace: „Mit dem Verkauf der Ceramic Composites können wir uns künftig noch besser auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren. Wir arbeiten derzeit intensiv an der Entwicklung der neuen Ariane 6 und dabei spielen Keramikbauteile keine übergeordnete Rolle. Wir freuen uns, mit BJS ein passendes Unternehmen gefunden zu haben und werden im Bereich der Raumfahrtanwendungen auch weiterhin eng zusammenarbeiten.“

    BJS-Geschäftsführer Jäger: „Als Unternehmen mit Fokus auf Hochleistungskeramik sehen wir im Kauf der Keramik-Sparte von MT Aerospace eine exzellente Chance, unser Fertigungsportfolio zu vervollständigen. Dadurch erreichen wir eine starke Positionierung im Markt für Luft- und Bodenturbinen. Die neuen Luftfahrt-Regularien wie CleanSky und Acare schreiben signifikante Reduktionen bei Schadstoff- und Geräuschemissionen von Flugzeugtriebwerken vor – ebenso wie ehrgeizige Energie-Effizienz-Ziele. Ohne Komponenten aus diesen neuen Materialien sind diese Zielsetzungen nicht zu erreichen.“

    Armin Bruch, weiterer geschäftsführender BJS-Gesellschafter ergänzt: „Der Kauf des Keramik-Geschäftsfeldes der MTA bedeutet für uns die Integration der gesamten Wertschöpfungskette – vom keramischen Matrix-Polymer über die Silicium-Carbid-Faser bis zum Keramik-Turbinen-Bauteil. Dies stärkt unsere Position als Partner der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie als Partner der Hersteller von stationären Hochleistungsturbinen für den Einsatz im Energie-Sektor. Unser Leistungsspektrum für Entwicklungsdienstleistungen wird mit dieser Akquisition hervorragend ergänzt.“ Laut Jäger will BJS die Produktpalette in naher Zukunft deutlich erweitern und neben der Raumfahrt die Märkte Luftfahrt, Energie sowie Anlagen- und Maschinenbau bedienen. Hierzu soll das Personal in Gersthofen aufgestockt werden. (AL, jma)

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden