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Meitingen: Das Stahlwerk in Meitingen stößt an harte Grenzen

Meitingen

Das Stahlwerk in Meitingen stößt an harte Grenzen

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    Nur im Süden sieht die Max Aicher Gruppe noch Erweiterungsmöglichkeiten für das Stahlwerk von Herbertshofen. Doch dort steht der Lohwald.
    Nur im Süden sieht die Max Aicher Gruppe noch Erweiterungsmöglichkeiten für das Stahlwerk von Herbertshofen. Doch dort steht der Lohwald. Foto: Marcus Merk

    Fast vier Stunden lang haben Vertreter der Unternehmensgruppe Max Aicher am Montagabend in Meitingen Bürgern die Erweiterungspläne für die Lechstahlwerke (LSW) erläutert. Dabei zeichnete sich deutlich ab, dass das Vorhaben, für das Teile des angrenzenden Lohwaldes geopfert werden sollen, starken Widerspruch hervorruft. Zwei Bürgerinitiativen, Bund Naturschutz und Grüne haben sich bereits klar gegen das Projekt in seiner jetzigen Form gestellt.

    Auf der anderen Seite geht es um die wirtschaftlichen Interessen eines der größten Arbeitgeber in der Region. Darauf wiesen schon die LSW-Beschäftigten hin, die am Eingang des Bürgersaals in voller Montur ein Transparent hielten. Aufschrift: „Hände weg von unseren Arbeitsplätzen.“

    Drinnen, wo LSW-Angehörige in Firmen-T-Shirts im voll besetzten Bürgersaal einen starken Block bildeten, beteuerten die Unternehmensvertreter zwar, sie seien auf der Suche nach einem Kompromiss. Wie dieser aussehen könnte, zeichnete sich an diesem Abend aber nicht ab.

    Stahlwerker: „Wir brauchen mehr Platz“

    Gebannt verfolgten rund 200 Besucher Information und Diskussion im Meitinger Bürgersaal. 
    Gebannt verfolgten rund 200 Besucher Information und Diskussion im Meitinger Bürgersaal.  Foto: Christoph Frey

    Zentrale Botschaft der Stahlwerker: „Wir brauchen mehr Platz.“ Der Standort in Herbertshofen sei „ausgelutscht“. „Wir treten uns hier gegenseitig auf die Füße,“ so Klaus Krüger von der Aicher-Gruppe, der das Stahlwerk gehört. Mit mehr Fläche könne sich das Werk wappnen gegen den Kampf gegen die Konkurrenz aus China, indem es zum Beispiel schon einbaufertige Teile für die Autoindustrie herstellt.

    Rund 70 000 Tonnen Reststoffe (nicht die umstrittene Elektroofenschlacke) müssten nicht mehr deponiert werden, sondern könnten zum Beispiel zu Farbpigmenten oder Dünger verwertet werden. Werde weiter Stahl in Herbertshofen hergestellt statt aus China importiert, bedeute das eine CO2-Ersparnis, die 60 Prozent des Ausstoßes aller Autos in Schwaben entspricht. Schließlich: Der verbleibende Lohwald und seine darin lebenden Tiere würden besser geschützt. Sogar für die Zauneidechsen soll es mehr Platz geben.

    Die unausgesprochene Frage, die hinter den rund 90 Minuten langen Vorträgen steckte: Wer kann denn da dagegen sein? Oder, wie es der Max-Aicher-Umwelt-Geschäftsfüher Dirk Mudersbach sagte: „Was wir vorhaben, ist ein Dienst an der Umwelt.“

    Anwohner fürchten Lärm und Dreck vom Werk

    Das freilich sahen bei weitem nicht alle so. Anwohner fürchten Lärm und Dreck vom Werk, wollen diesem kein weiteres Stück Natur opfern. In mehr als 30 Wortmeldungen und einer zunehmend emotionaler werdenden Diskussion wurden deutliche Zweifel laut, etwa an den vom Unternehmen vorgelegten Gutachten zum Artenschutz. Dieses wollen die Grünen überprüfen lassen, kündigten sie gestern an.

    Vor allem die Zukunft des Ökosystems Lohwald machte vielen Rednern sorgen. „Geld ist nichts alles“, rief zum Beispiel Simon Kempter, der seit fast 40 Jahren in dem Waldstück die Jagd hat, unter lautem Beifall. Angesichts der Widerstände wurden auch die Max-Aicher-Vertreter zunehmend emotionaler. Mudersbach hielt Gegnern vor, sie operierten mit Fehlinformationen, Stahlwerks-Chef Knut Rummler und Krüger betonten mehrfach, das wirtschaftliche Wohl des Werks hänge vom Ausbau ab: „Wir tragen die Verantwortung für 1000 Arbeitsplätze.“

    Wie geht es nun weiter?

    Das wiederum trug den Managern den Vorwurf ein, sie versuchten ihre Beschäftigten unter Druck zu setzen. Die Strategie des ständigen Wachstums sei irgendwann zu Ende, so Markus Eckstein, Vorsitzender der Bürgerinitiative Lech-Schmuttertal. In der Vergangenheit habe sich das Stahlwerk nur zu Verbesserungen bereit erklärt, wenn es genügend Druck von außen gab.

    Wie geht es nun weiter? Der Markt Meitingen sammelt derzeit Anregungen und Stellungnahmen zu dem Projekt. Im September soll sich der Gemeinderat wieder damit befassen - weitere Runden würden folgen, so Bürgermeister Michael Higl. Er unterstrich, dass sich die Kommunalpolitiker erst eine Meinung bilden müsse. Die von den den LSW vorgestellten Pläne und Untersuchungen – insgesamt 800 Seiten stark - bezeichnete der Rathauschef als Diskussionsgrundlage. Entschieden sei nichts.

    Das sind die wichtigsten Punkte der Diskussion

    • Die Stahlwerksleitung will für die Erweiterung einen Teil des Lohwaldes fällen. Das ist ein geschützter Bannwald, der in Richtung Langweid an das Stahlwerk anschließt. Er befindet sich bereits zum großen Teil in Besitz des Stahlwerkunternehmers Max Aicher.
    • Der Lohwald ist 42 Hektar groß. Die Verantwortlichen des Stahlwerks wollen mehr als ein Drittel davon roden lassen. Auf einer Fläche von 17,6 Hektar – das entspricht der Größe von 25 Fußballfeldern – sollen Anlagen zur Herstellung oder Einschmelzung von Stahl, zur Stahlveredelung oder für das Recycling entstehen. Aber: Einige Areale des Bannwalds dürfen nicht angetastet werden, da es dort geschützte Tiere wie beispielsweise eine Schmetterlingsart mit dem Namen Wald-Wiesenvögelchen gibt.
    • Zudem will das Werk seine Produktion von 1,1 Millionen Tonnen Stahl auf 1,4 Millionen Tonnen im Jahr ausbauen und strebt dafür in einem zweiten Verfahren eine Genehmigung an.

    Lesen Sie auch den Kommentar zur Veranstaltung zu den Lechstahl-Plänen: Zu viel Konfrontation

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