Anton Burnhauser, der Storchenbeauftragte der Regierung von Schwaben, ist aktuell viel in der Region unterwegs, um die Störche im Auge zu behalten. Der Bestand der Zugvögel sei in diesem Jahr sehr hoch. Burnhauser zählt derzeit mindestens 25 Brutpaare und betont: „Da gibt es sicherlich noch das ein oder andere mehr.“ Nur noch wenige Plätze seien frei. „Der Lebensraum für Störche in der Region ist randvoll“, sagte er. Die meisten Störche wohnen aktuell in der Gemeinde Diedorf.
Hier hat sich die erste kleine Storchenkolonie des Landkreises gebildet. Insgesamt vier Paare nisten mitten im Ort. Ein fünftes habe versucht, auf einem Masten ein Nest zu bauen, sei aber nicht erfolgreich gewesen. „Die sind wieder abgezogen“, sagt Burnhauser. Der Grund für die Beliebtheit des Standortes Diedorf: Vor allem Erstbrüter und unerfahrene Vögel orientieren sich laut dem Storchenexperten an ihren Artgenossen. „Sie gehen dahin, wo andere schon sind, da muss es gut sein“, sagt er. Die Kolonie habe sich über die letzten Jahre aufgebaut.
Vier Storchen-Paare siedeln entlang der Diedorfer Hauptstraße
Dass die Storchensituation in Diedorf heuer besonders ist, bestätigt auch Anna Röder vom Umweltzentrum der Gemeinde. Beim Telefongespräch mit unsere Zeitung erzählt sie: „Erst heute Morgen waren zwei Paare auf den Blühwiesen in der Nähe des Umweltzentrums auf Nahrungssuche.“ Röder findet es interessant, dass sich alle vier Storchen-Paare entlang der Hauptstraße in Diedorf angesiedelt haben. Zwei davon sind Nachbarn. Sie wohnen auf Masten an den Einmündungen zur Oggenhof- und Nebelhornstraße. Hier gebe es bereits Nisthilfen, die die LEW „dankenswerterweise errichtet hat“, erklärt Röder.
Ein weiteres Paar wohnt traditionell auf der Kirche und das Vierte hat sich auf einem Masten an der Einmündung zur Lindenstraße heimisch eingerichtet. Anna Röder ist guter Dinge, dass die Störche die Saison unbehelligt in Diedorf verbringen können. „Bisher gab es keine Beschwerden aus der Bevölkerung.“ Das komme manchmal vor, wenn die Vögel auf Privatgrundstücken nisten.
Früher vertrieben Störche Konkurrenten häufig gewaltsam
Noch vor einigen Jahren war es selten, dass sich mehrere Storchenpaare im selben Ort niederlassen. Im Gegenteil: Häufig wurden Konkurrenten gewaltsam vertrieben. „Das Kampfgeschehen von früher hat sich aber entspannt“, sagt Anton Burnhauser. Es komme außerdem kaum noch vor, dass Störche die Brut anderer Artgenossen zerstören oder die Eier aus dem Nest werfen. „Sie haben aufgrund des hohen Siedlungsdrucks gelernt, dass sie miteinander auskommen müssen“, so der Experte. Sogar die Nachbarn an der Hauptstraße in Diedorf würden höchstens etwas klappern, um die Artgenossen vom eigenen Nest fernzuhalten
Allerdings seien vor allem Neubrüter sehr empfindlich für Störungen durch den Menschen. Anton Burnhauser betont immer wieder die gute Zusammenarbeit mit der LEW bei der Anbringung von Nisthilfen. Zum Beispiel beim neu bezogenen Mast an der Lindenstraße würde das aber erst für die Saison 2022 Sinn machen. Während erfahrene Störche schnell wieder zu ihren Nest zurückfliegen, nachdem der Mensch eingegriffen hat, könne es bei Neubrütern sein, dass sie nicht wiederkommen, erklärt der Storchenbeauftragte.
Es gibt einige Neuzugänge im Landkreis Augsburg
Anton Burnhauser freut sich auch über einige Neuzugänge im Landkreis. So sei der Horst in Horgau zum ersten Mal besetzt und in Stadel bei Dinkelscherben hätten sich zwei Paare in direkter Nachbarschaft niedergelassen. Auch das Paar in Steinekirch sei erwähnenswert, so der Storchenbeauftragte. Im vergangenen Jahr bauten die Vögel ihr Nest dort auf einem blanken Dach. Mit Fördergeldern von der Regierung von Schwaben sei im Laufe des Winters eine stabile Nestunterlage installiert worden. „Die Tiere haben erst mit der Einrichtung gefremdelt, aber dann hat sich das Paar sehr gut entwickelt“, kommentiert der Experte.
Bleibt die Frage, warum sich Störche zum Beispiel an der Hauptstraße in Diedorf wohlfühlen, nur ein paar Meter über dem Autoverkehr. Anton Burnhauser erklärt, dass Störche sich bewusst in menschlichen Siedlungen niederlassen: „Sie spüren, dass sie dort sicher vor ihren natürlichen Feinden sind.“ Große Raubvögel oder Marder hätten es in Siedlungen schwerer, die Storchenbrut anzugreifen. Deshalb sind mittlerweile auch viele Junge geschlüpft. Die meisten sind laut Burnhauser mittlerweile etwa zwei Wochen alt. Der Nachwuchs hat aktuell gute Chancen durchzukommen. „Das Wetter mit viel Regen ist fast ideal für die Aufzucht der jungen Vögel. Störche finden dann besonders viel Nahrung“, sagt der Storchenbeauftragte.
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