Für Juri Ritscher ist klar, dass er sich impfen lassen wird. Der Diedorfer, der vor etwa einem Monat 18 geworden ist, wird allerdings noch etwas warten, bis er sich um eine Impfung kümmert. Der Grund: Aktuell gilt er als genesen. „Ich will auch anderen den Vorrang lassen", sagt er. "Es ist ja immer noch nicht so, dass man sich anmeldet, und sofort einen Termin bekommt.“ Seine eigene Infektion verlief glimpflich. Nach ein paar Tagen war er wieder wohlauf.
Jugendliche im Kreis Augsburg wollen mit der Impfung Freiheiten zurück
Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass Juri Ritscher sich gar nicht unbedingt impfen lassen will, weil er Angst vor einer weiteren Corona-Infektion hätte. Es geht ihm vor allem um die mit einer vollständigen Impfung verbundenen Freiheiten, die er als Genesener aktuell ebenfalls genießt. Vor seinem 18 Geburtstag hatte er sich nicht übermäßig viele Gedanken über die Schutzimpfung gemacht. Er habe in der Pandemie eigentlich keinen Kontakt zu Risikopatienten gehabt, erklärt Juri Ritscher. Der Diedorfer stellt aber klar: „Ich war nie Impfgegner und will auch niemanden gefährden.“
Von überraschend vielen Jugendlichen, die gemeinsam mit ihren Eltern nach einer Corona-Impfung fragen, berichtet der Sprecher des Berufsverbands für Kinder- und Jugendärzte für Nordschwaben und Augsburg, Dr. Christian Voigt. Er hat seine Praxis gemeinsam mit Kollegen in Stadtbergen. Zwar ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer inzwischen europaweit für Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen. Die ständige Impfkommission in Deutschland macht jedoch bislang eine Einschränkung: Es sollen vor allem chronisch kranke Kinder geimpft werden.
Bei allen anderen sollten Eltern, Jugendliche und Arzt gemeinsam entscheiden. „Die Jugendlichen sagen mir, dass sie einfach Angst haben, krank zu werden, oder dass sie wieder regelmäßig in die Schule gehen wollen. Ich kann diese Begründungen sehr gut verstehen.“ Dennoch muss er die nicht chronisch kranken Jugendlichen zunächst auf eine Warteliste nehmen. Denn auch in den Praxen der Kinder- und Jugendärzte ist der Impfstoff knapp. Solange das der Fall ist, lässt Christian Voigt den Wunsch, unbeschwert in den Urlaub fahren zu können, nicht als ausreichende Begründung gelten. „Aber das sagt uns auch niemand ins Gesicht.“
Als junge Frau bevorzugt sie einen mRNA-Impfstoff
Vor allem junge Leute waren in den vergangenen Monaten stark eingeschränkt. Abiturfeiern, Abschlussfahrten oder Auslandssemester, all das haben viele von ihnen gerade unwiederbringlich verpasst. Die 17-jährige Eva Haas aus Westheim sagt: "Wir wollen einfach wieder eine Art normales Leben führen“. Auch sie wird sich bald für eine Impfung anmelden. „Ich bin dem Ganzen gegenüber positiv eingestellt“, erklärt sie. Auch für sie spielen die Freiheiten, die mit einer vollständigen Impfung verbunden sind, eine große Rolle. Deshalb will sie sich gerne „so schnell wie möglich impfen lassen“. Über die Risiken einer Impfung hat sie sich auch schon Gedanken gemacht. Als junge Frau würde sie einen mRNA-Impfstoff wie zum Beispiel den von Biontech bevorzugen.
Für Eva Haas sind die Impfungen „der einzige Weg, aus der Pandemie herauszukommen“. Deshalb ist sie froh, dass der Schutz jetzt bald auch für ihre Altersgruppe infrage kommt. Sie empfindet es als gerecht, dass auch Jugendliche die Möglichkeit bekommen sollen, sich impfen zu lassen. „Wir Jungen haben uns den Älteren und Risikopatienten gegenüber lange solidarisch verhalten und haben uns eingeschränkt. Es war wichtig, diejenigen, die gefährdet sind, als erstes zu impfen.“ Jetzt sollte diese Solidarität in ihren Augen aber auch umgekehrt gelten.
Etwa 1400 Jugendliche im Kreis Augsburg haben sich für Impfung registriert
Nach Angaben des Landratsamtes haben sich im Landkreis Augsburg etwa 1400 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren über die Plattform der BayImco für eine Impfung registriert. Sie können bislang nur den Impfstoff des Herstellers Biontech erhalten, weil nur dieser für ihre Altersgruppe zugelassen ist. Etwa 120 Jugendliche aus dem Landkreis haben sich auch schon impfen lassen. Nachdem sie in einer der priorisierten Gruppen im System aufgeführt sind, geht das Landratsamt davon aus, dass sie wahrscheinlich Vorerkrankungen haben, die das Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion erhöhen. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er geimpft werden will oder nicht und welche Gründe er dafür hat. Das Landratsamt rät dazu, mit dem Hausarzt oder dem Kinderarzt darüber zu sprechen.