Die hohen Benzinpreise? Dagmar Walter beißt die Zähne zusammen: „Es muss gehen, denn wer beruflich auf sein Auto angewiesen ist, hat gar keine Alternative“, schreibt sie auf der Facebook-Seite der Ausgabe AZ Augsburger Land. So wie Dagmar Walter geht es in diesen Tagen Zehntausenden von Landkreisbürgern. Denn im Augsburger Land wohnen so viele Pendler wie noch nie.
Nach einer aktuellen Erhebung des Landratsamtes, die auf Daten der Arbeitsagentur beruht, arbeitet im Kreis nur noch jeder Sechste in einem Betrieb an seinem Wohnort. Vor gut zehn Jahren war es noch jeder Fünfte. Erfasst sind in diesen Daten die so genannten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Schüler, Studenten, Beamte und Selbstständige sind nicht aufgeführt.
Die aktuelle Pendler-Analyse des Landratsamtes bezieht sich auf fast 87000 Menschen – und von denen dürfte ein Großteil mit dem Auto unterwegs sein und unter den derzeitigen Spritpreisen besonders leiden. Bundesweiten Zahlen zufolge sind etwa zwei Drittel der Pendler mit dem Auto unterwegs.
Welche Bedeutung das Auto im Kreis hat, lässt sich auch aus einer anderen Zahl ableiten: 2011 waren im Landkreis über 204 000 Fahrzeuge zugelassen. In der Stadt Augsburg, die mehr Einwohner hat, nämlich knapp 270000 gegenüber 240 000 im Kreis, waren 2011 knapp 120000 Autos gemeldet.
Augsburg verliert für die Pendler an Bedeutung, München gewinnt
Die Pendler-Analyse belegt jedoch nicht nur, wer wohin fährt. An ihr lässt sich beispielsweise auch der schleichende Bedeutungsverlust Augsburgs für sein Umland ablesen. Zwar arbeiten dort noch fast 40 Prozent aller Arbeitnehmer, die im Kreis wohnen, doch gegenüber 1997 hat dieser so genannte Auspendler-Anteil abgenommen. Für immer mehr Beschäftigte wird dagegen München zum Ziel. 4,4 Prozent peilen bereits tagtäglich die Landeshauptstadt an, machen sich in Auto oder Zug auf die Reise.
Unter dem Strich bietet der Landkreis, der derzeit mit Arbeitslosenquoten von unter drei Prozent glänzt, seinen Bewohnern bei Weitem nicht genügend Arbeitsplätze. Den 87000 Beschäftigten stehen innerhalb des Kreises nur an die 57000 Arbeitsplätze gegenüber.
Eine Spitzenstellung nimmt dabei Gersthofen ein. Der traditionelle Industriestandort hat fast 12000 Arbeitsplätze, mehr als doppelt so viele wie Neusäß. Als „Hauptstadt der Pendler“ darf sich Stadtbergen fühlen.
Dort ist die Anbindung an Augsburg besonders stark: fast 60 Prozent der Pendler arbeiten in der Fuggerstadt. Prozentual gesehen die meisten Pendler (97,2) hat ein kleiner Ort im Norden: In Kühlenthal dürften die hohen Spritpreise bei besonders vielen Menschen für Verdruss sorgen, weil sie keine Wahl haben.
Die Zahlen in Kürze
Wo sind die Jobs und wo leben die Pendler im Landkreis Augsburg? Darüber geben diese Zahlen der Arbeitsagentur aus dem Jahr 2010 Aufschluss. Aufgeführt sind jeweils die Zahl der Beschäftigten (B) aus einem Ort, deren Prozentzahl, die pendeln muss (P), sowie die Anzahl der Arbeitsplätze in einem Ort (AP). Aufgeführt sind Städte und Gemeinden aus unserem Verbreitungsgebiet.
Gersthofen 7857 Beschäftigte, 73,7% Pendler und 11865 Arbeitsplätze.
Neusäß 6915 B, 86,7% P, 4569 AP.
Stadtbergen 4806 B, 91,4% P, 2955 AP.
Meitingen 4325 B, 75,1% P, 3778 AP.
Diedorf 3286 B, 89,1% P, 1592 AP.
Biberbach 1318 B, 94,8% P, 166 AP.
Welden 1328 B, 87% P, 578 AP.
Zusmarshausen 2299 B, 73% P, 2355 AP.
Dinkelscherben 2253 B, 82,6 % P, 889 AP.
Fischach 1792 B, 72,6% P, 2070 AP.
Thierhaupten 1476 B, 83,3% P, 846 AP.
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