Eine 50-jährige Frau ist vermutlich die erste Patientin, die sich mit den Legionellen im Titania infiziert hat. Dr. Martin Miller vom Gesundheitsamt teilte mit, dass bei der Patientin aus dem nördlichen Landkreis Augsburg vieles auf eine Infektion hindeute.
50-Jährige ist wohl erster Krankheitsfall
Wie berichtet, ist das Neusässer Erlebnisbad Titania seit vergangenem Freitag komplett geschlossen, weil im Badewasser Legionellen gefunden worden waren. Die 50-Jährige ist jetzt der erste Krankheitsfall, der dem Gesundheitsamt gemeldet worden ist. Alle Ärzte und Krankenhäuser waren informiert worden, bei bestimmten Symptomen wie Husten, Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Glieder- und Brustschmerzen eine Legionellen-Infektion in Betracht zu ziehen.
Die Frau aus dem nördlichen Landkreis sei vor ihrer Erkrankung im Titania zu Besuch gewesen, sagte Dr. Miller. Das habe die behandelnde Ärztin mitgeteilt. Der Mediziner geht davon aus, dass die Erkrankung der Frau in Richtung der Legionärskrankheit geht. Das ist die schwerere der beiden möglichen Krankheitsformen. Die Heilung sei meist langwierig, in einigen Fällen kann als Folge auch eine eingeschränkte Lungenfunktion zurückbleiben oder eine Lungenfibrose entstehen, informiert das Gesundheitsamt auf seiner Internetseite. Bei einer rechtzeitigen Diagnose seien die Aussichten auf Genesung gut, sagt Dr. Miller – unbehandelt könne sie aber tödlich enden. Normalerweise könne die Legionärskrankheit zu Hause auskuriert werden, das komme aber auf die Schwere der Krankheit sowie auf die Vorbelastung des Patienten an. Über beides wisse das Gesundheitsamt in diesem Falle bisher nicht Bescheid.
Gesundheitsamt: Wohl noch mehr Infektionen
Dr. Miller geht davon aus, dass in den nächsten Tagen noch mehr Krankheitsfälle bekannt werden könnten: „Aufgrund der sehr hohen Bakterienkonzentration im Badewasser rechnen wir mit weiteren Infektionen.“ Zwischen einer Infektion und dem Auftreten erster Symptome können zwei bis zehn Tage vergehen. Und auch bei einem Arztbesuch müsse eine Urinprobe erst ins Labor geschickt und untersucht werden, bis eine Diagnose möglich ist, erklärt Miller die Zeitverzögerung.
Je höher die Konzentration der Bakterien im Wasser ist, desto höher sei auch das Risiko einer Erkrankung, sagt Dr. Miller. Menschen können sich infizieren, indem sie die Dämpfe des bakterienhaltigen Wassers einatmen, eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet dagegen nicht statt. Gefährdet seien insbesondere ältere oder immungeschwächte Menschen. Zudem sei das Verhältnis von erkrankten Männern zu Frauen 3:1. „Warum das so ist, weiß keiner“, sagt Dr. Miller weiter.
Titania komplett desinfiziert
Derweil warten sowohl das Gesundheitsamt wie auch die Thermenleitung weiter auf die Ergebnisse der umfangreichen Untersuchung nach der Ursache für die Bakterienverunreinigung. Vor Donnerstag sei damit aber nicht zu rechnen. Im Titania sei mittlerweile das gesamte Wasser abgelassen worden, alle Bereiche würden durchgespült und desinfiziert, teilte Betriebsleiter Dietrich Gehle mit.