Die Schuldfrage ist gleich geklärt. „Das haben die Männer vergessen“, sagt Anni Fries mit einem Schmunzeln und meint ihren Mann und ihren Sohn. „Ich bin ein bisschen enttäuscht.“ Fries ist Bezirksbäuerin in Schwaben. Die Biberbacherin betreibt neben einer Bullen- und Schweinemast auch Maisanbau auf rund 100 Hektar. „Im vergangenen Jahr hatten wir fast überall einen Blühstreifen um die Felder. Heuer haben wir das leider versäumt.“ Nur noch eines ihrer ein Dutzend Felder wird zum Beispiel von Sonnenblumen umrahmt. „Das ist schade. Ich habe mir sonst immer eine Blume abgezwackt, wenn ich vorbeigefahren bin“, sagt Fries. Aber diesmal haben es die Männer vergessen.
Im nächsten Jahr möchte sie wieder eine bunte Blumenvielfalt um ihre Felder anbauen. Und somit Teil der Aktion „Blühende Rahmen“ werden. Dabei legen Landwirte freiwillig und auf eigene Kosten rund drei Meter breite Blühstreifen am Rand ihrer Felder an. Zum Einsatz kommen eine Reihe von einjährigen Blumen, etwa Sonnenblumen, Phaselia oder Malven. Ziel ist es, die Optik der landwirtschaftlichen Nutzflächen zu verbessern. Zum anderen bieten die Pflanzen Lebensraum und Futter für Bienen und Wildtiere. Außerdem wird der Boden befruchtet und aufgelockert.
2010 hat der Bayerische Bauernverband die Aktion ins Leben gerufen. Immer mehr Landwirte nehmen daran teil, auch in der Region. „Ich habe noch nie so viele Blühstreifen gesehen wie heuer. Das nimmt von Jahr zu Jahr zu“, sagt Anita Högenauer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Krumbach, auch zuständig für den Landkreis Augsburg.
Auch Gerhard Ringler, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes in Augsburg, bestätigt: „Die Aktion ist weit verbreitet, man sieht das praktisch in jedem Dorf.“ Bayernweit wird nach Schätzungen des Bayerischen Bauernverbandes eine Fläche von 75 Hektar durch Blühstreifen genutzt.
Die bunte Pflanzenvielfalt findet sich hauptsächlich um Maisfelder. Nicht ohne Grund. „Wir wollen das Image von Mais aufpolieren. Das ist nicht gut – völlig zu Unrecht“, sagt Ringler. „Neben Weizen ist Mais die wichtigste und ertragreichste Anbaufrucht in der Landwirtschaft.“ Gerade jetzt, kurz vor der Ernte, würden die bis zu drei Meter hohen Maishalme jedoch wie eine „Wand“ auf Spaziergänger wirken, so Ringler. Auch deshalb seien die Blühstreifen nützlich, um einen freundlicheren Anblick zu bieten.
Doch es geht nicht nur um die Optik. Vor allem die Bienen sind auf die Blütenvielfalt neben den Feldern angewiesen. „Wir kämpfen seit Jahren für mehr Blühstreifen“, sagt Reinhard Buhl, Vorsitzender des Kreisverbandes der Imker in Augsburg. „In Bayern gibt es fast nur noch Monokulturen, etwa Felder nur mit Mais oder Raps. Diese blühen gerade einmal einige Wochen, außerhalb dieses Zeitraumes finden die Bienen auf solchen Feldern keine Blütenpollen.“ Vor drei Jahren noch hat er bereits im Juni verhungerte Bienen gefunden. Mittlerweile hätte sich die Situation verbessert, auch Buhl sieht eine zunehmende Zahl von Blühstreifen in der Region. Zufrieden ist er aber noch nicht. „Es kann nicht genug geben.“
Die Landwirte müssen die „blühenden Rahmen“ aus eigener Tasche bezahlen. Sie bekommen dafür keine staatliche Bezuschussung. „Das Saatgut dafür ist relativ teuer, außerdem hat man auf dieser Fläche keinen Ertrag. Von daher ist es ein Verlustgeschäft“, sagt Ringler.
Die Blumen sind vor allem an stark frequentierten Fuß- und Radwegen gepflanzt. Vorbeikommende sind laut Ringler oft unsicher, ob sie etwas abschneiden und mitnehmen dürften. Der Landwirt würde dies jedoch begrüßen: „Ich habe schon Fußgänger angehalten und gebeten, etwas mitzunehmen. Es wächst eine solche Masse von Blumen, so viele kann ich meiner Frau gar nicht nach Hause mitbringen.“ "Aufgefallen