Vanessa-Prozess: Anwalt hat keine Zeit: Verhandlung beginnt erst am Mittag
Vanessa-Prozess
Anwalt hat keine Zeit: Verhandlung beginnt erst am Mittag
Heute soll das Verfahren um die Sicherungsverwahrung von Vanessas Mörder Michael W. fortgesetzt werden - allerdings erst am Mittag.
11.12.19 - aktualisiert:
|
|
|
Dieses Archivbild zeigt einen Polizisten bei der Tatortbegehung in Gersthofen mit Vanessas Mörder. Michael W. ist mit einem Schutzanzug bekleidet, sein Gesicht ist verhüllt. Foto: sh/dt
Der Anwalt des Angeklagten hatte sich nach Informationen unserer Zeitung beim Gericht gemeldet und wegen Terminproblemen um eine Verlegung gebeten. So wird der Prozess erst am Mittag fortgesetzt.
Michael W. war in der Nacht des Rosenmontags 2002 verkleidet mit einer Totenmaske wie im US-Horrorfilm „Scream“ in das Haus der Familie Gilg in Gersthofen bei Augsburg eingestiegen und hatte die zwölfjährige Vanessa im Schlaf erstochen. Kurz darauf wurde der Metallbau-Azubi festgenommen. Er gestand, die Tat nach dem Vorbild des Horrorfilms ausgeübt zu haben. Ein Jahr später wurde W. verurteilt. Der damalige Vorsitzende der Jugendkammer, Martin Kramer, sagte: „Er hat getötet um des Tötens willen.“
Bei der Verhandlung Mitte März hatte es einen Eklat gegeben. Bereits zum Auftakt des Verhandlungstages, bei dem die psychologischen Gutachten verlesen werden, wurde die Öffentlichkeit von der Sitzung ausgeschlossen. Das Gericht begründete den Schritt damit, dass Vanessas Mörder Michael W. ein Recht auf Schutz seiner Privatsphäre habe. In den Gutachten werden intime Details, unter anderem zur Sexualität des 29-Jährigen, behandelt.
Vanessa aus Gersthofen wurde nur zwölf Jahre alt. An Rosenmontag 2002 dringt Michael W. in das Haus der Familie ein und ermordet das Mädchen. Sie ist ein Zufallsopfer.
Vanessas Mutter Romana Gilg bezeichnete die Entscheidung des Gerichts gegenüber unserer Redaktion als "Unverschämtheit": "Der Täter wird geschützt mit allen Mitteln", sagte sie. "Wie sollen wir eine Entscheidung dann nachvollziehen, wenn wir nicht dabei sein dürfen?" Unter den Prozessbeobachtern herrschte Fassungslosigkeit angesichts der Entscheidung des Gerichts. Gabriele Schmidthals-Pluta vom Verein "Sicheres Leben" zeigte sich völlig empört. Sie sei es leid, dass immer die Täter im Fokus stünden. AZ