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Langweid

28.12.2017

Wie Rückwärtslaufen ihn vorwärts brachte

Der Gablinger Kämmerer Roland Wegner hat bei Achsheim eine Haselnussplantage übernommen, als der Besitzer die Bäume fällen wollte.

Roland Wegner pflegt nicht nur einen außergewöhnlichen Sport und hält dort einen Rekord. Er hat noch einiges andere in petto

Der Sport und die damit verbundene Herausforderung ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Die Herausforderung, Grenzen auszutesten, sich Ziele zu setzen. Durch Sport habe er gelernt: „Wenn man viel investiert, dann kommt auch etwas dabei raus.“ Sagt Roland Wegner, der Leichtathlet, der Rückwärtsläufer mit Weltrekord, der Buchschreiber, der Vegetarier und dann Veganer, der Tierschützer und der Gründer und Vorsitzende der noch jungen V-Partei³.

Zunächst hat er nur eine Richtung gekannt: nach vorne

Ein erst 42-jähriger Mann mit Grundsätzen, der im ganz normalen Leben etwas ganz Normales macht: Der in Langweid mit seiner Lebensgefährtin wohnende Diplomverwaltungswirt ist Geschäftsleiter und Kämmerer im Rathaus Gablingen.

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Wer das Rückwärtslaufen zu seiner Philosophie macht, beweist auf jeden Fall nicht nur körperliche, sondern auch intellektuelle Beweglichkeit und den Mut zum Andersherum-Denken. Als pubertierender Fußballer hat der gebürtige Wertinger schnell gemerkt, dass er zwar ausdauernd laufen, aber nicht perfekt dribbeln konnte. So kam er, wenn auch nach seinen Worten recht spät erst – mit 19 Jahren –, zur Leichtathletik und trainierte in der LG Zusam, später bei einem Friedberger Verein.

Später nahm er als Mitglied bei der LAC Quelle Fürth sogar an der deutschen Meisterschaft teil und lief dabei zweimal im Finale über 4-mal-400-Meter-Staffel.

Doch sportlich zog es den jungen Athleten in die Heimat: In Augsburg gründete Roland Wegner aus Leichtathletik-Gruppen von sechs Vereinen die Leichtathletikgemeinschaft Augsburg, um junge Sportler und diese Sportart hier gezielt zu fördern. Sieben Jahre, bis 2017, war Roland Wegner deren Vorsitzender, und die Sanierung der Leichtathletik-Anlagen im Rosenaustadion hat er maßgeblich durchgesetzt. Dabei nutzte ihm letztlich auch sein kommunalpolitisches Engagement; als damaliges Mitglied der Augsburger SPD kandidierte er 2014 auch für den Augsburger Stadtrat.

Vom Vorwärtslaufen zum Rückwärtslaufen

Dieser Schritt resultierte weniger aus einer Faschingsveranstaltung, auf der Wegner 1000 Meter rückwärts laufen musste, sondern war Folge von Beschwerden im Knie: Der 26-Jährige, dem der Arzt dann ohnehin von der Leichtathletik abriet, lief aus Frust einmal rückwärts: „Siehe da, diese Form des Laufens war schmerzfrei“, erzählt Roland Wegner.

Zielstrebig, wie er nun einmal ist, informierte er sich über diese Laufform weiter, stieß auf Weltrekorde, entwickelte Pläne, trainierte, „und 2004 knackte ich den Weltrekord“. 200 Meter in 32 Sekunden! 2005 wurde dann in Augsburg auf Initiative Wegners die IRR – International Retro Runner – gegründet. Seitdem gebe es alle zwei Jahre Weltmeisterschaften in der Sportart, 2016 war die letzte in Essen. Zwei wichtige Ereignisse in der Rückwärtsläufer-Karriere des Querdenkers Wegner kamen zusammen: Er bewarb sich für einen Auftritt bei Thomas Gottschalks „Wetten, dass..?“ in Mallorca, wo er sich rückwärts laufend von einem Geschäftsmann in einen Sportler verwandeln, also das Outfit wechseln musste. Klar, dass das klappte.

Das Event war auch die perfekte Werbung für das Buch „Retrorunning“, in dem Wegner nicht nur Techniken und Vorteile des Rückwärtslaufens beschrieb: „Es ist gesundheitsfördernd, gut für die Synapsen im Gehirn, gut fürs Körpergefühl, hilft Ängste abzubauen…“, nennt er spontan einige positive Effekte. Auch Leichtathleten sollten dies ins Training einbauen, rät Wegner. Mit dem Schreiben des Buches griff Wegner schließlich auch das Thema Ernährung und Ernährungsformen auf.

Tierschutz ist ihm wichtig

Die Meinung, Sprinter bräuchten Fleisch zur Eiweißversorgung, revidierte er in einem Selbstversuch: „Kein Fleisch, es ging mir richtig gut!“ Obwohl er schon über 30 war, lief er ohne Fleisch persönliche Bestleistung, war schneller wieder fit, gewann zehnmal den Perlachturm-Lauf. Vom Vegetarier war über die größer werdende Erfahrung mit Ernährungsthemen der Weg zum Veganer und Tierschützer praktisch vorgezeichnet. Und Roland Wegner beschloss, seine guten Erfahrungen hinauszutragen: 2016 gründete er die V-Partei³. Dreimal „V“: Die Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer. Mit 30 Leuten gestartet, hat die Partei heute knapp 2000 Mitglieder und ging 2017 bei der Bundestagswahl in zwölf Bundesländern an den Start: „Viel Aufwand, aber ein großer Erfolg. Wir haben schon mehr Landesverbände als die Freien Wähler“, fasst Wegner zusammen. Aktiv engagierte er sich bei einem Spendenlauf – natürlich rückwärts – für den Tierschutz unter dem Motto „Dem Tierleid den Rücken zuwenden“.

Da ist die Moorhaselnussplantage, die er mit Mitstreitern in Achsheim von einem Grundstücksbesitzer übernahm, der die Bäume fällen wollte, geradezu eine Kleinigkeit. Aber sie passt ins Lebenskonzept: Nüsse sind ein wichtiger Baustein in der veganen Ernährung, zudem sind die Bäume Heimat und Nahrungslieferant für viele Insekten und Vögel. Die Ernte reicht für den privaten Bedarf. „Ich bin kein Außenseiter“, sagt Wegner. „Ich versuche zu inspirieren und positiv Einfluss darauf zu nehmen sowie Dinge mutig zu hinterfragen.“

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