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Diedorf: Arbeiten in der Nacht: Johannes Birle will trotzdem Bäcker werden

Diedorf

Arbeiten in der Nacht: Johannes Birle will trotzdem Bäcker werden

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    Johannes Birle entschied sich nach einem Praktikum für die Ausbildung zum Bäcker.
    Johannes Birle entschied sich nach einem Praktikum für die Ausbildung zum Bäcker. Foto: Marcus Merk

    Um halb drei klingelt der Wecker, um drei Uhr in der Früh beginnt die Arbeit: Für die meisten jungen Menschen ist der Bäckerberuf wegen der nächtlichen Arbeitszeiten enorm unattraktiv. Viele Betriebe haben daher Schwierigkeiten, Lehrlinge zu finden. Eine Ausnahme ist Azubi Johannes Birle. Er liebt seinen Job und träumt sogar schon von seiner eigenen Bäckerei. Was fasziniert ihn an seinem Beruf?

    Temperaturen sind in der Bäckerei im Sommer sehr hoch

    Obwohl es noch früh am Morgen ist, sind die Temperaturen in der Bäckerei schon ziemlich hoch. „Im Sommer kann es sehr unangenehm werden“, sagt Birle. Dafür sorgt nicht nur die Sonne, sondern auch der große Ofen, der einiges an Wärme abstrahlt. „Im Winter ist die Arbeit deshalb deutlich angenehmer“, ergänzt er. An fünf Tagen pro Woche arbeitet der 18-jährige Lehrling von drei Uhr bis halb zwölf in der Backstube der Bäckerei Niedermair in Diedorf. Zu der Ausbildung sei er eher zufällig gekommen.

    Nach seinem Schulabschluss habe er einige Praktika absolviert, um herauszufinden, in welchem Bereich er arbeiten möchte. „Mein Vater hat jeden Tag hier in der Bäckerei eingekauft. Und irgendwann hat er dann gefragt, ob ich hier auch mal ein Praktikum machen kann“, erzählt Birle. Vorerfahrung hatte er in dem Bereich keine, gebacken habe er vor dem Start des Praktikums nie.

    Praktikum weckte das Interesse an einer Ausbildung zum Bäcker in Diedorf

    Während des einwöchigen Praktikums entdeckte er dann aber den Reiz des Berufs. „Es hat mir von Beginn an Spaß gemacht“, erzählt Birle. Die Arbeit mit dem Teig liege ihm und auch die Abwechslung bei der Herstellung der verschiedenen Backwerke schätze er. „Erst macht man Brot und Semmeln, dann Brezen und Croissants. Das sind jeweils recht unterschiedliche Aufgaben.“ Deshalb habe er nicht lange überlegt, als er nach dem Praktikum das Angebot bekam, seine Ausbildung in Diedorf zu starten. Im September 2022 begann er seine Lehre.

    Seither heißt es für Birle: Aufstehen um 2.30 Uhr, Arbeitsbeginn eine halbe Stunde später. Doch nicht nur für ihn begann der Tag mitten in der Nacht, auch bei seiner Mutter klingelte der Wecker über ein Jahr lang sehr früh. „Als ich mit der Ausbildung begonnen habe, war ich 16 und hatte noch keinen Führerschein“, sagt Birle. Da in der Nacht kein Bus fährt, musste seine Mutter ihn in dieser Zeit zur Arbeit bringen. Seit Ende des vergangenen Jahres ist der Auszubildende allerdings 18 und fährt seither alleine von seinem Heimatort Ried nach Diedorf.

    Birle backt in Diedorf 320 Brezen am Tag

    Wenn er in der Backstube ankommt, bereitet Birle zusammen mit einer Kollegin zunächst Brote und Semmeln für den Tag vor. Gegen acht Uhr am Morgen startet er dann mit seiner Lieblingstätigkeit: Brezen backen. „Das macht auf jeden Fall am meisten Spaß“, sagt der Lehrling. Etwa 320 Brezen backt er an einem Tag, am Samstag sind es sogar doppelte so viele.

    Johannes Birle bereitet in der Backstube am liebsten Brezen zu.
    Johannes Birle bereitet in der Backstube am liebsten Brezen zu. Foto: Marcus Merk

    Was nach einer ganzen Menge klingt, ist für Birle kein Problem. Nur wenige Sekunden braucht der 18-Jährige, um aus einer Teigrolle eine neue Brezen zu schwingen. Bis der Lehrling seine Handgriffe so perfektionierte, habe er allerdings einiges an Zeit gebraucht. „Meine erste Breze durfte ich schon im Praktikum machen. Bis ich es so gut hinbekommen habe, hat es allerdings sechs Monate gedauert“, gibt er zu.

    Früher Arbeitsbeginn für den Bäcker-Azubi kein Problem mehr

    Auch wenn er nicht arbeitet, muss Birle hin und wieder seine Backkünste unter Beweis stellen. „Ich mache bald mit Freunden Urlaub in einer Hütte“, erzählt er. „Da gibt es einen Pizzaofen. Und es wurde schon gesagt, dass ich dafür den Pizzateig machen soll“, ergänzt der Bäckerlehrling. Die Tricks, die er während der Ausbildung lernt, kann er auch privat einsetzen. „Man bekommt ein Gefühl für den Teig und lernt, besser damit umzugehen.“ Auch für seine Familie backt Birle ab und zu.

    Mit dem frühen Arbeitsbeginn habe er inzwischen keine Probleme mehr. „Am Anfang war es natürlich schon eine Umstellung“, sagt Birle. Mit der Zeit habe er sich daran allerdings gut gewöhnt und auch sein Umfeld nehme darauf Rücksicht. „Meine Freunde wissen, dass ich am Abend meist keine Zeit habe. Dafür halten sie sich Tage frei, an denen ich nicht arbeiten muss und wir treffen uns dann.“

    Traum von der eigenen Bäckerei

    Aktuell ist Birle im zweiten Ausbildungsjahr. „Es war die richtige Wahl“, sagt er zu seiner Lehre. Nicht nur die Arbeit in der Backstube gefalle ihm, auch in seiner Berufsschulklasse in Augsburg fühle er sich wohl. Für die Zeit nach der Ausbildung hat Birle schon erste Pläne. „Ich möchte gerne erstmal hier im Betrieb bleiben und meinen Meister machen.“ Dabei soll es aber nicht bleiben. „Ich habe mit Kollegen aus der Berufsschule schonmal darüber geredet, irgendwann vielleicht eine eigene Bäckerei aufzumachen“, sagt Johannes Birle.

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