Wer hätte das gedacht: Drei Monate nach der Eröffnung ist der Fairteiler in Stadtbergen ein Publikumsmagnet geworden. Und Bürgermeister Paulus Metz (CSU) schwankt zwischen Freude und Enttäuschung: „Das läuft wirklich super, ich bekomme nie etwas ab“, stellte er vor Kurzem mit einem Lächeln fest. Er freut sich, dass das Konzept funktioniert: Der Fairteiler ist ein Projekt von Foodsharing.de, bei dem überschüssige Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet werden. Essen, das im Lebensmittelgeschäft nicht mehr zu verkaufen ist, landet hier in den Regalen. Und ist dann, zumindest am Oberen Stadtweg in Stadtbergen, auch ziemlich schnell wieder weg.
Das freute die Initiatorin Claudia Günther von der städtischen Stabsstelle Klimaschutz besonders: „Wir haben unser Ziel erreicht, wir retten Lebensmittel“, erklärte sie in der Sitzung des Stadtrats. Zudem habe sie unglaublich viele positive Reaktionen wegen des Projekts bekommen, nicht nur von den Foodsavern, sondern auch von Nachbarn und Leuten, die sich dort Lebensmittel mitnehmen. Obwohl es anfangs viele skeptische Stimmen gegeben hatte, die vor allem das Befüllen und die Hygiene des Fairteilers betroffen hatten.
Lob für Sauberkeit, Optik und Inneneinrichtung
Doch mittlerweile sei der Stadtberger Fairteiler zum Vorzeigebeispiel in Sachen Sauberkeit, Optik und Inneneinrichtung in der Foodsaver-Community geworden, wie es im Stadtrat hieß. Zwei Betriebsverantwortliche Foodsaver sind in Stadtbergen Ansprechpartner für das Projekt. Es gibt einen täglichen Reinigungsdienst und einen Putzplan, der öffentlich einsehbar im Fairteiler an der Wand hängt. Ein weiterer Hinweis dort lautet: „Nehmt bitte nur soviel mit, wie ihr zeitnah verzehren könnt“.
Mindestens acht bis zehn Mal pro Woche werde der Fairteiler von den Foodsavern aufgefüllt, berichtete Claudia Günther. Und die Regale seien dann auch immer schnell wieder leer. Umso mehr hat sich Bürgermeister Paulus Metz gefreut, dass Claudia Günther ihm einen Apfel aus dem Fairteiler mitgebracht hatte, damit er auch einmal etwas abbekam. Neben Obst und Gemüse landen auch Backwaren, eimerweise Soßen und dergleichen im Fairteiler. Auch Privatpersonen dürfen ungekochtes Essen in ungeöffneten Verpackungen bringen, sie müssen aber ebenfalls die Regeln beachten. Der Fairteiler in Stadtbergen ist täglich von 7.30 Uhr bis 20.30 Uhr zugänglich. Danach wird die Tür mit einem Motorschloss gesichert.
Essen vor der Tonne retten
Das Projekt hat das Ziel, Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten. Anders als die Tafeln ist es nicht darauf ausgerichtet, Bedürftige mit Lebensmitteln zu versorgen. Stadträtin Roswitha Merk (CSU) hätte sich gewünscht, dass die finanziell Schwächeren hier zuerst zum Zuge kommen. Doch Claudia Günther versicherte ihr, dass die Tafeln, die für diesen Zweck gegründet wurden, beim Einsammeln der Lebensmittel in den Märkten immer Vorrang hätten.
Matthias Künzel (SPD) vermutete, dass die günstige Lage im Oberen Stadtweg einen Teil des Erfolgs ausmacht. Er warnte davor, den Fairteiler auf Bedürftige zu beschränken, es sei doch lobenswert, dass dieses Projekt von allen Teilen der Gesellschaft genutzt werde. So wisse niemand, wer aus finanziellen Gründen tatsächlich auf diese Lebensmittel angewiesen ist. Auch Tobias Schmid (CSU) lobte den Fairteiler als „gute Werbung für unsere Stadt“. Fabian Münch (Grüne) betonte, dass durch jedes Lebensmittel, das nicht im Müll lande, auch CO2 eingespart werde.
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