Am Mittwoch fand das erste Relegationsspiel der Saison statt, am Sonntag folgt das zweite und damit die Entscheidung, ob Dinkelscherben in der Bezirksliga bleibt, oder wie Langerringen absteigen muss. Bevor im Juni noch mehr Relegationsspiele in den unteren Ligen stattfinden haben wir uns gefragt: Relegation? Braucht‘s das?
Die Relegation ist etwas Besonderes - für alle
Gutes Wetter im Frühsommer, der frische Geruch des Rasens und der Bier und Bratwurst-Duft, der Fußball irgendwie ausmacht. All das gibt es bei Spielen, die von Mai bis September stattfinden. Doch das macht auch die Relegation aus, und da liegt noch zusätzlich ein Kribbeln in der Luft, die Anspannung und Sensationslust der Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich im Verhältnis zu Ligaspielen im Amateurfußball mindestens mal verdoppeln, und das Gefühl: Hier geht was. Hier passiert etwas.
Dinkelscherben atmet auf, Langerringen steigt ab: Die besten Bilder vom Relegationsspiel
Die Emotionen und diese Spannung, die auch die Spieler auf dem Rasen erreicht und oftmals zu packenden Duellen führt, zeichnen die Relegation aus. Für die Zuschauer ist das beste Unterhaltung und auch die austragenden Vereine profitieren, weil die Spiele auf neutralem Boden stattfinden. Nebenbei sehen Zuschauer und Spieler neue Sportplätze.
Wer die Wege auf sich nimmt, wird mit spektakulären Duellen belohnt. In der Relegation wird vielen Zuschauenden noch einmal die Bedeutung des eigenen Vereins bewusst. Schon der Auftakt der diesjährigen Relegation zwischen Langerringen und Dinkelscherben zeigte, was in der Relegation steckt: Immer wieder lautstark anfeuernde Fans, tapfere Spieler die trotz völliger Erschöpfung nach 110 Spielminuten bei einem Rückstand der eigenen Mannschaft noch einmal über den ganzen Platz laufen. All das läuft auf den Moment hinaus, in dem alles entschieden ist und das Drama abgepfiffen wird. Trauer auf der einen Seite, Enttäuschung auf der anderen. Die Relegation verspricht Emotionen und sie löst das Versprechen immer ein. Piet Bosse
Die Relegation ist unfair – und ein aufgeblähtes Spektakel
Nicht immer muss man zur Elite gehören, um am Saisonende ein großes Finale zu bekommen. Im hiesigen Amateurfußball reicht es schon, nicht zu tief im Tabellenkeller zu hängen: In der Relegation werden Dorfsportplätze zu Hexenkesseln und Hobbykicker zu Vereinslegenden. Toll, oder? Nein, wirklich nicht. Die Relegation ist ein aufgeblähtes Spektakel auf Kosten des Sportsgeistes.
Das fängt ja schon in der Theorie an. Die Relegation macht es möglich, dass am Ende der Drittletzte drinbleiben könnte, aber der Viertletzte absteigen muss. Würde man wenigstens nur Vereine aus unterschiedlichen Staffeln aufeinandertreffen lassen! Aber offenbar will man die Relegations-Kuh bis zum Exzess melken.
Zugegeben, die Partien versprechen Spektakel. Aber mehr auch nicht. Immerhin dauert die Punktrunde das ganze Jahr. Wer danach oben steht, hat es verdient, wer unten, der auch, die Tabelle ist fair. Relegationsspiele dürfen nur den Zweck haben, ein Patt zu entscheiden. Sie sollen nicht dazu da sein, die Saison künstlich zu verlängern.
Allzu oft fallen bei den Beteiligten in Relegationsspielen alle Hemmungen. Wenn alles kurz vorm Scheitern steht und unbedingt noch ein Tor fehlt, werden das Regelwerk und die Gesundheit des Gegenspielers manchen egal. Dann regnet es Karten, eskaliert schnell auf und neben dem Platz. Klar, auch hässliche Szenen sind leider Teil des Fußballs, lassen sich auch in Punktspielen nicht vermeiden, vor allem nicht am Saisonende. Aber damit reicht es auch. Wir sollten Amateurfußballer und -schiedsrichter nicht zu Zirkusaffen machen. Christof Paulus
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