Individuell und gleichzeitig mitten im Leben stehen – das soll Menschen mit erworbener Hirnschädigung in Meitingen möglich sein. Bereits im Oktober waren sie von der Wohngruppe St. Franziskus in Kloster Holzen nach Meitingen umgezogen. Dort, in der neuen Wohneinrichtung St. Raphael im Neubaugebiet östlich der Römerstraße, fühlen sie sich bereits zu Hause. Das sagte Arnold Pfeiffer, Gesamtleiter der Region Augsburg-Nord des Dominikus-Ringeisen-Werkes (DRW) jetzt bei der Segnung des zweistöckigen Gebäudes.
Martin Riß, Vorstandsvorsitzender und geistlicher Direktor des DRW, das Träger dieser Einrichtung ist, sprach in seiner Begrüßung davon, dass er sich bei jedem Besuch von der inneren Zuversicht, die die Bewohner ausstrahlen, beschenkt fühlt. Meitingens Bürgermeister Michael Higl nannte das Haus St. Raphael und seine Bewohnerinnen und Bewohner „eine Bereicherung für den Ort“. Gleichzeitig forderte er dazu auf: „Schauen wir aufeinander und leben wir miteinander.“ Dazu gehört neben den sozialen Kontakten auch die Anbindung an das Nahwärmenetz der Marktgemeinde.
Das Haus St. Raphael in Meitingen kostete rund neun Millionen Euro
Regierungspräsidentin Barbara Schretter beschrieb in ihrem Grußwort knapp und treffend das Konzept der Wohneinrichtung mit einerseits möglichst viel Individualität für jeden und jede, die alle gleichzeitig mitten im Leben stehen. Projektleiter MeH (Menschen mit erworbener Hirnschädigung) des Bezirk Schwabens, Stefan Dörrle, lenkte den Blick auf das Konzept, vorhandene Ressourcen bestmöglich zu fördern und so Inklusion zu ermöglichen.
Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des DRW, Michael Winter, blickte auf die Entstehung des Gebäudekomplexes vom Bauantrag im Jahr 2020 zur Fertigstellung im Herbst 2025 zurück. Trotz Rückschlägen und komplizierten Zuschussverfahren, war stets die unbedingte Bereitschaft und die Geduld, das Vorhaben umzusetzen, bei allen Beteiligten spürbar. Nur so konnten die letztendlich auf neun Millionen Euro angestiegenen Baukosten geschultert werden.
Bei der Segnung im Meitinger Haus St. Raphael standen die Bewohner und Mitarbeitenden im Vordergrund
Nach der Schlüsselübergabe durch Architekt Ulli Sommersberger wurde sichtbar, dass an dem Tag die Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitenden im Mittelpunkt standen. Gemeinsam mit Direktor Riß wurde jede Räumlichkeit aufgesucht und mit Weihwasser gesegnet. Die Gruppenmitglieder trugen mit ihrer Betreuerin Nadine Bürle Fürbitten vor. Auch die Eröffnung des anschließenden Stehempfangs lag bei den Bewohnern selbst. Zusätzlich zu den bereits belegten Wohngruppenplätzen, könnte das Angebot noch auf das zweite Stockwerk ausgeweitet werden. Doch dafür fehlen pädagogische Fachkräfte, wie Einrichtungsleiterin Sybille Schmöger bedauernd anmerkte.
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