Als Förster war Hubert Droste viel im Wald unterwegs. Fünf bis zehn Zecken bekam er da jedes Jahr ab, daran hatte sich der Förster schon fast gewöhnt, der seit einigen Monaten im Ruhestand ist. So wie viele Gartenbesitzer, Waldbesucher oder Freizeitsportler ist Droste im Sommer das Ziel der ungeliebten Blutsauger. Das ist nicht ungefährlich, denn der Landkreis Augsburg ist laut dem Robert-Koch-Institut FSME-Risikogebiet.
"Man muss lernen, damit umzugehen", meint Droste. Wichtig sei, die Zecken schnell zu entfernen. Denn je länger eine Zecke am Menschen hängt, desto wahrscheinlicher ist es, sich zu infizieren - falls das Tier Krankheitsträger ist. "Am besten mit einem der vielen Werkzeuge herausziehen, die extra dafür gefertigt werden", rät der ehemalige Leiter des Forstbetriebs Zusmarshausen. Die Zecke sollte als Ganzes raus. "Wenn die Beißwerkzeuge stecken bleiben, hat man noch einige Tage einen furchtbaren Juckreiz", weiß er. Vor dem Entfernen darf die Zecke nicht mit Mitteln wie Alkohol oder Öl behandelt werden. Danach wird die Einstichstelle desinfiziert.
Darüber hinaus rät der Förster, nach einem Spaziergang durch den Wald, die Hose abzuschütteln. "Zecken halten sich besonders in der Bodenvegetation auf, zum Beispiel in hohem Gras", erklärt er. "Wenn wir da durchlaufen, streifen wir sie ab." An der Kleidung könnten die Blutsauger dann hochkrabbeln. "Wenn man auf den Wegen bleibt, anstatt querfeldein zu laufen, ist die Gefahr, eine Zecke zu bekommen, aber nicht besonders groß", beruhigt Droste. Er selbst habe keine Angst vor Zecken. Er gehe schon seit über 40 Jahren in den Wald und habe noch nie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose gehabt. "Zecken profitieren vom Klimawandel", sagt Droste. Es werde schneller warm und die Vegetation setze ein bis zwei Wochen früher ein. Das gefalle den Blutsaugern.
Regelmäßiges Absuchen nach Zecken ist wichtig
Apotheken sind Anlaufstellen für viele Menschen, die bei einem Zeckenbiss besorgt sind. "Es gibt auch sogenannte Repellentien", sagt Apotheker Ulrich Koczian: "Das sind Sprays wie gegen Mücken." Einen hundertprozentigen Schutz bieten diese aber nicht. Es mache Sinn, solche Mittel zur Abwehr von Zecken zu verwenden. Trotzdem sei es essenziell, sich nach jedem Aufenthalt in der Natur, besonders mit kurzer Kleidung, gut nach Zecken abzusuchen.
Wenn Kinder in der Natur unterwegs sind, müssen auch sie vor Zecken geschützt werden. Judith Schneider vom Waldkindergarten Blätterdach in Kutzenhausen rät zu langer Kleidung. Helle Farben könnten hilfreich sein. Darauf sehe man die dunklen Zecken nämlich besonders schnell.
Auch unseren vierbeinigen Freunden machen Zecken zu schaffen. Hunde laufen häufig durch Wiesen. Deshalb ist es wichtig, sie nach jedem Spaziergang durchzusehen. "Mindestens einmal am Tag sollte das geschehen", rät Kevin Pfanzelt von der Hundeschule All Stars in Gersthofen. Es gebe auch Tabletten bei Zeckenbissen. Diese sollten aber nur mit ärztlicher Rücksprache verabreicht werden. "Ansonsten ist das Vorgehen wie beim Menschen auch", sagt Pfanzelt. "Aber das regelmäßige Absuchen ist am wichtigsten."
Eine Impfung kann vor einer FSME-Infektion schützen
Das schöne Wetter lädt ein, in die Natur zu gehen. Das freut auch die Zecken. Doch Vorsicht ist also geboten. Aber was macht die Bisse der Blutsauger so gefährlich? Zecken können das FSME-Virus übertragen. Entzündungen in Gehirn, Hirnhäuten oder Rückenmark sind die Folgen der Frühsommer-Meningoenzephalitis. Diese treten etwa ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenbiss auf und erinnern zunächst an eine Grippe. Die Betroffenen können zwar geheilt werden, doch auch Spätfolgen sind möglich. Eine Impfung kann davor schützen. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege empfiehlt sie allen, die in einem Risikogebiet Kontakt mit Zecken haben können, auch im Landkreis Augsburg.
Ein roter Kreis als Zeichen für Borreliose
Noch häufiger tritt eine Borreliose-Erkrankung durch Zecken auf. Eine Infektion kann mit Antibiotika behandelt werden. Das muss aber schnell geschehen. Daher sollte die Einstichstelle noch vier bis sechs Wochen täglich kontrolliert werden, empfiehlt das bayerische Gesundheitsministerium. Ein roter Kreis um die Bissstelle ist ein frühes Zeichen einer Infektion. Tritt die sogenannte Wanderröte auf, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden.
Auch mit Antibiotika kann Tularämie bzw. Hasenpest behandelt werden. Neben anderen Tieren sind auch Zecken Überträger dieses Bakteriums. Tularämie kann sich in Form von Grippesymptomen bis hin zu Geschwüren oder einer Lungenentzündung äußern.