In seinem ersten Jahr als Vorsitzender des Sportgerichts im Fußball-Kreis Augsburg konnte Andreas Seitz insgesamt eine positive Bilanz ziehen. Die Zahl der Fälle hat im Vergleich zum Vorjahr (588) insgesamt um acht Prozent auf 543 abgenommen. Bei der zahl der Berufungen (12) und der mündliche Verhandlungen (5) sei ebenfalls ein deutlicher Rückgang festzustellen. Aber: Die Zahl der Roten Karten hat sich von 256 auf 270 erhöht. Besonders deutlich war dabei die Steigerung bei Vergehen von Trainern von neun auf 16. „Die Herren sollten sich zurücknehmen“, forderte Seitz.
Was dem Sportrichter darüber hinaus zu denken gibt: Während zwei Drittel der Fälle fußballspezifischer Art waren, basierte ein Drittel auf Tätlichkeiten und Vergehen gegen Unparteiische. „Lasst die Schiedsrichter in Ruhe!“, lautete deshalb sein Appell. Zuwiderhandlungen werden mit langen Sperren bestraft. So wurde ein Spieler, der dem Schiedsrichter die Rote Karte aus der Hand geschlagen und ihn dabei verletzt hatte, für ein Jahr aus dem Verkehr gezogen. Einen weiteren Spielabbruch gab es, nachdem ein Spielertrainer den Unparteiischen beleidigt hatte.
Auch Kreisvorsitzender Thomas Küntzel, selbst Schiedsrichter, hat das Thema „Gewalt auf dem Fußballplatz“ und den Kampf dagegen in den Fokus der neuen Saison gestellt. Von 250.000 Sportgerichtsfällen in Bayern wurden 68 wegen Gewalt eröffnet, 20 davon richteten sich gegen Schiedsrichter. „Jeder einzelne Fall ist einer zu viel“, so Küntzel. „Was früher die Ausnahme war, ist heute schon die Regel. Es fängt mit Respektlosigkeiten an und endet mit Ausschreitungen an Silvester oder Übergriffen gegen Rettungskräfte“, zeigte er sich betroffen und redete seinen Vereinen ins Gewissen: „Ihr seid das entscheidende an der Sache. Ich erwarte von euch, dass ihr derartige Dinge wie Gewalt oder auch Rassismus ansprecht und dagegen vorgeht, wenn es wahrgenommen wird.“ Auch Zuschauer hätten durch die Entrichtung ihres Eintritts keinen Freibrief. „Das ist nicht tolerierbar! Wir müssen gemeinsam etwas dagegen unternehmen“, so Küntzel. „So etwas wie in Frankfurt, als ein Spieler nach Ausschreitungen gestorben ist, möchte ich im Kreis Augsburg nicht erleben.“
Thomas Küntzel konnte aber auch Positives berichten: Bei der Kampagne des Bayerischen Fußball-Verbandes „Fair ist mehr“ wurde Nils Bühler ausgezeichnet. Der Spieler des TSV Pfersee im Spiel gegen den FC Stätzling II eingesprungen, als die Schiedsrichter-Assistentin mit gesundheitlichen Problemen aufgeben musste und hat den Rest der Partie an der Seitenlinie verbracht. Beide Mannschaften haben daraufhin auf einen Auswechselspieler verzichtet.
Mit fünf neuen Mannschaften und einer englischen Woche startet die Fußball-Kreisliga Augsburg am Samstag, 13. August in die Saison 2023/24. Neben dem Bezirksliga-Absteiger Kissinger SC finden sich mit dem TSV Diedorf, TSV Welden, FC Kleinaitingen und TSV Merching gleich vier Aufsteiger ein. Aber auch darüber hinaus gibt es einige Neuerungen, die bei Vereinsvertretern und Funktionären allerdings teilweise nicht gut ankamen.
- Saisonstart mit englischer Woche Während der Rest der unterklassigen Mannschaften erst am 20. August in die neue Saison startet, geht es in der Kreisliga Augsburg schon am Samstag, 12. August, los. Das offizielle Eröffnungsspiel bestreiten am Freitag, 11. August, die SpVgg Lagerlechfeld und der FC Kleinaitingen. Grund dafür ist, dass es bereits am Dienstag, 15. August (Mariä Himmelfahrt), mit dem zweiten Spieltag weitergeht. „Heftig“, urteilten die Vereinsvertreter über den Auftakt mit einer englischen Woche. Verletzungen werden befürchtet.
- Termine Gespielt wird bis zum 26. November. Dann ist Winterpause bis zum 16./17. März 2024 (ab Kreisklassen abwärts 23./24. März). Der Ostersamstag ist in den Kreisklassen bis zur B-Klasse ein regulärer Spieltag, während in der Kreisliga am Ostermontag gespielt wird. Der letzte Spieltag ist am 1. Juni 2024. Ab 3. Juni finden die Relegationsspiele statt.
- Relegation Aufstieg Zwischen der Kreisliga und der Bezirksliga gibt es keine Relegation mehr. Die Vizemeister der Kreisligen spielen unter sich einen einen Platz in der Bezirksliga aus.
- Relegation Abstieg Die beiden letzten der Kreisliga (Platz 15 und 16) steigen direkt ab. Die beiden 14. der Tabelle ermitteln einen weiteren Absteiger. Der Sieger geht in die Relegation mit den Kreisklassen-Vizemeistern, ebenso die beiden Tabellen-13. „Es könnte also passieren, dass der Vierzehnte den Klassenerhalt schafft und der Dreizehnte runter muss“, ärgert sich auch Kreisspielleiter Günther Behr. Um den Klassenerhalt zu schaffen, müsste der 14. der Tabelle allerdings im äußersten Fall vier Spiele gewinnen. „Der Verbandsausschuss wollte das so haben. Unsere Meinung wurde unter den Tisch gekehrt“, sagte Behr, während die Vereinsvertreter den Kopf schüttelten.
- Toto-Pokal 103 Vereine haben gemeldet. Das sind fünf mehr als im vergangen Jahr. Die erste Runde mit 39 Paarungen steigt am 19. Juli. 25 Mannschaften haben ein Freilos.
- Hallenplanung „Ich mag die Halle nicht“, ließ Günther Behr wissen. Trotzdem wird gespielt. Die Endrunde der schwäbischen Meisterschaft ist für den 13. Januar 2024 terminiert, das Kreis-Finale wird am 6. Januar in Stadtbergen ausgetragen. Die Endrunde der Augsburger Landkreismeisterschaft findet am 29. Dezember 2023 in Neusäß statt und wir erstmals nicht mehr im K.O.-System sondern in Gruppenspielen ausgetragen. Die Vorrunden sind für 16./17. Dezember, 22./23. Dezember und 26./27. Dezember geplant, je nachdem, wie viele Mannschaften teilnehmen. „Bisher haben erst zwölf Vereine gemeldet“, ließ der für den Hallenbetrieb zuständige Spielleiter Torsten Zimmermann wissen. Meldungen können noch bis 2. November abgegeben werden.
- Spielerpässe sind Geschichte Der Spielerpass auf Papier ist ab 1. Juli Geschichte. Wenn Spielerfotos nicht in den elektronische System hochgeladen werden, drohen hohe Strafen (200 Euro). Markus Heider, zuständig für die Ligen von der Kreisklasse abwärts kündigte an, rigoros Anzeige zu erstatten, wenn kein Bild vorhanden ist. Der Grund: „Letztes Jahr haben einige auf verschiedene Pässe gespielt.“
- Schiedsrichter und technische Zone Kreisobmann Stefan Sommer informierte über Neuerungen wie zum Beispiel die technische Zone. „Innerhalb dieser Zone ist Alkohol und Rauchen verboten. Es dürfen sich auch keine Kinder darin aufhalten, sondern nur, wer auf dem Spielbericht steht.“ Der Ordnungsdienst – auch vom Gastverein – sollte sich deshalb vor Spielbeginn bei den Schiedsrichtern vorstellen. Für September kündigte Sommer einen Neulingskurs an.