Das Wasser kam schnell, zu schnell. Christa und Friedhelm Vozelj blieb keine Zeit. Zusammen mit anderen Bewohnern der betreuten Seniorenwohnanlage in Dinkelscherben mussten sie ihr Zuhause verlassen, wurden nachts um 2 Uhr evakuiert. Fast so schnell wie die Fluten kamen, waren sie auch wieder weg. Es blieben Verwüstung, Chaos und Verzweiflung. Der Alltag kommt auch zwei Jahre nach dem Hochwasser nur ganz langsam zurück.
Großes Aufräumen nach dem Hochwasser in Dinkelscherben
Odyssee nach dem Hochwasser für Ehepaar aus Dinkelscherben
Die Sanierungsarbeiten in der betreuten Seniorenwohnanlage sind mittlerweile abgeschlossen, dennoch kommen die Vozeljs nicht zur Ruhe. „Die neuen Mieter ziehen nach und nach ein, eigentlich wird ständig irgendwo gebohrt“, erklärt Friedhelm Vozelj. Er und seine Frau müssen sich an viele neue Gesichter gewöhnen, denn einige der früheren Nachbarn sind mittlerweile verstorben oder leben im Pflegeheim, wie sie erzählen. „Auch das Personal ist fast komplett neu, und gerade in diesem Bereich ist Vertrauen sehr wichtig. Das muss sich erst alles wieder entwickeln“, so Christa Vozelj. „Wir müssen uns erst wieder an unser Zuhause gewöhnen.“ Stück für Stück, Tag für Tag.
Insgesamt viermal mussten die Vozeljs umziehen, ehe sie im November, also rund anderthalb Jahre nach der Katastrophe, endlich wieder in ihre Wohnung in der Seniorenwohnanlage zurückkehrten. Für die beiden Rentner, die auch körperliche Probleme haben, ein Kraftakt. „Es war schlimm“, erzählt Christa Vozelj, die im Juli 80 Jahre alt wird. Ehemann Friedhelm (84) ist schwer behindert und mittlerweile fast blind. „Vor dem Hochwasser war ich noch einigermaßen fit. Danach ging es bergab.“
Zwar fand das Paar dank eines Freundes eine Wohnung in Dinkelscherben, doch diese wurde nie zur Heimat. „Wir haben Tag und Nacht nun daran gedacht, wann wir wieder zurückkönnen. Es waren unzählige schlaflose Nächte“, sagt Friedhelm Vozelj, der sich auch im Stich gelassen fühlt. „Niemand konnte uns helfen. Wir haben sehr viele Briefe an verschiedene Behörden geschrieben und oft keine Antworten bekommen. Die Ungewissheit war das Schlimmste.“
Seniorenwohnheim Dinkelscherben: Rückkehr anderthalb Jahre nach dem Hochwasser
Obwohl die Wohnung der Vozeljs im ersten Stock keine Schäden hatte, musste das Paar lange Warten, bis es endlich zurück in die eigenen vier Wände konnte. Grund dafür waren die Schäden am Gebäude in den unteren Stockwerken. Elektrische Leitungen, die Wasserversorgung und der Aufzug mussten erst wieder in Stand gesetzt werden. Weil laut der Eigentümergemeinschaft Öl in den Estrich gelangt war, wurde erst einmal alles trocken gelegt und zurückgebaut. Heizungen und Versorgungsrohre, alles musste raus, die Heizungsanlage komplett erneuert werden.
„Wir hatten den Glauben schon fast aufgegeben und waren zunächst sehr erleichtert, als wir endlich zurückkonnten“, so Friedhelm Vozelj. An Weihnachten folgte der erste Rückschlag. „Wir wollten wie jedes Jahr den Baum mit unserem Schmuck dekorieren und unsere Krippe aufstellen. Dann haben wir festgestellt, dass diese Dinge nicht mehr da sind“, erinnert sich Christa Vozelj. Die Weihnachtsdekoration war zusammen mit Fotos und Schallplatten im Keller untergebracht. Das Hochwasser löschte die Erinnerungen aus.
Mittlerweile sind Keller sowie Erdgeschoss saniert, dennoch befinden sich im Abteil der Vozeljs lediglich ein paar Getränkekisten. „Zuvor war unser Keller randvoll. Ich will nicht auch noch meine letzten Fotos verlieren“, so der Hobbyfotograf. Aktuell kämpft sich das Dinkelscherber Paar zurück in den Alltag. Erschwerend kommt hinzu, dass die Versicherung noch nichts bezahlt hat und die Vozeljs auf ihren Mietkosten von rund 20.000 Euro sitzen. Eine Anwältin ist eingeschaltet, aber solange das Verfahren läuft, können die Dinkelscherber nicht damit abschließen, erklärt Christa Vozelj. „Die Gedanken an das Hochwasser gehen nicht mehr weg, wohl nie wieder.“
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Auch der Blick in die Zukunft ist von Zweifeln eingeschränkt. Zwei Jahre möchte Friedhelm Vozelj, der kaum das Haus verlassen kann, noch durchhalten. „Dann haben wir 60. Hochzeitstag. Den möchte ich unbedingt noch erleben.“ Ein Hochwasser wie vor zwei Jahren möchte er in jedem Fall nicht mehr erleben müssen. „Die Angst ist immer da. Das kann man einfach nicht vergessen.“ Auch seine Frau sieht das so. Sie hofft, dass das Rückhaltebecken in Siefenwang die Marktgemeinde künftig vor einer ähnlichen Katastrophe schützen wird. „Noch so ein Hochwasser würde ich nicht mehr schaffen.“
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