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Anajo: Von wegen Mädchenmusik

Anajo

Von wegen Mädchenmusik

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    Konzert von Anajo im Ostwerk Augsburg.
    Konzert von Anajo im Ostwerk Augsburg. Foto: Michael Hochgemuth

    „Mädchenmusik!“ schallt es aus Hunderten Kehlen im Ostwerk. „Stammpublikum!“ tönt es gleich darauf. Doch die Besucher beim Konzert von Anajo spalten sich nicht etwa in zwei Lager: „Mädchenmusik“ ist die Vorab-Single aus dem neuen Anajo-Album „Drei“. Live gespielt im Ostwerk enthüllen die Songs neue Facetten der Augsburger Popband. Und das Stammpublikum ist natürlich dabei.

    Die wichtigste Veränderung zeigt sich gleich zu Beginn: Anajo sind eigentlich gar kein Trio mehr, zumindest nicht für die Zeit der Tour. Mit Albrecht Schrader an Keyboard und Harmonium hat es der erste Nicht-Augsburger in die Anajo-Familie geschafft. Seinen Einstand in der Fuggerstadt gibt er auf der Melodica und bereichert damit „Villa am Strand“. Auch sonst tut die erweiterte Besetzung den Stücken gut. „So wie du nicht bist“ etwa erhält durch quiekende Keyboard-Sounds den artifiziellen Charakter, den der Text nahelegt. Auch bei „Monika Tanzband“ pfeifen und pluckern die Synthies: Der große Anajo-Hit wird zu einem Experimentierfeld elektronischer Möglichkeiten.

    Doch Anajo wagen mit dem aktuellen Album noch mehr neue Schritte. Die Songs sind kantiger und rauer, in der Musik wie in den Texten. Die besagte „Villa am Strand“ wird zum „Schlösschen aus Sand“, aber mit Rissen in der Fassade. Kaum noch zuckersüße Hintergrundchöre, dafür Gitarre und zackiges Schlagzeug. Beim Live-Auftritt ist weniger mehr – in zweierlei Hinsicht: Zum Song „Blaue Stunde“ wabert allein das Harmonium, „Stadt der Frisuren“ avanciert, deutlich schneller und abgespeckter als auf Platte, zum treibenden Kracher. Die Texte sprudeln immer noch scheinbar spontan aus Sänger Oliver Gottwald hervor und sind dabei doch ausgeklügelter und verfremdeter als früher. In fließenden Melodien singt er von der vermeintlichen Überwindung des Punk und Rock’n’Roll.

    Doch bei aller Veränderung, die Konstanten im Anajo-Kosmos gibt es immer noch. Oliver Gottwald zieht wie eh und je mit jungenhafter Stimme die Vokale in die Länge („Spätsommersonne“), den textlich präsenten Maler Bob Ross bejubeln die Fans wie ein weiteres Bandmitglied, und eine kleine Überraschung für den ausverkauften Club haben sich die Lokalhelden natürlich auch überlegt: Nur vom Keyboard begleitet verpackt Bassist Michael Schmidt die Wörter „Augsburg“ und „Ostwerk“ in eine kunstvoll improvisierte, musikalische Miniatur. Das ist mehr als bloß Mädchenmusik.

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