Vor drei Wochen startete wieder einmal ein Stück Augsburg in den Weltraum: Ende April wurde zum 57. Mal eine Ariane-5-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou (Französisch Guayana) aus ins All geschossen. Was wenige wissen: Zehn Prozent dieses Raketentyps, der seit 1997 im Einsatz ist, kommen von MT Aerospace aus der Wolfzahnau in Augsburg. Dabei gab es zuletzt Diskussionen um die Rakete: Weil Arianespace als Betreiber Verluste macht, beschloss die europäische Weltraumagentur Esa vor mehreren Wochen eine 240-Millionen-Euro-Finanzspritze.
Für MT Aerospace sei diese Entscheidung eine wichtige Weichenstellung gewesen, sagt Pressesprecher Helmut Edler. Denn das Unternehmen, das in Augsburg etwa 600 Beschäftigte hat, macht 70 Prozent des Umsatzes (130 Millionen Euro) mit der Ariane 5. Bis 2025 soll die Rakete noch Satelliten ins All tragen, muss aber wirtschaftlicher werden. Finanziert wird das Programm indirekt mit Steuergeldern europäischer Staaten – wobei zumindest Augsburg als MT-Aerospace-Stammsitz davon profitiert.
Vor 35 Jahren lieferte MAN Technologie, das 2005 von MT Aerospace übernommen wurde, das erste Bauteil für die Ariane 1. Seitdem wuchs der Augsburger Anteil am Programm. Mit dem Tieflader werden die Bauteile aus dem Augsburger Werk am Lechufer im Norden der Stadt 16 Monate vor dem Start ausgeliefert. Es folgen Zwischenstationen in Europa. In Italien wird etwa ein Teil des Treibstoffs für die Feststoff-Booster eingefüllt. Dann treten die Komponenten ihre Reise an die südamerikanische Atlantikküste, nach Kourou, an. Im Augsburger Werk ist ein Jahr für die Herstellung eines Teilesatzes eingeplant. Für bis zu acht Starts pro Jahr kann MT Aerospace die Teile liefern. Der Aufwand ist enorm – und im Ergebnis nur von kurzer Dauer. Die Feststoffraketen an der Außenseite der Rakete brennen nach 130 Sekunden in 60 Kilometern Höhe aus – dann stürzen sie ins Meer. Die Booster werden übrigens gesprengt, sobald sie im Wasser liegen. Sie sollen nicht im Meer treiben und den Schiffsverkehr gefährden.
Der technische Aufwand, der betrieben wird, ist enorm. Schweißnähte werden geröntgt, für jede ausgelieferte Komponente wird eine eigene Akte angelegt, teils wird jeder verbaute Metallstift dokumentiert. Als Ende März ein Start in letzter Sekunde abgebrochen wurde, weil der Bordcomputer Probleme bei der Steuerung feststellte, wollte Arianespace umgehend auch die Akte für die eingebaute Kardan-Aufhängung der Düse aus Augsburg sehen – ohne dass es Mängel gab. Mittlerweile wurde dieser Start erfolgreich nachgeholt. Der nächste Start ist für den kommenden Donnerstag geplant.