Augsburg Eine Serie von rund 100 Einbrüchen verunsicherte im Winter die Menschen im Raum Augsburg. Seit heute steht nun der Mann vor Gericht, der nach Ansicht der Ermittler einen Großteil der Taten begangen hat. Pal B., 54, muss am Donnerstag auf der Anklagebank des Landgerichts Augsburg Platz nehmen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Einbruch und versuchten Einbruch in 93 Fällen vor. Die Anklageschrift umfasst 20 Seiten. B. soll Beute im Wert von rund 200 000 Euro gemacht haben, glauben die Ermittler.
Am Morgen wurde am Landgericht nur die Anklage verlesen - fast eine ganze Stunde lang. Dann wurde hinter verschlossenen Türen über einen Deal verhandelt, allerdings ohne Erfolg. In zwei Wochen soll das Verfahren fortgesetzt werden. Dem Angeklagten droht eine lange Haft. Die Staatsanwaltschaft denkt offenbar sogar an eine Strafe von mehr als zehn Jahren.
Die Polizisten wurden misstrauisch
Pal B. wurde im Februar geschnappt, als ihn Polizisten kontrollierten und misstrauisch wurden. Er soll seit Oktober 2010 vor allem in Reihen- und Einfamilienhäuser eingestiegen sein. Dazu nutzte er die frühe Dämmerung, vor allem in den Abendstunden schlug er zu. Davor speiste er offenbar gerne gemütlich in Restaurants in der Innenstadt. Abgesehen hatte er es laut Anklage vor allem auf Schmuck, Wertsachen und Geld. Einen Teil der Beute entdeckten Kripobeamte, als sie im April die Wohnung und die Kanzlei eines Rechtsanwalts durchsuchten. Der Anwalt hatte für B. mehrere Koffer aufbewahrt. Auch der Anwalt und zwei weitere Helfer des Serieneinbrechers sitzen in Haft.
Spannend wird die Frage, wie viele Taten dem gewieften Einbrecher vor Gericht nachgewiesen werden können. B. ging, wie es heißt, sehr geschickt vor und hinterließ nur wenige Spuren. In einigen Fällen fand die Kripo offenbar Fußabdrücke, die man dem Angeklagten zuordnen konnte. Die Polizei hatte wochenlang mit großem Aufwand versucht, die Serie zu stoppen, ehe ihr B. dann ins Netz ging. Die Ermittler waren zunächst der Ansicht, dass eine ganze Bande hinter der großen Serie stecken müsse. Doch Pal B. blieb der einzige Verdächtige.
Gegen die drei anderen Männer, die dem Serieneinbrecher nicht bei den Einbrüchen, sondern vor allem beim Verstecken der Beute geholfen haben sollen, wurde ebenfalls Anklage erhoben. Den dreien, darunter auch der Rechtsanwalt, soll demnächst vor dem Amtsgericht der Prozess gemacht werden. Jörg Heinzle