Mit hohen Gefängnisstrafen hat die Jugendkammer des Landgerichts gestern einen Raubüberfall auf ein altes Ehepaar in seinem Haus im Stadtteil Spickel geahndet. Es sei ein Verbrechen gewesen, das in Augsburg für Aufsehen gesorgt, auf das viele Menschen betroffen und empört reagiert hätten, betonte Vorsitzende Richter Lenart Hösch, als er das Urteil verkündete.
Die vier Angeklagten, zu Haftstrafen zwischen vier und fast acht Jahren verurteilt, hätten gerade ältere Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Ein zwei Monate zuvor verübter Raubüberfall auf einen 88 Jahre alten alleinlebenden Rentner im Stadtteil Herrenbach war den ursprünglich sechs Angeklagten nicht nachzuweisen. Den Raubüberfall vom Januar dieses Jahres auf das Ehepaar im Spickel gestanden die Angeklagten dagegen im Prozess.
Rückblick: Gegen drei Uhr nachts dringen drei Männer ins Haus ein, indem sie die Kellertür aufbrechen. Die Täter, 20 oder 21 Jahre alt, bekamen zuvor aus Ganovenkreisen einen Tipp, wonach es dort einen Tresor gebe, in dem viel Geld sei. Weil sie den Schlüssel nicht finden können, reißen sie die 88 und 92 Jahre alten Eheleute aus dem Schlaf. In gebrochenem Deutsch fordern die maskierten Täter vom Ehepaar Geld, einer von ihnen hat aus dem Keller eine Axt ins Schlafzimmer mitgenommen.
Doch die verstörten alten Leute bringen kaum ein Wort heraus. Den Räubern gelingt es jedoch, den Tresor aus der Verankerung zu reißen. Die Räuber verschwinden nach zwei Stunden. Den Tresor brechen sie in einem Keller in München auf und verteilen die Beute, Geld und Schmuck im Wert von rund 76000 Euro.
Für das Gericht war aufgrund widersprüchlicher Aussagen der Opfer wie der Angeklagten nicht mehr zu klären, ob die Täter den alten Leuten auch aktiv mit der Axt gedroht hatten, wenn sie nicht preisgeben, wo der Tresorschlüssel ist. Die Freiheitsstrafen wären sonst, wie von den Staatsanwälten Ivo Holzinger und Christina Dumler gefordert, deutlich höher ausgefallen. So hatte die Polizei erst Tage später von dem das Beil erfahren. Eine Bekannte des Ehepaares hatte es im Schlafzimmer unter einem Sofa entdeckt.
Mit auf der Anklagebank saß auch ein 35-Jähriger, der den Räubern den Tipp gegeben hatte. Der Mann ist mehrfach vorbestraft. Allein in diesem Jahr stand er in Augsburg zweimal vor Gericht. Er hatte gestohlenen Schrott, darunter auch von Friedhöfen geklaute Grabvasen, an Recyclingunternehmen verkauft.
Abgehörte Telefongespräche führten zu den Tätern
Die Polizei war den Tätern auf die Spur gekommen, als es die Telefongespräche eines Mannes überwachte. Bei seiner Verhaftung gab der 21-Jährige seine Mittäter preis. Seit er im Gefängnis sitze, sagte der Angeklagte, lebe er in ständiger Angst, vor Mitgefangenen. „Ich werde als Zinker beschimpft, bedroht und geschlagen“, sagte der junge Mann aus, der nach eigenen Worten im Gefängnis Kraftsport trainiert, um sich zu schützen.
Den Prozess hatten viele Angehörige der Angeklagten, die verfeindeten Sinti- und Roma-Familien angehören, verfolgt. Den Angeklagten warf das Gericht vor, mit ihren Taten in der Gesellschaft herrschende Vorurteile gegen ihre Bevölkerungsgruppe bestärkt zu haben.