Die Chancen der Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz sind in diesem Jahr hervorragend. Sagen die Experten. Und sie liefern eindeutige Belege dafür. Bei der Agentur für Arbeit in Augsburg ist zur Halbzeit des Bewerberjahrs das Verhältnis der freien Stellen zu den gemeldeten Ausbildungssuchenden so gut wie seit Jahren nicht mehr. „Wir haben einen Wandel vom Ausbilder- zum Bewerbermarkt“, sagt Reinhold Demel, der Chef der Arbeitsagentur in Augsburg.
Auch Handwerkskammer (hwk) und IHK beurteilen die Chancen für den Nachwuchs der Region in diesem Jahr gut. Das Ausbildungsangebot wird die Nachfrage übersteigen, so die Einschätzung der IHK. Besonders auffällig: Die Unternehmer bringen die Ausbildungsverträge früher als in den Vorjahren unter Dach und Fach.
Die Handwerkskammer registrierte bis einschließlich März 13 Prozent mehr Ausbildungsverträge als im Vorjahr, bei der IHK sind es zehn Prozent mehr. Eine Tendenz, wie viele Ausbildungsverhältnisse es am Ende sein werden, wollen die Kammern daraus nicht ableiten. Sie sehen die frühen Vertragsabschlüsse aber als Indiz dafür, dass sich die Unternehmen verstärkt und mit Nachdruck um ihren Nachwuchs bemühen. „Die Handwerksunternehmen beschäftigen sich sehr bewusst mit dem Thema Fachkräftesicherung und haben die Problematik des demografischen Wandels erkannt“, sagt Monika Treutler-Walle von der Handwerkskammer.
Doch nicht alle Betriebe haben Erfolg mit diesen Bemühungen. So wie die Schleiferei Grabmeier aus Augsburg. Zwei Ausbildungsplätze zum Schneidewerkzeugmechaniker bietet das Unternehmen an. Gute Bewerber seien Mangelware, klagt Mitgesellschafterin Brunhilde Grabmeier. „Wir sind ein bisschen frustriert.“ Gerade einmal fünf Kandidaten hätten sich bisher beworben, drei davon schieden allein schon aufgrund ihrer schlechten Schulnoten aus. Denn die Ausbildung sei anspruchsvoll, sagt die Chefin. Ein Realschulabschluss wäre ideal. Doch die Absolventen bewerben sich gar nicht erst, klagt Grabmeier. „Die IHK hat eine Onlineumfrage unter ihren Mitgliedsunternehmen gestartet. Als entscheidendes Hemmnis für eine Ausbildung nannten 80 Prozent der Betriebe eine nicht hinreichende Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger. Deswegen investieren die Betriebe selbst in den Nachwuchs: Ein Fünftel bietet Interessenten die Chance einer Berufsvorbereitung oder Einstiegsqualifizierung. Nahezu zwei Drittel bauen ihr Nachhilfeangebot während der Ausbildung aus. Dazu gehört auch der Handwerksbetrieb der Grabmeiers. Tagtäglich bekomme einer der Lehrlinge Nachhilfe, damit er die Gesellenprüfung im Mai im zweiten Anlauf schafft.