Mit dem Schwerpunkt „Brecht und die Politik“ widmet sich das Brecht-Festival heuer einem komplexen Thema. Es ist – vorerst – der Abschluss einer Trilogie, die Festivalleiter Joachim Lang ersonnen hat. Für ihn ist die Reihe, die sich zuvor um die Themen Film und Musik gedreht hatte, damit abgeschlossen.
Wird sein Vertrag verlängert, will sich der Brechtkenner Augsburgs berühmtem Sohn auf neue Weise nähern: „Jetzt muss man ins Zentrum seines Werks. Und das ist Theater.“ Brecht sei schließlich der große Theater-Erneuerer des 20. Jahrhunderts. Lang spricht damit ein Thema an, das auch Kulturreferent Peter Grab und die Mitglieder des Kulturausschusses umtreibt. Das Theater hatte heuer am Vorabend des Brecht-Geburtstags ursprünglich die Premiere von Schillers Räubern vorgesehen. Dieser Termin ist zwar auf den 11. Februar verschoben. Platz für das Festival ist im Großen Haus trotzdem keiner; Lang musste ins Rathaus. Eine Notlösung, auch wenn sie zum diesjährigen Festival-Schwerpunkt passt.
Das Theater soll zum zentralen Festivalort werden
Was 2012 betrifft, verteidigt Grab die Haltung des Theaters: „Aufgrund des Mangels an Spielstätten muss die Intendanz sehen, wie sie seine Premieren unterbringt.“ Wenn sich die Situation mit der Eröffnung des „Containers“ im Mai entspanne, müsse jedoch neu verhandelt werden. Das Theater soll in Zukunft zum zentralen Festivalort werden. Die Gespräche mit Intendantin Juliane Votteler laufen laut Grab und Lang „konstruktiv“.
Lang wünscht sich für die Zukunft die jährliche Neuproduktion eines Brecht’schen Stücks: „Es müsste eine Neuinszenierung sein, auf die die Kulturszene überregional, vielleicht deutschlandweit gespannt ist. Das ist ein hoher Anspruch, aber den habe ich, das wäre mein Traum, meine Vision.“ Zusätzlich will er Gastspiele holen: „Man schaut sich das Beste an, was es auf der Welt gibt. Und dann versucht man, es zu finanzieren.“
Obwohl die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung erst am Anfang stehen, hat Lang sich Gedanken über die Zukunft Brechts in Augsburg gemacht: Er denkt an jährliche Konzerte, etwa mit Franz Wittenbrink.
Sollen die Ideen bereits 2013 realisiert werden, müsste jetzt mit den Planungen begonnen werden. Das weiß auch Grab. Im Kulturausschuss will er sich deshalb heute das Einverständnis für eine Weiterentwicklung des Festivals bis 2017 holen. Grab hält ein jährliches Motto nicht mehr für notwendig. „Vielmehr soll auf der bisherigen Basis ein jährliches Festivalformat gefunden werden, das auch überregional wahrgenommen wird“, heißt es in der Vorlage, über die nicht öffentlich abgestimmt werden soll. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Wort „jährlich“. Denn auch das Brechtfestival steht ja eigentlich im Rahmen des Grab’schen Biennale-Konzepts in der Diskussion.
Die Pop- und Jugendkultur soll hinsichtlich Brecht wieder eine Rolle spielen; getreu Langs bisheriger Vorgehensweise sollen auch regionale Akteure eingebunden werden. Grab erwähnt in diesem Zusammenhang den städtischen Brechtforscher Jürgen Hillesheim. Zudem soll das Brechthaus saniert und besser ins Festival integriert werden.
Auch Lang ist es daran gelegen, Brecht nicht nur jedes Jahr für zwei Wochen aufleben zu lassen. „Das Festival muss darüber hinaus wirken, also über das ganze Jahr.“ Inwieweit das Brechtfestival bereits jetzt überregional für Aufsehen sorgt, darüber sind sich Experten und Politiker bislang uneins.
Kulturreferent Grab jedoch ist überzeugt, dass auf der jetzigen Basis aufgebaut werden könne: Langs Leistungen seien unbestritten. Jetzt gelte es, die „historische Chance“ wahrzunehmen, Brechts Werk in Augsburg verstärkt lebendig werden zu lassen. Grabs Pläne sind immens: „Es gilt, gerade auch überregional und international Zeichen zu setzen.“ Ob der Kulturausschuss diese Meinung teilt, wird sich heute zeigen...
Das Brecht-Festival 2012 wird am Donnerstag, 12. Februar, im Goldenen Saal eröffnet.