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Augsburg: Patrizia siegt im Milliardenpoker

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Patrizia siegt im Milliardenpoker

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    Nach dem Milliardenkauf der LBBW-Wohnungen kritisiert der Deutsche Mieterbund die Augsburger Patrizia Immobilien AG
    Nach dem Milliardenkauf der LBBW-Wohnungen kritisiert der Deutsche Mieterbund die Augsburger Patrizia Immobilien AG Foto: Franziska Kraufmann, dpa

    Es ist das größte Immobiliengeschäft in Deutschland seit Jahren – und ein Augsburger Unternehmen spielt dabei die Schlüsselrolle: Die Patrizia AG wird mit einem Bieterverbund 21.500 Wohnungen aus dem Bestand der baden-württembergischen Landesbank LBBW kaufen. Es geht dabei um einen Milliardenbetrag und um ein Geschäft mit besonderer Brisanz.

    Welche Dimension der Kauf für die Patrizia AG hat, zeigt ein Blick auf die bisherigen Unternehmenszahlen. 2010 hatte der Umsatz der Immobilienfirma bei 340 Millionen Euro gelegen, das verwaltete Vermögen hatte einen Gesamtwert von fünf Milliarden Euro. Nun kommt mit einem Schlag ein Wohnungsbestand im Wert von 1,435 Milliarden Euro dazu. „Das ist ein großer Schritt für uns“, sagt Pressesprecher Andreas Menke.

    In der Firmenzentrale in der Fuggerstraße standen gestern die Telefone nicht still. Das Interesse an dem Immobilienunternehmen war über Nacht deutschlandweit gestiegen. Der Kauf habe ein „enormes Echo“ ausgelöst, so Menke. Auch in Stuttgart, dem Sitz der LBBW, herrschte am Tag nach Bekanntgabe des Verkaufs große Hektik. Mittendrin: die Patrizia-Verantwortlichen. Am Vormittag gaben sie in einem Hotel eine Pressekonferenz. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich Kritiker wie der Mieterbund bereits zu Wort gemeldet. Die im Milliardenpoker unterlegene Bietergemeinschaft um die Stadt Stuttgart sprach von einer Fehlentscheidung. Patrizia – eine Heuschrecke, nicht mehr als ein Finanzinvestor? Chef Wolfgang Egger wehrte sich vehement gegen die Vorwürfe.

    Als knapp 20-Jähriger das Unternehmen gegründet

    Der 47-Jährige hat Patrizia in den vergangenen knapp 28 Jahren zu einem milliardenschweren Konzern aufgebaut. Der gelernte Zahntechniker hatte das Unternehmen 1984 gegründet, da war er keine 20 Jahre alt. Ein privater Immobilienverkauf hatte ihn auf die Geschäftsidee gebracht. Mit Freunden hatte Egger ein Haus gebaut und wieder veräußert – mit sattem Gewinn. Genau das wollte er künftig im großen Stil machen. Seine neue Firma nannte er Patrizia. Der Name soll an die Tradition der Augsburger Kaufleute, an die Patrizier, erinnern. Das Unternehmen – damals noch eine GmbH – kaufte in vielen deutschen Städten Bestandsobjekte, baute neue Gebäude und suchte hinterher nach Eigentümern. So hat Patrizia zum Beispiel alle 769 Wohnungen der Olympia-Pressestadt in München gekauft und privatisiert.

    2006 folgte der nächste Schritt. Patrizia ging an die Börse. Der Aktienverkauf füllte die Kassen des Unternehmens, Egger investierte kräftig. Doch der Zeitpunkt war denkbar schlecht. Die Immobilienkrise schwappte gerade aus den USA nach Europa. Investoren sprangen ab und der Börsenkurs rauschte in den Keller. Egger verlor Millionen. Hinzu kamen Negativschlagzeilen: Wegen des starken Wachstums – die Mitarbeiterzahl hatte sich in dieser Phase verdoppelt – lief nicht alles reibungslos, Kunden und Mieter waren unzufrieden.

    Die Patrizia und ihre Konsorten

    Ein Konsortium vor allem aus Versicherungen, Fonds und Pensionskassen hat den Zuschlag für die 21 000 Wohnungen der LBBW erhalten.

    Geführt werden die Konsorten von der Augsburger Patrizia Immobilien AG.

    Angaben zu den Konsorten und ihren Anteilen:

    Mit dabei sind fünf deutsche Versicherungen. Sie tragen etwa 40 Prozent des Eigenkapitals.

    Die LVM Versicherung (Münster) gehört dazu.

    Zwei ausländische Pensionsfonds tragen zusammen etwa 30 Prozent.

    Zu ihnen zählen der Staatspensionsfonds Schwedens AP3 mit gut 25 Prozent und ein schweizerischer Pensionsfonds.

    Außerdem dabei: drei deutsche Versorgungswerke beziehungsweise Pensionskassen. Sie schultern rund 25 Prozent.

    Eine Sparkasse aus Baden-Württemberg, sie trägt etwa 3 Prozent.

    Und schließlich die Patrizia Immobilien AG selbst, mit etwa 2 Prozent.

    Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen bereits ein weiteres Geschäftsfeld für sich entdeckt: die Verwaltung von Immobilienfonds. Patrizia investiert seitdem nicht mehr nur eigenes Geld, sondern auch das von Investoren wie Versicherungen oder Banken. Anfang 2011 hatte Patrizia zu diesem Zweck den Fondsanbieter der HSH Nordbank aufgekauft. Auch im Fall der LBBW-Wohnungen stehen zahlungskräftige Bieter hinter Patrizia.

    Beim Wohnungsverkauf geht es inzwischen aufwärts. Nach verlustreichen Jahren schrieb Patrizia 2010 erstmals wieder schwarze Zahlen. An den sechs Standorten beschäftigt das Unternehmen rund 500 Mitarbeiter, davon etwa 350 in Augsburg. Firmensitz ist seit 2010 ein repräsentatives Bürogebäude mit wellenförmiger Glasfassade gegenüber dem Theater. 15 Millionen Euro hat sich Patrizia das Objekt kosten lassen. In der Stadt realisierte das Unternehmen in der Vergangenheit in zahlreiche Wohnbauprojekte. Zuletzt wurde die Anlage „Am Schwalbeneck“ gebaut. Derzeit entstehen gegenüber der City-Galerie an der Provinostraße 218 Wohneinheiten.

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