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Augsburg: Polizei zählt immer mehr Mobbing-Opfer im Netz

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Polizei zählt immer mehr Mobbing-Opfer im Netz

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    Cyber-Mobbing ist unter Jugendlichen weit verbreitet. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)
    Cyber-Mobbing ist unter Jugendlichen weit verbreitet. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)

    Er ist sauer, weil die Beziehung zu seiner Freundin zerbricht. Deshalb stellt ein 18-jährige Lehrling aus Augsburg ein Video seiner vier Jahre jüngeren Ex-Freundin ins Internet. Für jedermann zugänglich, auf einer Seite, die sich auf Pornofilme spezialisiert hat. Das Video zeigt, wie sich das Mädchen befriedigt. Rasch macht die intime Szene im Bekanntenkreis die Runde.

    Die 14-Jährige gehört zu einer steigenden Zahl von Opfern, die zur Zielscheibe von Mobbing im Internet werden. Klaus Kratzer arbeitet als Jugendbeamter bei der Augsburger Kripo. Er kennt viele ähnliche Fälle. Wenn Nacktfotos oder Sexfilme im Internet landen, dann seien häufig Mädchen oder junge Frauen die Opfer. Für die Betroffenen ist es schlimm: „Sie werden bloßgestellt und schämen sich“, sagt Kratzer. Es gibt Fälle, in denen die Opfer nur noch den Suizid als Ausweg sehen.

    Im Fall der 14-Jährigen ist es eine Mischung aus Technikbegeisterung und Naivität, die Kratzer häufig bemerkt. „Die Jugendliche sind echte Fachleute am Computer, aber sie sind sich nicht der Folgen bewusst, die ihr Handeln haben kann.“ Die 14-Jährige zog sich auf ihrem eigenen Bett vor einer Kamera aus, der Film wurde live zu ihrem Freund übertragen – und der schnitt die Szene ohne ihr Wissen mit. Er speicherte sie und lud sie schließlich auf eine Schmuddelseite, die weltweit abgerufen werden kann. Außerdem kursierte das Video offenbar auf den Handys einiger Bekannter.

    Technischer Fortschritt heizt das Mobbing an

    „Jugendliche haben häufig ein sehr großes Vertrauen“, sagt Kratzer. Dazu kommt: Vor dem Computer trauen sie sich meist mehr, als im realen Leben. Sie bemerken das große Publikum zunächst nicht, das in der virtuellen Welt mitliest und mitschaut. „Es ist eben leichter, sich vor einer Kamera auszuziehen als vor einer großen Menschenmenge“, bringt es Kratzer auf den Punkt. Ob die sexuellen Hemmschwellen bei Jugendlichen in den vergangenen Jahren drastisch gesunken sind, will der Fachmann nicht beurteilen.

    Natürlich spiele es eine Rolle, was im Fernsehen und im Internet zu sehen sei – von Castingshows bis zur Pornografie. Kratzer glaubt aber, dass vor allem der technische Fortschritt die Situation angeheizt hat. „Auch früher kursierten mal Nacktbilder im Klassenzimmer und natürlich wurde auch gemobbt“, sagt Kratzer. Aber es blieb in einem kleineren Kreis und war irgendwann wieder vorbei. Heute könne jedermann im Internet mitmachen und das Mobbing hört nicht in der letzten Schulstunde auf.

    Kratzer rät, im Zweifel die Polizei um Hilfe zu bitten. Schämen müsse sich niemand. Die Kripo arbeitet auch daran, an den Schulen in der Region Jugendliche auszubilden, die als Ansprechpartner fungieren sollen. Oft reicht ein deutliches Wort eines Mitschülers, damit das Mobbing aufhört. Manchmal wird es aber auch kriminell. Der 18-jährige Azubi sollte sich gestern vor dem Amtsgericht verantworten. Doch er erschien gar nicht. Richter Hartmut Wätzel lässt ihn jetzt per Haftbefehl suchen. Ähnlich erging es kürzlich zwei Jugendlichen, die ein 13-jähriges Mädchen beim Oralsex mit der Handykamera gefilmt und das Video ins Internet gestellt hatten. Sie wurden verurteilt.

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