Der Mord an dem Polizisten Mathias Vieth (41) ist für die Augsburger Kripo einer der schwierigsten Fälle der vergangenen Jahre. Doch der Fall ist nicht aussichtslos. Weil die Täter den Mord nicht geplant haben, hinterließen sie am Tatort viele Spuren. Nun steht fest, dass die Ermittler auch genetische Fingerabdrücke sichern konnten. Die Qualität des Erbguts reicht aus, um es Personen eindeutig zuordnen zu können. Das heißt aber nicht, dass es jetzt einen schnellen Ermittlungserfolg gibt. Denn die Fahnder der Soko „Spickel“ wissen nach wie vor nicht, wer die Täter sind.
Beim DNA-Material ist es dasselbe Dilemma wie beim klassischen Fingerabdruck: Er kann ein wichtiger Beweis sein. Aber solange man nicht weiß, von wem der Abdruck stammt, bleibt der Täter unerkannt. Bundesweit sind fast eine Million DNA-Spuren registriert. In der Datei des Bundeskriminalamts finden sich derzeit fast 740000 genetische Fingerabdrücke von Straftätern. Dazu kommen etwa 200000 DNA-Spuren, die von Tatorten stammen, aber bisher noch niemandem zugeordnet werden konnten.
Das DNA-Material der mutmaßlichen Polizistenmörder wurde von der Soko bereits mit der bundesweiten Kartei abgeglichen – jedoch ohne einen Treffer. Auf welchen Gegenständen das Erbgut gefunden wurde, drang bislang nicht nach außen. Bekannt ist, dass die Täter bei der Flucht vor der Polizei unter anderem ihr Motorrad zurückließen. Es ist ein möglicher Spurenträger. Auch eine Pistole – womöglich aber nicht die Tatwaffe – wurde gefunden. Für die Ermittler geht es auch darum, das Genmaterial zweifelsfrei den Tätern zuzuordnen. Es könnte sein, dass es von Unbeteiligten stammt, die einen der Gegenstände vor der Tat angefasst haben.
Am Wochenende befasste sich die Soko „Spickel“ auch noch einmal mit möglichen Fluchtwegen der Täter. Auf einem Parkplatz am Kuhsee waren die dunkel gekleideten Männer der Polizeistreife aufgefallen. Sie rasten mit dem Motorrad über den Hochablass und stürzten auf einem Weg im Siebentischwald. Nach der Schießerei, bei der Mathias Vieth starb, flüchteten die Täter im Schutz der Nacht. Möglicherweise rannten sie aber nicht tiefer in den Wald, sondern querten erneut den Lech – zurück nach Hochzoll.
Um wieder auf die Ostseite des Lechs zu gelangen, gibt es mehrere Varianten. Die Täter hätten die Brücke der Friedberger Straße nutzen können. Dort wäre das Risiko, erwischt zu werden, jedoch sehr hoch. Eine zweite Möglichkeit ist die Eisenbahnbrücke. Dort suchte die Polizei am Wochenende noch einmal alles gründlich ab. Die Beamten fanden verschiedene Gegenstände – aber nichts, was auf den ersten Blick auf die Täter hindeutet. Möglich ist auch, dass die Täter den Lech durchquerten. Das würde erklären, weshalb auch der Einsatz von Spürhunden bei der Großfahndung vor zehn Tagen erfolglos blieb. Spätestens am Wasser verliert sich eine Duftspur.
Soko-Chef appelliert an Zeugen
Soko-Leiter Klaus Bayerl appelliert deshalb noch einmal an mögliche Zeugen. „Wem nach drei Uhr nachts Personen mit nasser Kleidung aufgefallen sind, soll sich unbedingt bei uns melden“, sagt er. Auch zurückgelassene Kleidungsstücke oder eine Pfütze in einem Hauseingang wären für die Ermittler wichtige Hinweise.
Nach wie vor geht die Soko davon aus, dass die Täter Schwerkriminelle sind, möglicherweise mit osteuropäischem Hintergrund. Ermittlungsverfahren haben in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass im Milieu der „Russenmafia“ enge Verbindungen zwischen Augsburg und Ingolstadt existieren. In Ingolstadt wurde vor einigen Wochen das Motorrad gestohlen, mit dem die Täter unterwegs waren.
Gut möglich, dass die Polizei nun auch auf Hinweise aus genau diesem Milieu hofft. Am Wochenende wurde eine Telefonnummer freigeschaltet, unter der Hinweise anonym gemeldet werden können. „Es könnte sein, dass jemand etwas weiß, aber unter Druck steht“, sagt Soko-Chef Bayerl. Die Anrufe werden laut Polizei vertraulich behandelt, von einem Anrufbeantworter angenommen und nicht zurückverfolgt.
Hinweise Das anonyme Hinweistelefon ist unter 0821/3499335 erreichbar, alle anderen Hinweise werden unter 0821/323-3030 angenommen.