Wie die Ermittler am Freitagnachmittag bei einer Pressekonferenz berichteten, stehen der 56-jährige Rudi R. aus Friedberg und sein 58-jähriger Bruder Raimund M. aus Augsburg unter dringendem Verdacht, den Augsburger Polizisten Mathias Vieth getötet, und seine Kollegin durch einen Schuss verletzt zu haben. Zumindest der 58-Jährige Verdächtige sei durch einen Abgleich von DNA-Spuren "eindeutig" überführt. Sein genetischer Fingerabdruck sei am Tatort festgestellt worden, sagte der Leiter der Augsburger Staatsanwaltschaft, Reinhard Nemetz.
Brüder hatten offenbar Raubüberfall geplant
Den Ermittlungen zufolge hatten die beiden Brüder wohl einen Raubüberfall geplant, als sie am 28. Oktober nachts zufällig am Augsburger Kuhsee von Polizist Mathias Vieth und seiner Kollegin überrascht wurden. Deshalb hatten sie auch drei Waffen, ein Schnellfeuergewehr und zwei großkalibrige Pistolen, bei sich.
Als die Brüder nach einer kurzen Verfolgungsfahrt auf einem Waldweg im Augsburger Siebentischwald mit ihrem Motorrad stürzten, eröffneten sie sofort das Feuer auf die ihnen folgenden Polizeibeamten. Der zweifache Familienvater Vieth schoss wie seine Kollegin zurück, wurde aber trotz Schussweste tödlich getroffen. Seine Kollegin erlitt einen Streifschuss.
Es gab Hinweise auf einen der Brüder
Auf die Spur der Verdächtigen kam die sofort eingerichtete, 53-köpfige Soko "Spickel" durch akribische Polizeiarbeit. In den vergangenen Wochen hatte sie etliche Personen aus der kriminellen Szene in Augsburg überprüft, berichtete Klaus Bayerl, Leiter der Soko. Es sei recht schnell klar gewesen, dass sich die Polizistenmörder im Augsburger Stadtteil Hochzoll bestens auskannten. Deshalb habe man sich zunächst einmal auf den Raum Augsburg und dessen Milieu konzentriert.
Zudem habe es schnell Hinweise auf den 56-Jährigen gegeben - aus seinem Umfeld, aber auch aus Polizeikreisen. "Das war nichts Konkretes, nur der Hinweis, wir sollten uns den Mann mal ansehen", so Bayerl. Rudi R. hatte im Jahr 1975 in Augsburg schon einmal einen Beamten erschossen. Er wurde dafür zu zweimal lebenslänglich plus acht Jahre Freiheitsentzug verurteilt. Nach 18 Jahren kam er wieder auf freien Fuß.
Nachdem sich die Indizien verdichteten, wurden die beiden verdächtigen Brüder über Wochen hinweg überwacht. Telefonate wurden aufgezeichnet, ihre Bewegungen verfolgt. Hinzu kam ein weiteres Indiz: Lechhauser Polizeibeamte hatten nur Minuten nach der Tat einen Wagen mit Münchner Kennzeichen nahe ders Tatorts entdeckt - mit warmem Motor. Er gehörte einem Münchner Geschäftsmann, der dieses Auto den Brüder immer wieder geliehen hatte.
Ermittlungsrichterin bestätigt Haftbefehl wegen Mordes
Am Donnerstag schließlich schlugen Beamte eines Sonderkommandos zu und verhafteten die völlig überraschten Brüder. Diese leisteten keinen Widerstand. In einem Lager der Männer entdeckten Fahnder kurz darauf rund 20 Schußwaffen, darunter eben ein Schnellfeuergewehr.
Die Ermittlungsrichterin am Augsburger Amtsgericht bestätigte am Mittag den Haftbefehl gegen die beiden Brüder wegen gemeinschaftlichen Mordes, versuchten Mordes und anderer Delikte. Gestanden haben die Verhafteten offenbar nicht. Das geht aus Äußerungen von Justizministerin Beate Merk (CSU) hervor, die von der noch bestehenden Unschuldsvermutung und zugleich deutlichen Anzeichen der Schuld der beiden Verdächtigen sprach. Sie gratulierte den Ermittlern dennoch zur "Aufklärung eines feigen und brutalen Verbrechens".