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Corona-Krise

22.03.2020

Bezirkskrankenhaus Augsburg rechnet mit mehr Patienten

Im Bezirkskrankenhaus Augsburg stellt man sich darauf ein, dass dort die Zahl der Patienten in den kommenden Wochen steigen wird.
Bild: Annette Zoepf

Plus Es werden drastische Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Das greift die Psyche vieler Menschen an. Wie das BKH mit der Situation umgeht.

Die Ausbreitung des Coronavirus stellt das deutsche Gesundheitssystem vor immense Herausforderungen. Nicht nur, weil viele Patienten behandelt werden müssen, die sich mit dem Virus infiziert haben. So stellt man sich auch im Bezirkskrankenhaus Augsburg beispielsweise darauf ein, dass auch dort die Zahl der Patienten in der Klinik in den kommenden Wochen steigen wird.

Im BKH werden Menschen mit psychischen Erkrankungen behandelt. Die Corona-Krise und die Einschränkungen im öffentlichen Leben hätten massive Auswirkungen auf die Psyche vieler Menschen, sagt Alkomiet Hasan, Ärztlicher Direktor am BKH und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Corona-Krise hat Folgen für psychisch kranke Menschen

Im Bezirkskrankenhaus werden im Normalfall bis zu 350 Patienten stationär versorgt, dazu gibt es verschiedene ambulante Angebote. Man habe aber gemerkt, dass in den vergangenen Wochen viele Patienten nicht mehr in die Ambulanz gekommen seien, wohl aus Angst, sich auf dem Weg dahin mit dem Coronavirus anzustecken. Facharzt Hasan sieht darin durchaus ein Problem: Eine psychische Erkrankung sei eben eine Erkrankung, sie lasse sich nicht wegdrücken. Er bitte daher jeden, das Hilfesystem benötige, es auch zu nutzen.

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Die Hygienemaßnahmen in der Klinik seien hoch; es seien eigene Räume geschaffen worden für Menschen, die an dem Virus erkranken oder als Verdachtsfall gelten. Alkomiet Hasan rechnet zugleich damit, dass die Patientenzahlen in den kommenden Wochen und Monaten in Folge der Corona-Krise deutlich steigen werden. Die aktuelle Situation sei nur eine Momentaufnahme.

Alkomiet Hasan ist Ärztlicher Direktor am BKH in Augsburg.

Zuletzt hat der Freistaat Bayern weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens angeordnet. So darf man das Haus nur noch mit triftigem Grund verlassen – etwa zum Einkaufen, zum Arztbesuch oder um zur Arbeit zu gehen. Hasan sagt, er halte die Maßnahmen des Freistaates aus medizinischer Sicht angesichts der derzeitigen Situation für richtig. „Aber natürlich ist das eine Extremsituation, eine Stresssituation.“ Es sei eine eine immense Krise für unser Land und für unsere Art zu leben. Gerade für Menschen mit ausgeprägten psychischen Erkrankungen sei es eine schlimme Situation. Je vulnerabler die Menschen seien, je mehr psychische Vorerkrankungen sie hätten, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass die akutelle Lage sie in eine psychische Ausnahmesituation bringe.

BKH Augsburg geht von steigenden Patientenzahlen aus

Experten gehen davon aus, dass psychische Krankheiten durch die Pandemie, die einschneidenden Maßnahmen und die wirtschaftlichen Folgen forciert werden, sie also auch bisher gesunde Menschen derart belasten können, dass diese medizinische Hilfe benötigen. Auch Hasan sagt, er gehe davon aus, dass die Rate an schweren Depressionen steigen werde, ebenso die Suizidrate. Dies sei durch Erfahrung und Forschung zu früheren Krisen, etwa zur Finanzkrise, wahrscheinlich. Eine langfristige Isolation der Menschen hätte gravierenden Auswirkungen. „Das ist einer der größten, wenn nicht der größte Stressfaktor, den ein Mensch erleben kann – vergleichbar mit einer schweren Traumatisierung.“

Der Ärztliche Leiter der Klinik betont, dass die Klinik im Vollbetrieb laufe, angepasst an der Situation, also die Vorgaben des Freistaates. „Alle Notfälle und Regelbehandlungen erfolgen.“ Man habe auch über Umstrukturierungen die Möglichkeit geschaffen, Menschen, die eventuell am Virus erkrankt sind, auf einer spezialisierten Station zu behandeln. Schließlich werde es demnächst Fälle geben, dass jemand psychisch erkrankt sei und mit dem Virus infiziert sein wird. Menschen, die etwa unter Suizidgedanken, Schizophrenie, Depressionen und Suchterkrankungen litten, brauchten schließlich auch eine entsprechende Behandlung. Die sei in jedem Fall gewährleistet.

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