In der "Schau-Fabrikhalle" bleiben den meisten Besuchern erst mal die Worte weg. Zum einen, weil es in dem kleinen Glaskasten höllisch laut ist, wenn die Webmaschinen rattern. Zum anderen, weil es beeindruckend und gleichzeitig erschreckend ist, unter welchen Bedingungen die Menschen einst arbeiteten. Heiß war es in den Fabrikhallen der Textilindustrie. Laut. Und die Arbeitstage waren sehr viel länger, als die, die wir heute kennen.
Dennoch fühlen sich Alois Thoma und Adalbert Kraus hier wohl. Die pensionierten Textiler haben geholfen, alte Webmaschinen auf Vordermann zu bringen. Nun hoffen sie, dass das Museum läuft und viele Besucher lockt. Während der Führungen werden sie und andere Kollegen da sein und sie wieder ein wenig aufleben lassen, die stickig-laute Atmosphäre von einst.
"Eine schöne Spielwiese für unsere Textiler"
70 000 Besucher im Jahr und mehr können oder sollen es einmal werden im tim. Schon am Eröffnungstag gab es einiges an Lob von den ersten Gästen. Dass Dr. Richard Loibl mit besonderer Aufmerksamkeit durch die Ausstellung geht, ist klar: Der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte leitete das tim acht Jahre lang (siehe Bericht unten). Von seinem Konzept, sagt er auf gut Niederbayerisch, sei "ein ganzer Haufen" übrig geblieben: "Es entspricht ziemlich dem Planungsstand, den ich noch kenne." Am gelungensten sei der Mittelraum, in dem Besucher sich an großen Figurinen, den Grazien, als Designer erproben können. "Und schön ist natürlich, dass unsere ehemaligen Textiler eine Spielwiese haben, um sich ehrenamtlich zu engagieren."
Auch für Architekt Prof. Klaus Kada ist dieses Engagement eine "unglaubliche Leistung". Der Grazer plante das Textilmuseum und machte die alten Schedhallen zu Ausstellungsräumen." Ganz umgesetzt wurden seine Pläne allerdings nicht: "Durch alle möglichen Widerstände mussten viele Abstriche gemacht werden", sagt er und klingt dabei nicht ganz so glücklich.
Gerhard Berger aus Reutlingen ist begeistert, dass der Textilindustrie in Augsburg ein Museum gewidmet wurde. Sein Unternehmen, die Firma Stoll, stiftete dem tim Strickmaschinen. "Es ist toll, dass hier nicht nur alte Maschinen gezeigt werden, sondern auch Aktuelles eingebunden wird."
Dem ehemaligen Regierungspräsidenten Ludwig Schmid imponieren die technischen Leistungen von einst und die Architektur: Aus einer Fabrik-Ruine entstand ein modernes Ausstellungsgebäude. "Das ist klasse - auch die Tatsache, dass man selbst an einigen Stationen mitmachen kann." Eine "exzellente Geschichte" ist das tim laut Ekkehard Gesler geworden. Der ehemalige Kulturreferent war auch mit Planungen fürs Museum beschäftigt. "Damals sollte es noch in den Glaspalast."
Die ehemaligen Musterbücher der Neuen Augsburger Kattunfabrik (NAK) spielen eine zentrale Rolle in der Ausstellung. Dass sie überhaupt noch in Augsburger Besitz sind, ist unter anderem der Stadtsparkasse zu verdanken. Deren Vorstandsvorsitzender Rolf Settelmeier ist angetan von der Präsentation: "Ich bin stolz, dass die Stadtsparkasse bei dem Ankauf der bedeutenden Mustersammlung mithelfen konnte."
Der Auftakt am Abend war ganz nach dem Geschmack von Conrad Glock. Er hat ein Pelzgeschäft in Augsburg und findet es toll, was im Museum auf die Beine gestellt wurde. "Nur ein bisschen mehr von der alten Gebäudesubstanz hätte man erhalten können", meint er.
Mitgebracht hatte er Lisa Mcqueen, frisch gebackene Kürschnerin. Sie war vor allem von der Modenschau angetan. "Sie war sehr inspirierend." Nicole Prestle