Viele Unternehmer haben sich in den vergangenen Jahrzehnten am Hotelturm die Finger verbrannt und Millionen verloren. Pleiten, Leerstände und Negativschlagzeilen prägten lange Zeit die Geschichte des Augsburger Wahrzeichens.
Seit rund zehn Jahren ist Ruhe eingekehrt: Seitdem belegt das Dorint-Hotel große Teile des Turms. Die Dachgesellschaft der Kette, die Ebertz & Partner Unternehmensgruppe, ist Eigentümer vieler Etagen. Das Hotel feiert nun Jubiläum. „Das Haus hat sich gut entwickelt“, sagt Direktor Peter Bertsch, der seit Februar in dieser Funktion tätig ist.
Viele andere Betreiber und Eigentümer waren zuvor gescheitert. „Die Hotels haben einfach nicht funktioniert“, erinnert sich Götz Beck, Chef der Regio Augsburg Tourismus GmbH. Dabei waren die Pläne in den 70er Jahren ehrgeizig: Zu den Olympischen Spielen in München wollte Augsburg mit einem besonderen Gebäude und mehr Hotelkapazitäten aufwarten. Bauherr war der Augsburger Landmaschinenhändler Otto Schnitzenbaumer. 38 Millionen Mark hat er in den Bau gesteckt, 33 Millionen davon streckte die Hessische Landesbank vor. Der Historiker Franz Häußler hat die Geschichte des Turms – die Augsburger nennen ihn „Maiskolben“ – recherchiert.
Die Kette Holiday Inn, die 2012 ein Express-Hotel in Augsburg eröffnen will, war der erste Betreiber im Turm. 400 Betten in den unteren elf Etagen standen zur Verfügung. Darüber gab es knapp 300 Privatwohnungen, eine Aussichtsterrasse im 34. und ein Restaurant im 35. Stock. Schlagzeilen machten ab 1974 die Eigentümerwechsel: Erst wollte ein Textilunternehmer einsteigen, konnte aber nicht zahlen, später kam es zur Zwangsversteigerung. Schließlich übernahm 1980 die Hessische Landesbank, der Glöggler noch Geld schuldete, den Turm.
Asylbewerberheim im Gespräch
1990 wurde aus dem Holiday Inn das „Turmhotel“. Ein Schweizer Konzern hatte den unteren Teil des Gebäudes gekauft. Doch dessen Konzept ging nicht auf. Ab 1993 stand der Trakt komplett leer. Laut Häußler soll im Gespräch gewesen sein, ein Alten- oder Asylbewerberwohnheim dort unterzubringen. Es gab heftigen Widerstand. Hoffnung keimte auf, als 1996 der Eigentümer einer Mineralölgesellschaft aus Venezuela den Hotelteil kaufte. Jahrelang tat sich dann aber nichts. Bis Anfang 2000. Ebertz & Partner übernahmen für 9,2 Millionen Euro die unteren elf Etagen. Nach einer Generalsanierung eröffnete im August 2001 das Dorint-Hotel – nach mehr als sieben Jahren Leerstand. Heute befindet sich im 35. Stock die Zentrale von Klassik Radio.
Kongresszentrum beschert Gäste
Im Dorint gibt es 184 Zimmer und 14 Suiten, im 34. Stock sind Konferenzzimmer. Die besondere Architektur ist für das Hotel wichtig. Direktor Bertsch sieht darin ein „Alleinstellungsmerkmal“. Die Auslastung sei zuletzt gut gewesen, auch weil das „Drei Mohren“ wegen des Umbaus nicht zur Verfügung stand.
Bertsch hofft, dass nach der Sanierung des Kongresszentrums, das sich direkt neben dem Turm befindet, das Geschäft weiter floriert. „Die Erwartungshaltung ist groß.“ Auch bei der Stadt. Tourismus-Chef Götz Beck fordert daher seit Langem ein weiteres Vier-Sterne-Haus. (monik)