Er ist Philosoph, Fußballer und Fan: Dr. Gerhard Hofweber war mittendrin, als die Fans des FC Augsburg den Aufstieg in die Bundesliga feierten. Der 41-Jährige ist zwar Bayern-Fan („irgendwann merkt man, dass man mehr mit den Roten fühlt“) – aber er will sich eine Dauerkarte für den FCA kaufen.
Fühlen Sie sich erstklassig?
Hofweber: Wer in der ersten Bundesliga spielt, ist erstklassig – und zwar verdient. Daran gibt es keinen Zweifel. Es ist großartig, dass Augsburg in der ersten Liga dabei ist.
Wie haben Sie den Jubel der Augsburger erlebt?
Hofweber: Begeistert und bewegend. Der Aufstiegstag war toll. In den Wochen zuvor fand ich den Jubel dagegen verhalten. Ich hatte den Eindruck, dass viele nicht wirklich daran geglaubt haben, dass der FCA es schaffen kann.
Ist das die Augsburger Mentalität?
Hofweber: Das kann ich als Wahl-Augsburger schwer beurteilen. Wichtig ist nur, dass man sich nicht ins Verhältnis zu anderen setzt, mit denen man nicht konkurrieren kann – München etwa. Der FCA spielt zwar erste Liga, ist aber nicht der FC Bayern. Die Bedingungen, unter denen der FCA erfolgreich in der ersten Liga agieren kann, sind ganz andere als bei größeren Vereinen.
Könnte der Aufstieg der Stadt Augsburg zu einem neuen Selbstbewusstsein verhelfen?
Hofweber: Der derzeitigen Euphorie misstraue ich ein wenig, denn es wird zu sehr an sie appelliert. Ich habe den Eindruck, dass eine Stimmung erzeugt werden soll, im Sinne von: ,Nun seid doch einmal euphorisch‘, ‚Tretet selbstbewusster auf‘, ‚Seid stolz‘. Aber ein Stolz oder ein Selbstbewusstsein, an das ich appellieren muss, kann nicht echt sein. Selbstbewusstsein kann nicht verordnet werden, sondern ist Ausdruck der inneren Haltung.
„Selbstbewusstsein kann nicht erzwungen werden“
Wie meinen Sie das?
Hofweber: Wenn das innere Selbstbewusstsein fehlt, kann es durch äußere Appelle nicht erzwungen werden. Ich kann jemandem, der Angst vorm Zahnarzt hat, diese nicht dadurch nehmen, dass ich ihm sage: ‚Du brauchst keine Angst zu haben. Es wird schon nicht wehtun‘.
Woher kann dann das Selbstbewusstsein kommen, um in der ersten Liga bestehen zu können?
Hofweber: Indem ich mich auf das besinne, was mich ausmacht und worin meine Leistung und mein Potenzial besteht. Wir dürfen nicht vergessen: Um dahin zu kommen, wo der FCA jetzt steht, muss man vieles richtig gemacht haben. Der Trainer, Manager, Präsident und die Spieler haben hervorragend zusammengearbeitet. Die Mannschaft hat guten Offensivfußball geboten und die Fans haben sie dabei unterstützt – und Augsburg ist keine Großstadt. In welcher Liga spielt Fortuna Düsseldorf?
In der zweiten.
Hofweber: Eben. Aber für Augsburg werden sich in der ersten Liga viele Bedingungen ändern: Der Jäger wird zum Gejagten. Viele Mannschaften werden stärker spielen als der FCA.
Das wird hart werden...
Hofweber: ...es wird um den Klassenerhalt und nicht um die Meisterschaft gehen. Um jetzt in der ersten Liga bestehen zu können, bedarf es keiner kurzfristigen Euphorie, sondern nachhaltiger Unterstützung. Die Fans werden auf die Probe gestellt werden und ihre Bedeutung für den Erfolg wird wachsen, denn die Punkte müssen vor allem zu Hause geholt werden. Wird die Mannschaft noch unterstützt werden, wenn sie zurückliegt und Fußball arbeitet statt spielt? Denn: Was vorher die Kür war, ist nun die Pflicht. Es wird auf Kleinigkeiten ankommen und die innere Haltung ist dabei ein entscheidender Faktor.
Wird der Aufstieg des FCA der Stadt einen Schub geben?
Hofweber: Wenn man den Schub herbeireden möchte: nein. Aber, das ist auch gar nicht nötig, denn wir spielen doch kommende Saison erste Liga! Wir können stolz und selbstbewusst sein. Egal was kommt, die nächste Saison kann uns keiner nehmen und wir können sie genießen. FC Bayern, Borussia Dortmund, HSV, Augsburg: klingt das nicht gut? Wenn wir aber einen nachhaltigen Erfolg haben möchten, wird es essentiell sein, sich nicht auf den vergangenen Verdiensten auszuruhen, sondern innovative Wege zu finden, den Erfolg auch in der Zukunft zu sichern. Den Fans kommt dabei eine entscheidende Rolle zu.
Warum freuen wir uns eigentlich über die Erfolge von elf anderen Menschen?
Hofweber: Die elf anderen haben mit uns etwas zu tun, weil sie für Augsburg stehen. Man hat viel mehr mit der Heimat zu tun, als man sich gewöhnlich vorstellt, und die Augsburger sind zu Recht stolz auf ihre Stadt.
Wo wird der FCA am Ende der ersten Bundesliga-Saison stehen?
Hofweber: In der ersten Bundesliga.