Paul ist ungefähr 70 Jahre alt, Professor und lebt auf der Straße. Der Obdachlose hat eine kleine Gruppe gesellschaftlicher Außenseiter um sich geschart. An die verteilt er Bücher und etwas schwülstig klingende Lebensweisheiten wie: „Im Unglück lernt man sich selbst am besten kennen, weil keine Freunde mehr da sind, die einen ablenken.“ In seinemFilm„Schattenmenschen“ versucht der iranische Filmemacher Darioush Shirvani ein Bild von Menschen zu zeichnen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Im Rahmen der Benefizaktion „Künstler helfen Obdachlosen“ hat der Sozialverband SKM in der Diözese Augsburg nun Shirvanis Film mit großer Resonanz im Liliom präsentiert.
Ursprünglich wollte der Regisseur einen Dokumentarfilm über Obdachlose drehen. Das Projekt scheiterte jedoch. Shirvani bemerkte, dass die Protagonisten ihn anlogen. „Bei einer Dokumentation musst du dich hundertprozentig darauf verlassen können, dass die Leute ehrlich zu dir sind“, sagt er.
Shirvani beschloss, sich der Thematik lieber fiktional zu widmen. Er schrieb ein Drehbuch und trommelte eine Reihe mehr oder weniger erfahrener Schauspieler zusammen. Im Alleingang übernahm Shirvani die Regie, Kameraführung und Komposition der Filmmusik. Fast sieben Jahre brauchte er, um sein Werk fertigzustellen. Da er keine Fördergelder erhielt, war Shirvani gezwungen, längere Drehpausen einzulegen.
Am Ende steht ein Werk über die Dreiecksbeziehung zwischen dem obdachlosen Professor Paul (gespielt von Peter Reinwarth), der Prostituierten Lydia (Giulia Sophia Young) und dem arbeitslosen Pianisten Vaclav (Petr Kuschmitz). Auf der Straße nimmt Paul den talentierten, aber alkoholkranken Musiker unter seine Fittiche und versucht, den Tschechen zurück in das bürgerliche Leben zu führen. Durch Paul lernt Vaclav die Prostituierte Lydia kennen. Mit der jungen, aus Italien stammenden Frau steht der Professor in einer väterlich-freundschaftlichen Beziehung. Nach mehreren Missverständnissen und einem Streit mit Vaclav nimmt das Drama seinen Lauf. Paul fängt an, sich hemmungslos zu betrinken, und erfriert im Schnee.
Shirvani will keine biografischen Erlebnisse verarbeiten
Der iranische Regisseur hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Von dem Ajatollah-Regime verfolgt, musste er als 25-Jähriger sein Heimatland verlassen. In Deutschland war er gezwungen, sich eine völlig neue Existenz aufzubauen. Obwohl Shirvani betont, keine biografischen Erlebnisse bei Schattenmenschen verarbeitet zu haben, versucht er sehr viele Missstände in seinem Film anzuprangern. Stellenweise wirkt das Werk dadurch überfrachtet. Zudem ist die schauspielerische Leistung der Darsteller auf sehr unterschiedlichem Niveau. Während zum Beispiel Petr Kuschmitz als Pianist seine Rolle überzeugend verkörpert, wirken viele Nebendarsteller dagegen laienhaft. Dennoch gelingt es Shirvani, ein glaubhaftes Bild von Menschen in schwierigen Lebensumständen zu zeichnen, die in der Gesellschaft oft nicht beachtet werden.