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Werksschließung

14.11.2017

Ledvance-Schließung eine Horror-Nachricht für Augsburg

Die wichtigsten Augsburger Produkte sind Leuchtstoffröhren. Dabei sind klassische Leuchtstoffröhren und solche, die mit Leuchtdioden (LEDs) bestückt sind.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der Chef des Lampenherstellers Ledvance erklärte den Mitarbeitern, dass er das Werk schließen will. Die Beschäftigten sind wütend und traurig - wollen aber kämpfen.

Das Grauen erblickt oft nüchtern die Welt. Es scheint sich wie ein bürokratischer Akt zu vollziehen. So steht „Ledvance setzt Transformation fort“ über der Pressemitteilung vom Montag. Aus dieser geht hervor, dass der Lampenhersteller in Deutschland bis Ende 2021 rund 1300 Arbeitsplätze abbauen will. Dabei geht das Wort „Transformation“ auf das lateinische Wort „transformare“ zurück, was für eine Umformung steht.

Doch geht es nach den Plänen des Unternehmens, das einem chinesischen Konsortium gehört, gibt es zumindest für die Standorte Augsburg und Berlin nichts mehr zum Umformen, sollen die Werke doch dichtgemacht werden. Das gab Ledvance-Chef Jes Munk Hansen gestern bekannt. So bestätigten sich auf traurige Weise Informationen unserer Zeitung von Freitag Abend. Demnach sollen im früheren Osram-Werk Augsburg rund 650 Stellen gestrichen werden. In Berlin sind es 200. Wie berichtet, kommt auch der Standort Eichstätt nicht ungeschoren davon. Dort sollen 250 von noch gut 450 Arbeitsplätzen wegfallen. Aber immerhin wird dort noch eine Transformation und keine Auflösung des Standorts angestrebt.

Nicht nur das Ledvance-Werk in Augsburg schließt

Die Werke in Augsburg und Berlin sollen bis Ende 2018 geschlossen werden. Der schwäbische Standort, für den zu Glanzzeiten mehr als 2000 Beschäftigte tätig waren, gliedert sich in vier wesentliche Bereiche: Zentral ist die Produktion von Leuchtstoffröhren. Wobei neben den nach wie vor dominierenden klassischen Produkten, wie sie in vielen Büros an den Decken hängen, seit Sommer 2017 auch Leuchtstoffröhren, die mit LEDs, also Leuchtdioden bestückt sind, in Augsburg entstehen. Hier ist unter Regie der neuen Eigentümer aus China um den LED-Produzenten MLS eine alte in eine neue Fertigungslinie umgebaut worden.

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Doch für die Produktion solcher LED-Leuchtstoffröhren sind nicht mehr so viele Mitarbeiter wie beim klassischen Vorgängerprodukt notwendig. Früher wurden in Augsburg auch Energiesparlampen produziert. Doch traditionelle Produkte werden noch schneller als von Experten prognostiziert von günstigen und langlebigen Leuchtdioden verdrängt.

Das Augsburger Werk weist weitere Säulen auf: Im Glaswerk mit rund 100 Mitarbeitern entstehen die Hüllen der Lampen. Hier arbeitet Ledvance auch für Kunden außerhalb der Firma und stellt etwa Glas für Solarium-Lampen her. Sicher ein Glanzstück des Werkes ist der Maschinenbau. Ledvance-Mitarbeiter bauen hier Produktionsanlagen für das eigene Unternehmen, aber zum Teil auch für Kunden außerhalb des Unternehmens. In dem Bereich sind nach Berechnungen des Betriebsrats etwa 150 Experten beschäftigt. Nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter könnten die Spezialisten noch viel mehr Spezialmaschinen für Kunden in aller Welt bauen. Anfragen gebe es immer wieder. Doch hier sei seitens der Geschäftsführung gebremst worden.

Ledvance schließt Werk in Augsburg: Zukunft der Logistiksparte offen

Für den Betriebsratsvorsitzenden Willi Sattler ist vor allem eine Botschaft wichtig: „Der Maschinenbau arbeitet alle Aufträge ab und ist auch für neue offen.“ Dazu passt, dass Ledvance den Bereich erst Ende 2019 aufgeben will. Das liegt sicher daran, dass Konstruktion und Bau von Maschinen ein Geschäft ist, das sich über Jahre hinziehen kann.

Offen scheint hingegen noch zu sein, wie es mit der Logistiksparte als viertem Bereich weitergeht. Hier ist nicht von einer Schließung die Rede. Klar ist aber, dass auch im Ledvance-Hauptquartier in Garching bei München und an einem weiteren Standort in Nordrhein-Westfalen (Wipperfürth) Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. So erklärt sich die Zahl von 1300 betroffenen Stellen in Deutschland.

Insgesamt beschäftigt Ledvance weltweit rund 9000 Mitarbeiter, darunter noch 2300 in Deutschland. Unter den Augsburger Beschäftigten herrscht eine Mischung aus Trauer, Wut, aber auch Kampfeslust. Trauer und Wut dominierten am Montag nach der, wie Betriebsräte gestoppt haben, nur rund 15 Minuten dauernden nicht öffentlichen Mitarbeiterversammlung. Dort informierte Ledvance-Chef Hansen die von der Horror-Nachricht überraschten Beschäftigten. Betriebsratsvorsitzender Sattler sagte: Es herrschte Totenstille wie auf einer Beerdigung.“ Am Schluss seien „massive Buhrufe“ vernehmbar gewesen, als der Manager weitere Fragen nicht mehr habe beantworten wollen. „Das ist bodenlos gegenüber Mitarbeitern“, empörte sich Sattler.

Augsburger IG-Metall-Chef Leppek entsetzt über Vorgehen der Arbeitgeber

Auch der Augsburger IG-Metall-Chef Michel Leppek ist entsetzt über das Vorgehen der Arbeitgeberseite. Der nicht zu massiven Verbal-Attacken neigende Gewerkschafter meinte: „Das ist verantwortungslos, wie man mit der Belegschaft umgeht.“ Er sprach von einem „Schmierentheater“. Was die Arbeitnehmervertreter ärgert: Das Management habe entgegen anders-lautender Beteuerungen nicht ausreichend Alternativen zur Schließung des Standortes geprüft.

Doch neben Trauer und Wut macht sich auch Kampfeslust breit. Ein Beschäftigter sagt in Anspielung auf die Vergangenheit des Fußball-Vereins FC Augsburg: „Augsburg weiß, wie man gegen den Abstieg spielt.“ Solange die Chance für den Erhalt des Werkes bei einem Prozent liege, müsse man kämpfen.

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