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Ehrenamt

16.08.2019

„Ohne die Helfer wäre das Gehege geschlossen“

Waltraud und Johann Mirbeth arbeiten ehrenamtlich im Augsburger Zoo mit: Sie passen einmal wöchentlich im Gehege der Kattas auf – nicht nur auf die Tiere.
Bild: Christoph Kölle

Die Mitarbeiter, die im Kattaland des Augsburger Zoos helfen, übernehmen die Aufsicht über das Gehege. Dabei müssen sie nicht nur auf die neugierigen und flinken Tiere achten

Es ist zwölf Uhr, die Tür der Kattaanlage wird aufgesperrt und auf der anderen Seite der Schleuse laufen die Lemuren schon über die Wege des begehbaren Geheges. Die Besucher des Zoos warten darauf, die Affen endlich zu sehen. Eine Mutter fragt beim Betreten, ob sie ihr Baby auf die Wiese setzen darf, um dann die Kattas anzulocken und ein Foto zu machen. Ein Jugendlicher schaut verständnislos, als er seinen Lutscher wegstecken muss und ein paar Kleinkinder sind enttäuscht, weil sie die Tiere nicht streicheln dürfen, obwohl die so verlockend vor ihren Füßen herum laufen. Die Begeisterung für die Kattas ist groß, aber das Verständnis dafür, dass die Tiere nun mal keine Haustiere sind, beißen können und besitzergreifend werden, wenn es um Essen geht, kann nicht jeder Besucher aufbringen.

Um trotzdem dafür zu sorgen, dass alles glatt läuft, engagieren sich Menschen aus Augsburg und dem Umland als ehrenamtliche Aufsicht in dem Gehege. Die freiwilligen Mitarbeiter wissen, wie mit größeren Gruppen umzugehen ist, beantworten Fragen von Besuchern, ob es um die Kattas oder die Regelungen geht. Manchmal muss es schnell gehen. Dann rufen sie den Besuchern zu „Stecken sie bitte die Breze weg“ oder „Der Kinderwagen muss draußen bleiben“. Diese Regeln müssen sein. Denn die Helfer wollen, dass die Besucher ohne Probleme die Zeit genießen können und das Gehege ein sicheres Umfeld für die Menschen und Lemuren bietet. Die Tiere sind unheimlich flink und können sehr gut springen, alles, was die Menschen in den Mund nehmen – und sei es eine E-Zigarette – könnten die Kattas als etwas Essbares wahrnehmen.

Dass das Gehege für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt, ist nur durch die vielen Helfer möglich, die in ihrer Freizeit dort arbeiten und aufpassen. Katrin Werner ist die Pflegerin der Affen und erklärt: „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir ein begehbares Gehege haben. Ohne unsere freiwilligen Helfer müssten wir das Gehege schließen“. Viele Mitarbeiter sind schon mehrere Jahre dabei. Es kommen aber auch immer wieder neue dazu. Mittlerweile arbeiten etwa 30 Ehrenamtliche nur für das Kattaland. „Dabei ist jegliches Alter abgedeckt: Es gibt Studenten, Berufstätige und Rentner, die in ihrer Freizeit aushelfen. Die Helfer, die hier arbeiten, wollen aus dem Haus kommen, sich austauschen und sind einfach gerne im Gehege“, sagt Katrin Werner.

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Zu den Mitarbeitern zählt auch das Ehepaar Johann und Waltraud Mirbeth. Die beiden sind Rentner und übernehmen, neben weiteren ehrenamtlichen Engagements, jeden Donnerstag die Kattaaufsicht im Augsburger Zoo.

Das Ehepaar hat bei einem Zoobesuch spontan angefragt, ob noch Leute gebraucht werden. Seitdem stehen sie jeden Donnerstag im Gehege. Worauf sie bei der Kattaaufsicht am meisten achten müssen, ist die Tür.

Das Prinzip der Schleuse, dass immer eine Tür geschlossen sein muss, kann schon mal bei der Vorfreude auf die Affen vergessen werden. Das ist vor allem dann ein Problem, wenn die Kattas direkt vor der Tür sitzen. Wenn das passiert, muss die Aufsicht besonders darauf achten, dass die Schleuse funktioniert, auch wenn das vielleicht heißt, den Besuchern für eine kurze Zeit den Eingang zu versperren bis die Kattas von der Tür weggehen.

Die Arbeit in dem Ehrenamt ist nicht immer die Einfachste. Wenn wenig los ist, machen die Freiwilligen natürlich auch gerne mal selbst Bilder und schauen den Kattas einfach zu, so Katrin Werner. Aber die Freiwilligen arbeiten bei so gut wie jeder Witterung. Ob es nun regnet, oder die Temperaturen über 30 Grad liegen. Und besonders bei den höheren Temperaturen ist in den Sommerferien im Zoo viel los, das begehbare Gehege bei den Besuchern beliebt. Deshalb teilt die Pflegerin im August gerne einmal vier Mitarbeiter an den Eingängen und im Gehege ein.

Johann Mirbeth rät für den nächsten Zoobesuch: „Die meisten Besucher, die Jahreskarten für den Zoo haben, wissen es: Aber auch wenn das Fell der Affen und der lange, gekringelte Schwanz zum Streicheln einladen, sollte jeder Besucher wissen, dass die Tiere uns in ihrem Lebensraum nur dulden und sie keine Haustiere sind.“ Was im Klartext heißt: Nur gucken, nicht anfassen.

Insgesamt elf Kattas leben im Zoo – alles Männchen. Weil die Kattas sich in zwei Gruppen zusammengeschlossen haben, ist zur Besucherzeit die siebenköpfige Truppe draußen. Wann die Mitbewohner der Kattas, die Mohrenmakis und ihr Nachwuchs wieder langfristig im Gehege zu sehen sind, steht noch nicht fest. Dafür steht nun der Name des kleinen Affen fest: Er heißt Groot.

Das Kind von Nosy und Comba wurde nach dem lebendigen Baum in den Superheldenfilm: „Guardians of the Galaxy“ benannt und der kleine Affe knabbert auch mal gerne die Verwandtschaft seines Namensvetters an.

Das Kattagehege hat täglich zwischen 12 und 16 Uhr geöffnet. Bei sehr schlechter Witterung oder Ausfall von Freiwilligen, ist es geschlossen.

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