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Augsburg

23.05.2020

Polizeieinsatz in der Augsburger Maxstraße eskaliert: Wirtin äußert sich

Ein nächtlicher Polizeieinsatz in der Maxstraße eskaliert - nicht nur, weil gegen Corona-Regeln verstoßen wird.
Bild: Axel Mengewein

Plus Am Freitagabend kommt es auf der Augsburger Partymeile zu Verstößen gegen die Corona-Regeln. Ein Polizeieinsatz vor einer Bar eskaliert - warum, dazu gibt es unterschiedliche Sichtweisen.

Freitagabend, nach 22.30 Uhr. Die Maxstraße ist gut besucht, zahlreiche Bars bieten Straßenverkauf an, der Herkulesbrunnen ist beinahe so bevölkert wie vor der Corona-Pandemie. Auf Abstände wird kaum geachtet, so schildert es die Polizei später in ihrem Bericht. Deswegen musste sie in dieser Nacht zwei Mal in die Partymeile ausrücken. Auch Katharina Ertl hat ihr „Café Corso“ geöffnet. Die 30-Jährige betreibt das Geschäft mit ihrer Familie. Vor dem Laden stehen die Leute um Getränke an, die Musik läuft, dann erscheint das Ordnungsamt.

Polizei und Wirtin erleben die Nacht in der Maxstraße unterschiedlich

So erzählt es Ertl am nächsten Tag. Das Ordnungsamt habe angeordnet, die Musik leiser zu stellen, dem sei sie nachgekommen. Auf die Anordnung des Amtes, bei den Leuten vor dem Lokal auf Abstand zu achten, habe sie erwidert, dies sei ihr nicht möglich. Ertl habe noch die Gäste bewirten wollen, die schon bezahlt hatten. Die Corona-Regeln habe sie dabei eingehalten, sagt sie. „Im Lokal war niemand, auch nicht an den Möbeln draußen. Wir haben nur zum Mitnehmen verkauft. Und auf städtischem Grund kann ich ja nicht sagen, dass sie weggehen sollen.“ Die Angestellten des Ordnungsamts verlangten die Schließung und hatten die Polizei verständigt. Und hier unterscheiden sich nun die Schilderungen.

Laut der 30-Jährigen hat ihre 62-jährige Mutter gegenüber den Beamten geäußert, sie sollen Abstand halten. Plötzlich sei ein weiterer Polizist hinzugekommen und habe „geschrien“. Ertl: „Immer mehr Menschen versammeln sich um mein Café, plötzlich werde ich zu Boden geworfen, Pfefferspray brennt in meinen Augen, ich habe Schmerzen am Hals. Ich hebe den Kopf und spüre einen Faustschlag.“ Um sie herum seien nur noch Polizisten, plötzlich auch ein Hund, Passanten würden die Polizisten anschreien, aus den Augenwinkeln sieht sie, wie ihre Mutter Beamte angeht, die 62-Jährige wird zu Boden gerissen und fixiert. Aus Sicht der Polizei verlief der Einsatz anders.

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Aus dem Polizeibericht: „Die Wirtin ging den Ordnungsdienst verbal an und heizte die Stimmung der Menschenmenge gegen die städtischen Mitarbeiter auf. Eine Polizeibeamtin versuchte daraufhin die 30-jährige Wirtin und deren anwesende Mutter hinsichtlich der Verstöße zu sensibilisieren, als plötzlich eine der beiden Frauen unvermittelt der Beamtin ins Gesicht schlug.“ Als die Beamtin sich aus der Lage befreien wollte, sei auch die andere Frau handgreiflich geworden. Darauf seien beide Frauen von Einsatzkräften zu Boden gebracht worden.

Videos auf Social Media zeigen Lage in der Augsburger Maxstraße

Trotz „massiven Widerstands“ konnte man Mutter und Tochter unter Kontrolle bringen. Während des Einsatzes habe sich eine Menschenmenge mit den beiden Frauen solidarisiert und Beamte bedrängt. Erst durch einen „hohen Kräfteansatz“ sei es möglich gewesen, die Lage zu beruhigen.

Nun kursieren Videos von dem Vorfall durch die sozialen Netzwerke. Sie zeigen eine hitzige und unübersichtliche Gemengelage. Umgeben von Menschen fixieren mindestens vier Beamte Katharina Ertl am Boden, eine Polizistin spricht auf sie ein. Ertl will aufstehen, wird niedergedrückt. So wirkt es zumindest. Plötzlich ein heftiger Schlag von einem Beamten, der direkt über ihr kniet. Daraufhin wird die filmende und aufgeregte Menge lauter, Rufe von „Polizeigewalt“ ertönen.

Anscheinend werden die Beamten nun auch von Umstehenden bedrängt, Tische werden umgeschmissen, Ertl und ihre Mutter geraten in ein Handgemenge mit einer Beamtin. Währenddessen kommen immer mehr Einsatzbeamte zum Café Corso, auf Fotos sind mehr als ein Dutzend Polizeifahrzeuge zu sehen, die mit ihrem Blaulicht die Maxstraße ausleuchten. Schließlich werden die 30-Jährige und ihre Mutter abgeführt.

Erhitzte Gemüter nach den Corona-Beschränkungen

Haben die Beamten unterschätzt, wie erhitzt die Gemüter am ersten Partyabend nach den striktesten Corona-Beschränkungen sein können? Laut einer Polizeisprecherin keinesfalls: „Die Stimmung der vor Ort befindlichen Personen wurde in keinster Weise unterschätzt.“ Im Bereich des Nachtlebens sei ein Solidarisierungseffekt bei größeren Menschengruppen immer wieder festzustellen, weshalb derartige Einsätze immer mit einem angemessenen Kräfteansatz bewältigt würden. Bei dem Einsatz wurden vier Beamte verletzt, unter anderem durch Bisse. In den sozialen Netzwerken äußerten viele Nutzer Verständnis für die Maßnahmen der Polizisten. Unsere Redaktion erreichten aber auch Nachrichten, man sei „total schockiert“ über dieses Vorgehen der Einsatzkräfte.

Laut Polizei wurden aus der Menschenmenge heraus Vorwürfe an den Maßnahmen der Polizeibeamten geäußert. Aufgrund dessen prüfe nun das Bayerische Landeskriminalamt – wie in solchen Fällen üblich – das polizeiliche Einschreiten. Für Katharina Ertl hat der Abend gleich mehrere Konsequenzen.

Dem Polizeibericht ist zu entnehmen, „gegen die Lokalbetreiberin und ihre Mutter wurde eine Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung aufgenommen“. Hierzu ermittle die Kriminalpolizei. Ertl selbst will ebenfalls rechtlich gegen diesen Polizeieinsatz vorgehen. Sie müsse nun wegen Prellungen und anderer Verletzungen im Krankenhaus untersucht werden. Und: „Ich hatte immer ein sehr gutes Bild von unserer Polizei, das ist nun erschüttert.“

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25.05.2020

Ich habe das Video auch gesehen (eines davon) und es ist zutreffend, dass ein Polizist die bereits am Boden festgehaltene Person geschlagen hat, da braucht es gar kein Drumrumreden. Zeugen sind ja ausreichend vorhanden.

Desweiteren würde mich mal interessieren warum die Polizisten im Einsatz offenbar nicht angehalten sind einen MNS zu tragen Gerade sie können ja nicht immer den notwendigen Hygieneabstand einhalten. Es hat auch schon Infektionsfälle bei der Polizei gegeben. Also bitte. Wer andere zur Einhaltung von Hygieneregeln anmahnen soll, bzw. Verstöße ahnden (beispielsweise auch auf Demos) sollte keine Sonderrechte genießen oder ggf. selbst gegen Regeln verstoßen.

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27.05.2020

Sie haben das Video hoffentlich gesichert, bevor irgendein Seitenbetreiber den Beweis vernichtet?

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25.05.2020

4 Polizisten von 62er dienstuntauglich gebissen....Polizisten von Mob mit Plastikbechern beworfen....Polizei reagiert mit Pfefferspray, Handschellen und Hunden.
Bitte liebe Journalisten tut eure Arbeit!!! Die Demokratie braucht eine ungefilterte Berichterstattung!!! Meines Erachtens gehört auch dieser Artikel in den öffentlichen Bereich, nicht nur die Version der Polizei.

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25.05.2020

Dies ist doch ein typischer Fall von "Aussage gegen Aussage".

Hierstellt sich für mich nur die Frage, wo sind denn die so viel gelobten "Bodycams".
Hätte auch nur ein Polizist eine solche getragen, dann wäre dei ganze Sache hier doch viel leichter zu klären.

Aber.
Hier sollen wieder Anschaffungen getätigt werden/worden sein, die man in der Realität aber schmerzlich vermisst.

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25.05.2020


GUENTER S
Vielleicht verstehen Sie den Zusammenhang nicht. Ich jedenfalls fühle mich unwohl, an jeder Ecke oder Straße Polizei zu sehen, wie von mir vorher beschrieben. Und dann jede Kleinigkeit gleich massiv zu ahnden, ist nicht gerade förderlich. Hier ist man sensibilisiert und reagiert dann auch etwas heftiger als normal. Parkbänke sind ein Beispiel von vielen, die zu solchen Reaktionen bei einer Polizeikontrolle führen können. Das Verhalten soll deswegen nicht entschuldigt werden, aber seitens der Polizei sollte man mit mehr Verständnis in der jetzigen Situation rechnen können.

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25.05.2020

GUENTER S.
"Verhältnismäßigkeit der Mittel" ist hier das Schlagwort. Man denke nur an den Einsatz bei der (verbotenen) Benutzung der Parkbänke. Ein Unding und für viele Unverständlich. Hier ging es eigentlich auch um Kleinigkeiten und die meisten nicht verstanden, dass so ein Einsatz nötig war. Auch wenn es rechtlich zulässig ist.

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25.05.2020

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Ist das so schwer zu verstehen??

Maximilianstraße, nicht Parkbänke ! !

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24.05.2020

Am Sonntagabend den 10.05. gegen 18:30-19:00 gingen wir in der Fußgängerzone Maximilianstrasse, Rathausplatz, Moritzplatz, Bgm.-Fischer-Straße spazieren. Erst herrschte regen Verkehr, aber nicht etwa durch Busse, Straßenbahn oder Radler, sondern von diversen Polizeifahrzeugen, auch in Zivil. Wir waren erstaunt wegen dieses enormen Präsenz von Polizei an einem Sonntagabend und es kam ein ungutes Gefühl auf, da man so etwas eigentlich nur bei einer akuten Gefahrenlage (nicht Corona!) vermuten würde. Dass dies zur Kontrolle der Einhaltung der Schutzmaßnahmen dienen soll ist schon sehr fragwürdig und erklärt u.a., dass da dann, wie bei einem Einsatz am Freitagabend, die Emotionen hochkochen. Natürlich rechtfertigt dies die Gewalt nicht aber eine etwas diskreter Polizeipräsenz wäre in dieser jetzigen" Corona Situation" angebracht. Es gibt einem momentan das Gefühl, dass man sehr stark überwacht und kontrolliert wird.

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25.05.2020


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Eine erhöhte Polizeipräsenz ist also schuld am jeweiligen

Hochkochen der Emotionen in der Maximilianstraße ????

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24.05.2020

>> Laut der 30-Jährigen hat ihre 62-jährige Mutter gegenüber den Beamten geäußert, sie sollen Abstand halten. <<

Ich kann nicht erkennen, wer hier vor wem Abstand halten soll.

Der aktuelle Bericht im BR gibt zusätzliche Details; da war schon mehr los als die Darstellung "2 Polizeiopfer" hier vermuten lässt.

https://www.br.de/nachrichten/bayern/bei-einsatz-in-augsburger-bar-werden-vier-polizisten-verletzt,RzpQ0zR

>> Die Menschen skandierten lautstark den Namen des Lokals und warfen Plastikbecher auf die Polizisten. Mit einem hohen Kräfteeinsatz bekam die Polizei nach eigener Aussage die Lage in den Griff. Dabei wurden vier Polizeibeamte durch Schläge, Kratzer und Bisse verletzt, drei von Ihnen waren danach nicht mehr dienstfähig. <<

P.S. Für Widerstandshandlungen gegen die aktuellen Hygiene-Maßnahmen wäre Corona-Spray viel passender ;-)

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24.05.2020

Die Polizeibeamten und städtischen Mitarbeiter vergessen wohl, wer ihre Gehälter finanziert, wenn sie das Geschäft eines Wirtes systematisch kaputt machen. Gibt es derzeit keine echten Verbrecher in Augsburg? Das Corona- Virus hat vor allem den gesunden Menschenverstand befallen.

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24.05.2020

Leider muss die Polizei öfters mal Geschäfte kaputt machen wenn das Verhalten der Geschäftsleute gegen Recht und Ordnung verstößt. Die Polizei lässt betrunkene LKW Fahrer nicht weiterfahren, beschlagnahmt Unterlagen bei Steuerbetrüger und und und.
Das ist alles nur eine Frage der Verhältnismäßigkeit und nicht eine Frage wer wieviel Steuern bezahlt.

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24.05.2020

Ich kann mich noch daran erinnern, als das Benutzen einer Parkbank unter Strafe stand. Den Boden der Verhältnismäßigkeit haben wir schon lange verlassen. Wie viele Verbrecher rennen in Augsburg frei herum, während sich die Polizei ein paar diskussionswürdige Verordnungen mit massiver Gewalt durchsetzen will? Die Aussage der Polizeisprecherin ist es nicht einmal wert, noch als Armutszeugnis bezeichnet zu werden.

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23.05.2020

(edit/bitte äußern Sie sich sachlich und vermeiden Spekulationen/mod)

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